Tote Soldaten in Afghanistan Wehrbeauftragter fordert Panzerwagen mit Roboterarm

Ein deutscher Soldat ist bei der Bombensuche in Afghanistan ums Leben gekommen - der Wehrbeauftragte Königshaus drängt jetzt auf neue Ausrüstung mit Robotertechnik. "Jeder Tag ohne solche Spezialfahrzeuge ist zu viel", so der FDP-Mann.

Bundeswehr in Afghanistan: 34 deutsche Soldaten starben bei Anschlägen oder Kämpfen
REUTERS

Bundeswehr in Afghanistan: 34 deutsche Soldaten starben bei Anschlägen oder Kämpfen


Berlin - Die gewaltige Bombe am Straßenrand detonierte, als der deutsche Panzer des Typs Marder vorbeifuhr - ein deutscher Soldat kam am Donnerstag bei dem Anschlag der Taliban ums Leben.

Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung Hellmut Königshaus (FDP) macht Ausrüstungsmängel mit dafür verantwortlich, dass Soldaten Sprengfallen nicht rechtzeitig orten und entschärfen können. "Eine entscheidende Schwachstelle sind immer noch die fehlenden Möglichkeiten, tödliche Sprengfallen rechtzeitig zu erkennen und zu beseitigen", sagte Königshaus der "Allgemeinen Zeitung" aus Mainz. Im Gegensatz zu den deutschen Einsatzkräften verfügten beispielsweise die US-Streitkräfte über schweres Gerät zum Aufspüren und Beseitigen von Sprengfallen aus geschützten Fahrzeugen heraus, sogenannte Route Clearance Packages. "Ich habe bereits vor einem Jahr gefordert, solche gepanzerten Spezialfahrzeuge mit Roboterarm auch für unsere Truppen einzuführen und in Afghanistan einzusetzen", sagte Königshaus.

Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan sollen den Angaben zufolge nun 2012 vergleichbares Gerät aus Deutschland erhalten. "Jeder Tag Wartezeit ohne solche Spezialfahrzeuge ist aber ein Tag zu viel", sagte Königshaus. Angesichts der sich häufenden Anschläge auf deutsche Soldaten mahnte er zur Besonnenheit: "Wir erleben im Moment in Afghanistan eine sehr, sehr bittere Zeit. Aber wir sollten jetzt trotz allem Ruhe und Nerven bewahren."

Allerdings räumte Königshaus später ein, dass bei dem Anschlag vom Donnerstag bessere Ausrüstung wohl nicht geholfen hätte. "In diesem konkreten Fall, glaube ich, wäre kein Schutz dieser Erde geeignet gewesen, es zu verhindern", sagte der FDP-Politiker am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin".

Bei dem Anschlag war innerhalb von neun Tagen der vierte tote Bundeswehrsoldat zu beklagen. Grünen-Chefin Claudia Roth verlangte "eine politische Debatte über die seit Monaten andauernde Offensivstrategie der Isaf in Afghanistan, die bislang auch von der Bundesregierung unterstützt wird". Sie führe offenkundig nicht zu einer zunehmenden Stabilisierung Afghanistans. Die Linken forderten erneut, "die Bundeswehr unverzüglich aus Afghanistan abzuziehen".

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will aber an der bisherigen Strategie festhalten. Der Gewalt dürfe man nicht weichen. Wenn sich Deutschland jetzt zurückzöge, würde das den radikal-islamischen Taliban in die Hände spielen. Die Taliban hätten in jüngster Zeit an Boden verloren und griffen deshalb zum Mittel der Gewalt. Zudem sagte der Minister: "

Das Beten für Täter und Opfer - für Opfer gleich welcher Nation - ist gut und richtig. Insoweit ist auch ein Gebet für die Taliban nötig und sinnvoll."

