Trauerfeier für Thatcher Großbritannien brüskiert argentinische Präsidentin

Argentiniens Präsidentin ist unerwünscht. Zur Trauerfeier für die verstorbene Margaret Thatcher ist Cristina Kirchner nicht eingeladen. Die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen London und Buenos Aires dürften darunter leiden, aber Großbritannien hat eine gute Ausrede.

Präsidentin Kirchner (bei einer Ehrung für die argentinischen Gefallenen des Falkland-Krieges): Immer Ärger mit London
REUTERS

Präsidentin Kirchner (bei einer Ehrung für die argentinischen Gefallenen des Falkland-Krieges): Immer Ärger mit London


London - Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher polarisiert noch nach ihrem Tod. Sie wird gepriesen und beschimpft. Ebenso umstritten ist die für sie geplante Trauerfeier. Zu teuer, zu pompös, schimpfen Kritiker. Selbst die Gästeliste sorgt für Ärger: Denn 2500 Gäste aus aller Welt sind eingeladen - aber Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner darf nicht kommen.

Das melden mehrere britische Medien übereinstimmend. Offenbar sperrte sich Thatchers Familie gegen Kirchners Kommen. Dem britischen "Telegraph" zufolge haben sich ihre Kinder Mark und Carol gegen eine Einladung ausgesprochen, weil es "unangebracht" wäre.

"Es geht darum, die Wünsche der Familie zu respektieren", zitiert Reuters einen Vertreter der britischen Regierung. Ihm zufolge werde darüber diskutiert, ob ein weniger hochrangiger Repräsentant Argentiniens eingeladen werde.

Die Trauerfeier ist für kommenden Mittwoch geplant. Allein 700 Soldaten sollen bei der Zeremonie mit militärischen Ehren zugegen sein. Das britische Staatsoberhaupt, Queen Elizabeth II., hat ihr Kommen angekündigt, ebenso wie die früheren Regierungschefs Tony Blair und Gordon Brown. Berühmte Weggefährten wie Ronald Reagans Ehefrau Nancy, der frühere Kreml-Chef Michail Gorbatschow und Ex-Kanzler Helmut Kohl haben wegen ihrer Gesundheit abgesagt.

Argentiniens Präsidentin wird die Feierlichkeiten - wenn überhaupt - nur aus der Ferne verfolgen. Die Querelen über die Gästeliste gehen auf den Falkland-Krieg zurück. Laut "Telegraph" soll dieser ein "wichtiger Bestandteil" der Zeremonie werden.

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Falkland-Inseln 1982: Schlacht um den Archipel
Thatcher regierte Großbritannien 1982, als die argentinische Militärjunta die im Südatlantik liegenden britischen Falkland-Inseln angriff. Buenos Aires musste eine bittere Niederlage hinnehmen. 649 argentinische Soldaten starben, es gab 255 britische Tote.

Der Krieg machte Thatcher zur Nationalheldin und zementierte ihren Ruf als kompromisslose Eiserne Lady. Fortan konnte sie durchregieren und errang mühelos zwei weitere Wahlsiege.

Bis heute aber halten die Veteranen in Argentinien die Erinnerung an den Krieg wach - mit Hilfe von Cristina Kirchner. Sie brachte den Streit im vergangenen Jahr vor die Vereinten Nationen und bezichtigte Großbritannien des "Kolonialismus".

Der Ton wurde im vergangenen Jahr wieder schärfer - was auch damit zu tun hat, dass vor den Falkland-Inseln reiche Vorkommen an Erdöl und Erdgas lagern. Kirchner fordert bilaterale Gespräche über die Souveränität des Gebiets, wie es eine Uno-Resolution von 1965 vorsieht. Die Uno forderte beide Seiten auf, den Streit friedlich beizulegen.

Mitte März wurde auf den Falkland-Inseln ein Referendum abgehalten: 99,8 Prozent der Inselbewohner sprachen sich für einen Erhalt des Status quo als britisches Überseegebiet aus. Die Regierung in Buenos Aires erkennt die Abstimmung nicht an.

Dass Kirchner jetzt übergangen wird, könnte die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Großbritannien und Argentinien also weiter belasten.

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Margaret Thatcher ist tot: Die Eiserne Lady

kgp/Reuters

insgesamt 126 Beiträge
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juergw. 11.04.2013
1. Christina sollte...
Zitat von sysopREUTERSArgentiniens Präsidentin ist unerwünscht! Zur Trauerfeier für die verstorbene Margaret Thatcher ist Cristina Kirchner offenbar nicht eingeladen. Die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen London und Buenos Aires dürften darunter leiden - aber Großbritannien hat eine gute Ausrede. Trauerfeier für Thatcher: London brüskiert Argentiniens Kirchner - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/trauerfeier-fuer-thatcher-london-brueskiert-argentiniens-kirchner-a-893782.html)
die Staatskasse mit einem Flug nach London nicht belasten-wo sich doch für Argentinien die nächste Staatspleite ankündigt. Lieber sparen für ein weiteres Gesichtslifting.
iffel1 11.04.2013
2. Also hier würde ich mal die Kirchner im Dorf lassen ;o)
Das macht wirklich keinen Sinn, zumal die Familie das nicht will.
Layer_8 11.04.2013
3. Begründung
Zitat von sysopREUTERSArgentiniens Präsidentin ist unerwünscht! Zur Trauerfeier für die verstorbene Margaret Thatcher ist Cristina Kirchner offenbar nicht eingeladen. Die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen London und Buenos Aires dürften darunter leiden - aber Großbritannien hat eine gute Ausrede. Trauerfeier für Thatcher: London brüskiert Argentiniens Kirchner - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/trauerfeier-fuer-thatcher-london-brueskiert-argentiniens-kirchner-a-893782.html)
"Mitte März wurde auf den Falklandinseln ein Referendum abgehalten: 99,8 Prozent der Inselbewohner sprachen sich für einen Erhalt des Status quo als britisches Überseegebiet aus. Die Regierung in Buenos Aires erkennt die Abstimmung nicht an." Und das hat erstmal mit Thatcher nichts zu tun!
megamekerer 11.04.2013
4. Ich gehe auch nicht hin.
Ich will nicht Pietätlos sein, aber was denken diese Leute in London? Als ob jetzt alle Welt nach Lodon will. Dass That Cher gestorben ist war viel wichtiger Nachricht als Thatcher gestorben ist. Nun ist sie von uns gegangen obwohl sie nie mit uns war. Sie hat die Soziale Strukturen in England vernichtet und international nie eine richtigen Freund gehabt. Vielleicht ist sie jetzt glücklicher in eisernes Himmel.
Scriptmaster 11.04.2013
5. Auch heute noch ...
... hält das nunmehr demokratische Argentinien den Falkland-Krieg für rechtmäßig und fordert, seine Niederlage auf politischem Weg zu negieren, obwohl eine demokratische Abstimmung bei der Bevölkerung das ablehnt. Vorneweg: Frau de Kircher. Sie einzuladen, passt da ganz und gar nicht. Die UNO-Resolution ist an dem Tag obsolet geworden, an dem Argentinien mit Gewalt versucht hat, den Streit für sich zu entscheiden.
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