Togos Präsident gestorben Staatsstreich des Sohnes

Mit dem togolesischen Präsidenten Eyadema ist der am längsten amtierende Staatschef Afrikas gestorben. Mit Hilfe des Militärs versucht sein Sohn, das Amt an sich zu reißen, obwohl laut Verfassung der Parlamentspräsident die Nachfolge antreten müsste. Die Afrikanische und die Europäische Union verurteilten den Vorgang.


Nach seinem Tod droht Togo eine Staatskrise: Präsident Gnassingbe Eyadema
REUTERS

Nach seinem Tod droht Togo eine Staatskrise: Präsident Gnassingbe Eyadema

Nach 38-jähriger Alleinherrschaft ist der togolesische Präsident Gnassingbe Eyadema am Samstag im Alter von 69 Jahren gestorben. Offiziellen Angaben zufolge erlag er den Folgen eines Herzinfarkts. Wenig später gab die Militärführung bekannt, dass sein Sohn Faure Gnassingbe die Nachfolge als Präsident angetreten habe. Gemäß Verfassung hätte der Parlamentspräsident Staatschef werden müssen. Nach 60 Tagen hätte dann ein neuer Präsident gewählt werden müssen.

Die Afrikanische Union verurteilte den Vorgang als Staatsstreich. Ein Sprecher des AU-Vorsitzenden kündigte in Addis Abeba die Einberufung einer westafrikanischen Gipfelkonferenz an. Sprecher Adam Thiam sagte, die verfassungsmäßige Ordnung in Togo müsse wiederhergestellt werden, der Parlamentspräsident müsse die Macht übernehmen.

Der nigerianische Präsident und Vorsitzende der Afrikanischen Union, Olusegun Obasanjo, sagte, die Machtübertragung an den Sohn sei nicht verfassungsgemäß und werde daher nicht toleriert. Er forderte die Bevölkerung des afrikanischen Staates auf, auf demokratische Wahlen zu dringen, wie sie in der Verfassung des Landes vorgesehen seien.

Auch Vertreter der Europäischen Union riefen dazu auf, bei der Übergabe der Macht den von der Verfassung vorgesehenen Weg einzuhalten.

Ministerpräsident Koffi Sama rief die Sicherheitskräfte auf, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Grenzen seien geschlossen, der Luftraum gesperrt worden, sagte er.

Das US-Außenministerium in Washington bekundete der Familie Anteilnahme, mahnte aber zugleich demokratische Veränderungen an. Togo, eine ehemalige deutsche Kolonie in Westafrika, ist knapp 57.000 Quadratkilometer groß und liegt zwischen Ghana und Benin am Golf von Guinea. Von den 5,5 Millionen Einwohnern lebt über ein Drittel in Armut. Entwicklung und Wirtschaft stagnieren, die Infrastruktur ist marod. Nach einem blutigen Zwischenfall 1993, bei dem etwa 20 Demokratieanhänger erschossen worden sein sollen, hat die EU Strafmaßnahmen gegen das Land verhängt.

Der 1967 durch Putsch an die Macht gekommene Eyadema war der am längsten amtierende Staatschef Afrikas. Nur Kubas Führer Fidel Castro hat sich noch länger an der Macht gehalten als er. Eyadema galt als einer der letzten "starken Männer" Afrikas - Alleinherrscher, die sich auf Günstlingswirtschaft, die Loyalität ihrer ethnischen und religiösen Gruppen und die Streitkräfte stützen. Er überlebte mehrere Attentate sowie 1974 einen Flugzeugabsturz.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.