Großspender der Demokraten Der Anti-Tea-Party-Milliardär

Die meisten Amerikaner kennen Tom Steyer nicht, dabei finanziert der Selfmade-Milliardär den Wahlkampf der US-Demokraten. Das ist momentan zwar eine aussichtslose Sache - doch den früheren Hedgefonds-Manager treibt ein Thema an.

Mäzen Tom Steyer (beim Demokraten-Wahlparteitag 2012): 5000 Dollar pro Gast
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Mäzen Tom Steyer (beim Demokraten-Wahlparteitag 2012): 5000 Dollar pro Gast

Von , New York


Den Geladenen bot sich ein spektakulärer Blick über die Klippen bis zur Golden Gate Bridge. Gekommen aber waren sie wegen des Ehrengastes: US-Vizepräsident Joe Biden. Den lobte der Hausherr für all die "erheblichen Fortschritte" - und mahnte dann: "Wenn wir wirklich Wandel bewirken wollen, müssen wir auf jeder Regierungsebene mit Führungskräften vertreten sein."

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Heft 44/2014
Der IS-Vormarsch und der einsame Kampf der Kurden

Besagter Hausherr war der Selfmade-Milliardär Tom Steyer. Der pensionierte Hedgefonds-Manager hatte auf sein Anwesen in Sea Cliff geladen, einem Villenviertel in San Francisco. Bis zu 5000 Dollar zahlten die Gäste, um sich dort mit Biden fotografieren zu lassen. So kamen 150.000 Dollar zusammen, die direkt in die Wahlkampfkasse der Demokraten flossen.

Die politische Cocktailparty Ende Mai war nicht Steyers erste Spendenaktion. Zuvor hatte er auch schon den Top-Senator Harry Reid bewirtet und Nancy Pelosi, die Ex-Sprecherin des Repräsentantenhauses. Und natürlich Präsident Barack Obama selbst, der monierte, dass die Golden Gate Bridge an dem Tag gerade im Nebel verschwunden war.

Die meisten Amerikanern wissen nicht, wer Tom Steyer ist. Doch hinter den Kulissen agiert der 57-Jährige als großzügigster Strippenzieher der US-Demokraten - ein linker Kontrapunkt zu den konservativen Industriellenbrüdern Charles und David Koch, die mit ihren Millionen die Republikaner stützen und ganze Wahlen zu ihren Gunsten kippen.

Steyer-Rivale David Koch: Eine Milliarde Dollar für rechte Belange
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Steyer-Rivale David Koch: Eine Milliarde Dollar für rechte Belange

An Reichtum kann Steyer den berüchtigten Koch Brothers zwar nur vergleichsweise wenig entgegensetzen: Mit einem kombinierten Vermögen von 83 Milliarden Dollar besitzen sie mehr als jeder andere auf der Welt. Steyer landet mit 1,6 Milliarden Dollar auf Platz 379 der "Forbes"-Liste der 400 wohlhabendsten Amerikaner.

Dennoch: Der kalifornische Öko-Aktivist hat es sich in den Kopf gesetzt, den US-Linken finanziellen Flankenschutz gegen die Konservativen zu bieten. Er unterstützt sie vor den Kongresswahlen am 4. November, bei denen die Demokraten auch den Senat verlieren könnten. Und natürlich auch 2016 bei den nächsten Präsidentschaftswahlen, wenn es um die Nachfolge Obamas geht.

Dabei geht es Steyer weniger um die Machtverteilung als um sein ganz persönliches Herzensanliegen - die Klimakrise: "Wir schicken Washington eine unmissverständliche Botschaft", sagt er. "Der Klimawandel ist nicht nur ein wichtiges Thema, er ist das Thema."

Mittlerweile ist Steyer einer der umtriebigsten US-Wahlspender: Über seine Aktivistengruppe NextGen Climate will er bis zu 100 Millionen Dollar in den Kongresswahlkampf stecken - ein Klacks freilich gegen die Kochs, die über Schattenmänner und Tarnfirmen eine Milliarde Polit-Dollar bewegen.

