Tote und Verletzte in Bangkok: Machtkampf in Thailand eskaliert
Foto: David Guttenfelder/ APBangkok - Steuert Thailand auf einen Bürgerkrieg zu? Hunderte zusätzliche Soldaten und Polizisten zogen in der Nacht an einer Kreuzung unweit der Hochbahnstation im Zentrum der Hauptstadt auf, wo nach Angaben lokaler Medien durch Granatenangriffe drei Menschen ums Leben kamen, 75 weitere sollen verletzt worden sein.
Die Sicherheitskräfte blockierten Tausende Rothemden, die dort Stellung bezogen hatten. Mehrere dichte Reihen von Polizisten mit Helmen und Schutzschilden zogen bis auf wenige Meter an die Barrikaden der Rothemden heran und verlangten den Abbau. Die Einsatzleiter verhandelten mit Anführern der Rothemden, die sich jedoch weigerten, die Barrikaden aus Autoreifen und spitzen Bambusstangen abzubauen.
Die Granaten waren am Donnerstag in der Nähe eines Lagers Tausender Oppositionsanhänger eingeschlagen. Die sogenannten Rothemden protestieren dort seit Wochen gegen die Regierung. Mit solchen Granaten war vor zwei Wochen auf Soldaten geschossen worden, die die Demonstrationen auflösen wollten. Bei den Straßenschlachten starben neben fünf Soldaten 20 Zivilisten, viele durch Schusswunden.
Wer die Granaten abfeuerte, ist noch unklar. Die Regierung macht "Terroristen" unter den Demonstranten verantwortlich. Diese wiesen eine Beteiligung an dem Anschlag zurück. Die Rothemden machten Provokateure verantwortlich, die wollen, dass die Situation außer Kontrolle gerate und das Militär einschreitet.
Uno ruft beide Seiten zum Dialog auf
Ein Militärsprecher berichtete von mindestens fünf Granaten. Sie seien mit einem Granatwerfer abgefeuert worden. Unter den Verletzten war nach Angaben des australischen Rundfunks auch ein Australier. Er hatte an einer Station der Hochbahn auf einen Zug gewartet. Unter den Bewohnern des Geschäftsviertels wächst der Widerstand gegen die Rothemden. Für diesen Freitag planen die Gegner der Rothemden eine Großkundgebung.
Denn Hotels und Geschäfte in dem etwa drei Quadratkilometer großen Gebiet, das von den Regierungsgegnern besetzt gehalten wird, beklagen wegen der seit Wochen andauernden Proteste Einnahmeverluste in zweistelliger Millionenhöhe. Die Rothemden haben in dem Gebiet Barrikaden aus Autoreifen und spitzen Bambusstäben errichtet.
Die Oppositionsanhänger fordern als Voraussetzung für einen Abzug den Rücktritt von Regierungschef Abhisit Vejjajiva. Sie werfen ihm vor, nur eine Marionette der Führungsschicht des Landes zu sein. Die Polizei zog sich daraufhin zunächst zurück. "Wir stehen an der Schwelle der Anarchie und einem möglichen Regimewechsel", schrieb Thanong Khanthong, ein leitender Redakteur der Zeitung "Nation".
Vejjajiva hatte noch in der Nacht eine Dringlichkeitssitzung seines Krisenstabs einberufen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich besorgt, dass die Lage in dem südostasiatischen Land eskalieren könnte. Er rief Regierung und Demonstranten zum Gespräch auf. "Wir appellieren an die Demonstranten wie an die thailändischen Behörden, Gewalt und Todesopfer zu vermeiden und friedlich daran zu arbeiten, die Lage im Dialog zu lösen", sagte Bans Sprecher Martin Nesirky am Donnerstag.
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Machtkampf in Thailand: In Bangkok stehen sich Demonstranten der Opposition und Sicherheitskräfte gegenüber.
Der Konflikt eskaliert: Granateneinschläge haben das Zentrum der Hauptstadt erschüttert.
Ein Mann trägt eine verwundete Frau durch die Menge. Mindestens fünf Granaten explodierten einem Armeesprecher zufolge. Wer sie abfeuerte, war zunächst nicht bekannt.
Drei Menschen sollen getötet und mehr als 75 Personen verletzt worden sein.
Zahlreiche Krankenwagen rasten mit Blaulicht zu dem betroffenen Viertel, das seit Wochen von Demonstranten besetzt wird. Auf einer Straße lag Blut, darüber die thailändische Nationalflagge.
Hunderte Soldaten und Polizisten sind seit Tagen im Einsatz - der Konflikt mit den Oppositionellen spitzt sich zu.
Ein Armeesprecher rief die Demonstranten am Donnerstag erneut zum Rückzug auf. Die Sicherheitskräfte würden entschlossen vorgehen, sagte ein Oberst Lokalmedien zufolge.
Doch Ruhe kehrte nicht ein in Bangkok. Die sogenannten Rothemden lieferten sich Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften.
Das außerparlamentarische Bündnis "Vereinigte Front für Demokratie und gegen Diktatur" (UDD) organisierte die Demonstrationen. Es steht dem 2006 gestürzten Regierungschef Thaksin Shinawatra nahe.
Auch die Anhänger der Regierung demonstrierten: Sie schwenkten am Donnerstag Flaggen für Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva.