Transatlantischer Zoff McCains anti-europäischer Ausfall
München - McCain, ein früherer Präsidentschaftskandidat der Republikaner, holte bei der Sicherheitskonferenz in München den verbalen Vorschlaghammer hervor. Ohne Namen zu nennen, warf er deutschen und französischen Politikern vor, sie nutzten in "kalkuliertem Selbstinteresse" eine "desinformierte, primitive Amerikafeindlichkeit" für ihre eigenen Zwecke aus. McCain sprach in diesem Zusammenhang auch von "zynischem Anti-Amerikanismus".
Der Senator gehört der Delegation des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld an, der Deutschland und Frankreich in den vergangenen Tagen wiederholt attackiert hat. McCain fühlte sich offenbar ermutigt durch Rumsfelds Kritik an der Weigerung Deutschlands, Frankreichs und Belgiens, innerhalb der Nato Schutzmaßnahmen für die Türkei für den Fall eines Irak-Kriegs zu beschließen. "Die Nato wird Schaden nehmen, nicht die Türkei", sagte Rumsfeld. "Ich denke, es ist unentschuldbar, defensive Maßnahmen zu verhindern", zumal es lediglich um deren Planung und nicht um die Umsetzung gehe.
McCain sagte, Deutschland und Frankreich hätten der Nato "schrecklichen Schaden" zugefügt und die Bemühungen um eine friedliche Entwaffnung des Irak untergraben. "Das jüngste Verhalten von Paris und Berlin hat in Nationen auf beiden Seiten des Atlantiks ernste Zweifel ausgelöst, ob sie der multinationalen Diplomatie noch verpflichtet sind."
US-Medien meldeten unter Berufung auf Diplomatenkreise, Frankreich und Deutschland seien über die herablassenden Kommentare Rumsfelds und anderer einflussreicher amerikanischer Politiker dermaßen verärgert, dass sie eine Nato-Entscheidung zum Schutz der Türkei durchaus permanent blockieren könnten. Die eindeutige öffentliche Meinung gegen einen Irak-Krieg könne sie in dieser Haltung zusätzlich bestärken.
Zuvor hatte Bundesaußenminister deutliche Kritik an der amerikanischen Haltung in der Irak-Frage geübt. Wir dürfen uns nicht unter die Logik des militärischen Aufmarsches stellen", sagte er. Die Uno-Waffeninspektionen müssten fortgesetzt werden, und zudem sei die internationale Gemeinschaft mit ihren Aufgaben in Afghanistan und der Zerschlagung der Extremisten-Gruppe al-Qaida noch lange nicht fertig.
US-Senator Joe Lieberman kommentierte die europäisch-amerikanischen Misstöne in der Irak-Krise dagegen eher nonchalant: "Wir haben uns in letzter Zeit benommen wie eine leicht disfunktionale Familie."