Südkaukasus Tote bei Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan

Der Konflikt um die Südkaukasusregion Berg-Karabach eskaliert. Bei Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan gab es Tote, Panzer und Artillerie wurden eingesetzt. Putin zeigte sich besorgt.


Der Streit um Berg-Karabach schwelt seit Jahren. Nun hat Armenien das Nachbarland Aserbaidschan für eine neue Gewalteskalation mit Toten auf beiden Seiten verantwortlich gemacht. Die genaue Opferzahl war zunächst nicht bekannt.

Aserbaidschanische Truppen hätten in der Nacht zum Samstag eine Offensive mit Panzern und Artillerie gestartet, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Eriwan. Die armenischen Streitkräfte hätten dabei einen aserbaidschanischen Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen, hieß es.

Aserbaidschan wies die Vorwürfe zurück. Die Streitkräfte hätten auf massive Angriffe von armenischer Seite reagiert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Auch Wohngebiete seien beschossen worden. Baku dementierte den Verlust eines Militärhubschraubers. Nach Darstellung beider Seiten dauerten die Kämpfe an. Die Behörden in Berg-Karabach berichteten von mindestens einem getöteten Kind.

Putin mahnt zur Ruhe

Die Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan liegen seit Jahrzehnten wegen Berg-Karabach im Streit. Nach dem Zerfall der UdSSR hatte sich das Gebiet in einem Krieg von Aserbaidschan losgesagt. Eine seit 1994 geltende Waffenruhe ist extrem brüchig. Die Führung in Baku hat mehrfach gedroht, das abtrünnige Gebiet zurückzuerobern.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Konfliktparteien Armenien und Aserbaidschan zur Ruhe aufgerufen. Putin sei zutiefst besorgt angesichts der Gewalteskalation zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu führte mit seinen Amtskollegen in den Hauptstätten Eriwan und Baku Krisentelefonate. Schoigu forderte beide auf, die Lage rasch zu stabilisieren, wie die Agentur Interfax meldete.

Von Baku losgesagt

Russland versteht sich als Schutzmacht Armeniens. Das überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum muslimisch geprägten Aserbaidschan, hat sich aber Anfang der Neunzigerjahre von Baku losgesagt.

Als Vermittler dient in dem Konflikt die sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Zu ihr gehören unter anderen Russland, die USA, Deutschland, Frankreich und die Türkei.

hda/dpa



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