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24. November 2016, 14:44 Uhr

Ex-Premier

Tony Blair hält Brexit für abwendbar

Der britische Ex-Regierungschef Tony Blair meldet sich zurück - und sagt, der Brexit sei noch zu stoppen. Er vertraut drauf, dass sich die Briten gegen einen EU-Austritt entscheiden - wenn sie erst verstanden haben, was der für sie bedeutet.

Tony Blair, früherer britischer Regierungschef, hält den Austritt Großbritanniens noch für abwendbar, wenn die britischen Bürger das wollten.

Blair sagte dem Magazin "New Statesman" über den Brexit: "Er kann aufgehalten werden, wenn die Briten entscheiden, dass sich die Kosten-Nutzen-Analyse nicht rechnet." Wenn sein Land weiter den vollen Zugang zum EU-Binnenmarkt erhalten wolle, gingen damit auch eine Menge Regeln zur Einwanderung, zur Zahlung ins EU-Budget und zur europäischen Rechtsprechung einher. Dann könne der Punkt kommen, an dem die Menschen sagten: "Hey, Moment mal, warum treten wir dann aus?".

Steige das Land aus dem gemeinsamen Markt aus, werde der ökonomische Schaden gewaltig sein, jahre- wenn nicht jahrzehntelanger Wiederaufbau werde nötig. Die Entscheidung der Briten sei auf ideologischer Ebene gefallen, ohne das Wissen, was ein Austritt in der Realität bedeute.

Bereits Ende Oktober hatte Blair erklärt, ein EU-Austritt sei für das Königreich eine Katastrophe. In einem Interview mit dem Sender BBC hatte er damals ein zweites Referendum über den Brexit angeregt. Blair war von 1997 bis 2007 britischer Regierungschef. Sein Interview mit dem "New Statesman" verband er mit der Ankündigung, wieder auf der politischen Bühne Großbritanniens mitmischen zu wollen, wenn auch nicht in der ersten Reihe.

Premierministerin Theresa May hatte am Montag angekündigt, die Folgen des angekündigten EU-Austritts abzumildern. So soll für Geringverdiener der Mindestlohn steigen, Grunderwerb soll günstiger werden. Ihnen soll auch mit einem staatlichen Wohnungsbauprogramm und Steuersenkungen geholfen werden. Weiter kündigte May an, sie werde die Steuern für Unternehmen im Land deutlich senken und damit Firmen im Land halten. Viele britische Unternehmen befürchten Nachteile durch den Brexit.

Während May versucht, die wirtschaftlichen Folgen des erwarteten Brexit abzuschwächen, drängt der Vorkämpfer für den Austritt und Chef der nationalistischen Ukip, Nigel Farage, zur Eile: Er prophezeie ein politisches Erdbeben, sollte May den Ausstieg nicht bis zur nächsten Unterhauswahl 2020 vollziehen. Das Volk habe gesprochen, sagte Farage. Das Land werde aber noch immer von der "politischen Klasse der Karrierepolitiker" geführt.

cht/AP

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