Tote nach Massenpanik Irak trauert um Opfer

Der Irak geht inzwischen davon aus, dass bei der Massenpanik in Bagdad mindestens tausend Menschen ums Leben gekommen sind. Der irakische Ministerpräsident Dschaafari verkündete eine dreitägige Staatstrauer. Heute sollen die ersten Toten beigesetzt werden.


Bagdad - Es werde damit gerechnet, dass die Zahl der Todesopfer auf mehr als eintausend steige, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Die Menschen waren auf dem Weg zu einem Fest in einer Moschee im Norden von Bagdad, als Gerüchte aufkamen, es habe sich ein Selbstmordattentäter unter die Menge gemischt. Viele Menschen wurden auf einer Brücke zu Tode getrampelt. Zahlreiche Pilger versuchten, sich durch einen Sprung in den Tigris zu retten und ertranken. Die Pilger waren nach einem Granatenangriff in der Nähe der Pilgerstätte bereits nervös gewesen. Ministerpräsident Dschaafari verkündete eine dreitägige Staatstrauer.

Die US-Armee erklärte, ihre Soldaten hätten von Hubschraubern aus beobachtet, wie Terroristen Granaten abfeuerten, die in der Nähe der Moschee einschlugen, die den Schrein beherbergt. Die Soldaten hätten vom Hubschrauber aus auf die Angreifer gefeuert. Mehr als ein Dutzend Verdächtige sei später festgenommen worden.

Die Massenpanik sei die "schockierendste und fürchterlichste Tragödie, die von Terroristen verursacht worden ist", sagte der britische Außenminister Jack Straw im Namen der gesamten EU. Ihr Ausmaß übersteige fast die Vorstellungskraft. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer erklärte: "Hunderte unschuldige Menschen starben, weil Terroristen im Irak Angst und Schrecken verbreitet haben." Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad rief die irakischen Regierungsvertreter an, um seine Bestürzung über "die Terrorattacken" auszudrücken. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Irna schlug Ahmadinedschad die Bildung eines Trios aus Iran, Syrien und dem Irak vor, um "das Problem des Terrorismus" gemeinsam zu bekämpfen.

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) richtete ein Kondolenzschreiben an den irakischen Ministerpräsidenten Dschaafari. "Ich darf Sie bitten, den Angehörigen der Opfer mein aufrichtiges Beileid sowie den Verletzten meine besten Genesungswünsche zu übermitteln", schrieb der Kanzler.



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