Tonband Bin Laden sagt saudischem König den Kampf an

Terrorfürst Osama Bin Laden hat sich angeblich wieder zu Wort gemeldet. Auf einer islamistischen Website tauchte ein für echt gehaltenes Tondokument auf, auf dem der Qaida-Chef das saudische Herrschergeschlecht scharf attackiert.


Al-Qaida-Chef Bin Laden
AP

Al-Qaida-Chef Bin Laden

Kairo - Das Tonband mit der Botschaft des Terroristenchefs Osama Bin Laden ist nach Einschätzung des US-Geheimdienstes CIA vermutlich echt. "Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Stimme Bin Ladens", sagte ein CIA-Beamter in Washington.

Auf dem Band sagt die Stimme, die Familie von König Fahd sei "wegen ihres Ungehorsams gegenüber Gott und der von ihr begangenen schweren Sünden" selbst für die Instabilität im Lande verantwortlich. Sie warf der Herrscherfamilie vor, sie habe sich mit den USA gegen die Muslime verbündet.

Während "heilige Krieger" für Unruhe in dem Königreich verantwortlich gemacht würden, falle die Verantwortung dafür tatsächlich dem Regime zu. Der Erklärung gingen Koranverse voraus, ähnlich wie in früheren Erklärungen Bin Ladens. Zuletzt war Ende Oktober - unmittelbar vor der US-Präsidentschaftswahl - eine Videobotschaft Bin Ladens an die Öffentlichkeit gelangt. Darin bekannte er sich erstmals direkt zu den Anschlägen am 11. September 2001 in den USA.

Verletzte bei Demonstrationen gegen Regime

Saudiarabische Sicherheitskräfte haben heute in der Hafenstadt Dschidda auf Demonstranten geschossen, die für einen Regimewechsel im Königreich auf die Straße gegangen waren. Nach Angaben von Augenzeugen wurden dabei mehrere Menschen verletzt. An dem verbotenen Protestzug nahmen auch zahlreiche Frauen teil. Dies ist in dem islamischen Land ungewöhnlich.

Nach Augenzeugenberichten folgten auch in der Hauptstadt Riad, in Tobuk und in der Region Hail Demonstranten dem Aufruf des in London lebenden Oppositionellen Saad al-Faqih. In Riad hatten die Sicherheitskräfte mit Straßensperren und verstärkten Kontrollen versucht, den Protest zu unterbinden.

Mehrere westliche Botschaften forderten unterdessen ihre in Saudi-Arabien lebenden Bürger auf, sich aus Sicherheitsgründen von den Demonstrationsorten fernzuhalten.

Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie. Eine Gruppe von Regimekritikern, die kürzlich eine Umwandlung des Landes in eine konstitutionelle Monarchie gefordert hatte, steht inzwischen vor Gericht. Bereits im Oktober 2003 waren Hunderte von Menschen einem ähnlichen Aufruf Faqihs gefolgt. Rund 350 Demonstranten waren damals festgenommen worden.



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