Transatlantische Beziehungen Deutscher Botschafter warnt vor Streit über Iran

Ein Streit über das Atomprogramm Irans würde dem Verhältnis zwischen den USA und Europa noch mehr schaden als der Irak-Krieg, befürchtet Wolfgang Ischinger, deutscher Botschafter in Washington. Auch der Nato drohe eine Krise.


Berlin - "Wir brauchen hier dringend einen Dialog", sagte Ischinger auf einer Veranstaltung der Alfred Herrhausen Gesellschaft in Berlin. "Ein Streit mit Amerika über Iran könnte die transatlantischen Beziehungen noch wesentlich stärker belasten als dies der Irak-Krieg bereits getan hat."

Die amerikanische Regierung erwarte, dass Europa darstelle, welchen Preis es zahlen wolle, um die Regierung in Teheran zu zwingen, ihr Atomprogramm offen zu legen. "Washington beobachtet beim Thema Iran jeden Schritt, den die Europäer tun oder nicht tun", sagte Ischinger.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte Iran vorgeworfen, sich in innerhalb kurzer Zeit Atomwaffen verschaffen zu wollen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wirft Teheran vor, die Auflagen für die Sicherheit seines Atomprogramms nicht zu erfüllen.

Die durch den Irak-Krieg ausgelöste Vertrauenskrise im deutsch-amerikanischen Verhältnis sei zunächst einmal überwunden, sagte Ischinger: "Präsident Bush und Kanzler Schröder telefonieren wieder miteinander." Trotzdem seien Deutschland und Europa gut beraten zu akzeptieren, dass von den USA das traditionelle Prinzip der Gleichheit aller Staaten in Frage gestellt werde. "Die Regierung Bush ist weniger zögerlich, wenn es darum geht, Amerika als Hegemonialmacht zu sehen. Amerika will die Welt ändern und hat die Mittel dazu."

Vor allem der Nato drohe eine Existenzkrise. Von den Europäern werde das Verteidigungsbündnis für gemeinsame politische Entscheidungen gesehen. "Die USA dagegen nutzen die Nato zur Umsetzung von strategischen Entscheidungen, die zuvor bereits in Washington getroffen worden sind", sagte der Botschafter.



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