Außenminister Guido Westerwelle warnte davor, sich wegen der neuen Anschläge von der bisherigen Afghanistan-Strategie abzuwenden. "Wir müssen weiter alles tun, damit die Afghanen möglichst bald selbst die Verantwortung in ihrem Land übernehmen können", sagte Westerwelle während eines Besuchs in Neuseeland. "Der Weg der inneren Aussöhnung ist äußerst schwierig, aber ohne vernünftige Alternative."

Bei dem jüngsten Fall in der Provinz Baghlan war am Donnerstag ein Schützenpanzer "Marder" in einer Sprengfalle getroffen worden. Ein 23-jähriger Oberstabsgefreiter starb; fünf weitere Soldaten wurden verletzt, einer davon befand sich in kritischem Zustand. Die Opfer gehören zur 2. Kompanie des Ausbildungsschutzbataillons in Masar-i-Sharif. Die Soldaten der in Afghanistan stets als Task Force Masar-e-Sharif bezeichneten und sehr robust ausgestatteten Einheit sind im sogenannten Außenposten "OP North" stationiert, der in Baghlan auf einer Anhöhe liegt und als einer der besonders gefährlichen Standorte gilt.

Mit dem neuen Anschlag vom Donnerstag sind bereits 34 Bundeswehr-Soldaten bei Gefechten oder Anschlägen in Afghanistan gefallen, insgesamt kamen dort 52 ums Leben. Unter dem Eindruck nimmt die Bundeswehr am Freitagmittag Abschied von drei weiteren Soldaten, die bei zwei Zwischenfällen in der vergangenen Woche getötet wurden. Zur zentralen Trauerfeier in Hannover wird auch Minister de Maizière erwartet.

Am vorigen Samstag waren bei einem Anschlag auf ein deutsch-afghanisches Sicherheitstreffen in der Provinz Tachar ein 31 Jahre alter Hauptfeldwebel und ein 43-jähriger Major gestorben. Unter den Verletzten ist auch der Isaf-Regionalkommandeur, General Markus Kneip. Erst drei Tage zuvor hatte eine Sprengstoffattacke in der Nähe von Kunduz einen 33 Jahre alten Hauptmann getötet.

anr/dpa/AFP

insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
cumlaude48 03.06.2011
1. Tote Soldaten in Afghanistan
Königshaus ist mir bestenfalls als Kriminaldirektor und Vorgesetzter eines Herrn Schimanki bekannt.MfG.
Lonsinger 03.06.2011
2. Berufsarmee schnell einführen
Neue Tote, neue Waffen, immer eine Stufe höher. Und dann noch ein Gebet, nein nicht für unsere eigenen Männer, die Taliban sollen bebetet sein. ORA PRO NOBIS St. Thomas
Rübezahl 03.06.2011
3. Mangelnde Ausrüstung kostet Menschenleben
Wer Auslandeinsätze in aller Welt fordert ,muss den Soldaten auch das richtige Rüstzeug u.a. evtl auch Hubschrauberträger und geeignete sonstige Transportmittel, wie Panzerwagen mit Roboterarm, mit auf den Weg geben . Daraus ergibt sich, dass man an der Bundeswehr nicht sparen kann, stattdesen werden die Kosten ins unermeßliche steigen! Die Truppe wartet auch noch immer auf den Tiger in großer Stückzahl, um Unterstützung aus der Luft zu haben.
jellicoe 03.06.2011
4. titel
Wissen Sie, wo es keinerlei Sprengfallen an Straßenrändern gibt? In Deutschland! Das sollte die Politik sich mal durch den Kopf gehen lassen und vielleicht Konsequenzen ziehen in Bezug auf die Auswahl der Länder, in denen man deutsche Soldaten sinnlos im Kreis fahren läßt.
Quatschtuete 03.06.2011
5. die Lösung ist einfach
die Bw hat da von Anfang an nichts zu suchen. Tw und konkrete Entwicklungshilfe wäre vor Jahren schon sinnvoller gewesen. Im Übrigen sollen sich unsere Soldaten mal fragen, warum man sie unter Lebensgefahr den Mohnanbau bewachen lässt?
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