2010 öffnete der Supreme Court die Schleusen für fast unbegrenzte Wahlspenden. Das machte die Wahl 2012 mit 6,3 Milliarden Dollar zur teuersten aller Zeiten und verschob die Macht endgültig von den Politikern zu den Finanziers - Milliardäre wie Casino-Mogul Sheldon Adelson, Investor Foster Friess oder Spekulant George Soros.

"Er hat den Planeten ruiniert, bevor er sich anbot, ihn zu retten"

Tom Steyer stieß erst relativ spät in diese Kreise vor. Der gebürtige New Yorker machte seine ersten Millionen bei der Wall-Street-Bank Goldman Sachs. Später gründete er seinen eigenen Hedgefonds "Farallon", benannt nach einer Inselgruppe vor San Francisco.

Zur Politik fand er über Chris Lehane, der Ex-Krisenmanager Bill Clintons, den er als Chefberater engagierte. Zunächst spielte er selbst mit dem Gedanken, ein Amt anzustreben, zog dann aber die Rolle des Hintermanns vor. 2004 sammelte er erstmals im großen Rahmen Spenden für den Präsidentschaftskandidaten John Kerry. 2008 trommelte er für Hillary Clinton. Zudem investierte er viele Millionen Dollar in Umweltinitiativen, etwa gegen die seit langem umstrittene Pipeline Keystone XL.

Kritiker werfen Steyer Scheinheiligkeit vor. In der Tat investierte sein Fonds Hunderte Millionen Dollar in fossile Brennstoffe. Das hängt ihm bis heute nach, obwohl er mittlerweile alle Kohleanlagen abgestoßen hat.

"Tom Steyer hat den Planeten ruiniert, bevor er sich anbot, ihn zu retten", ätzte das "Wall Street Journal". Auch linke Aktivisten haben ihn deshalb angegriffen.

Am Ende könnte sowieso alles Engagement vergeblich sein. Eine aktuelle Gallup-Umfrage hat ermittelt, welche Themen den Wählern dieses Jahr am wichtigsten sind: Auf Platz eins (88 Prozent) liegt die Wirtschaft, gefolgt von der Arbeitslosigkeit, der Terrormiliz "Islamischer Staat", den Steuern und dem Staatshaushalt.

Die Klimakrise landete mit 40 Prozent auf dem letzten Platz.

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Lane Hartwell
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
denkzone8 31.10.2014
1. bitte-was ist ein self-made milliardär?
auf welcher insel ist der geboren? warum lehnt er die hilfe seiner mit-menschen beim kohle-machen ab?
spmc-122226439819235 31.10.2014
2. Allianz der schlimmen Finger
Immer auf die Vita schauen und dann in die Geldbörse,diese halbreichen Möchtegerns gibt es zu jeder Wahl in den USA und sie sind die Schlimmsten,denn kein fester Standpunkt ,immer Lobby-Gedanken am anderen Ende der Zündschnur,denn sonst wäre Biden nicht vor Ort,einer der bösesten Abgreifer der Obama - Truppe.
xxbigj 31.10.2014
3.
Wie überall, werden die Konservativen am stärksten Finanziell gepuscht! Mit ein Grund für viele Wahlerfolge!
Xtasy178 31.10.2014
4.
Scheint ein weiterer Bloomberg zu sein der glaubt weil er reich ist anderen vorzuschreiben wollen wie sie zu leben haben
Extremophile 31.10.2014
5. @Xtasy178
Ab und zu darf man seine Mitmenschen schon mal darauf hinweisen, was sie mit ihrer Lebensweise anrichten. Ich wünsche ihm jedenfalls Erfolg und hoffe, dass die Kombination von Hirn und Finanzen funktioniert.
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