Treffen im Weißen Haus Bush und Brown drohen Iran mit neuen Sanktionen

US-Präsident Bush und Großbritanniens Premier Brown haben ihre harte Linie gegen Iran verteidigt: Wer glaube, Teheran wolle mit seinem Atomprogramm lediglich neue Energiequellen erschließen, sei "naiv", sagte Bush. Brown rief die EU zu schärferen Sanktionen gegen Iran auf.


Washington - Die diplomatischen Beziehungen zwischen US-Präsident Bush und Großbritanniens Premier Gordon Brown gelten als kühl - doch beim Thema Iran sind sich beide einig. Bei einem gemeinsamen Treffen in Washington stellte Bush die Beteuerungen Irans, sein Atomprogramm diene allein zivilen Zwecken, erneut infrage. Die Regierung in Teheran sei "nicht vertrauenswürdig", sagte Bush im Weißen Haus.

Brown, Bush: Iran ist "nicht vertrauenswürdig"
AFP

Brown, Bush: Iran ist "nicht vertrauenswürdig"

Selbst wenn Iran sein Nuklearprogramm wirklich nur zur Energiegewinnung nutzen wolle, sei es naiv zu glauben, dass die dafür benötigten Kenntnisse nicht auch für ein Atomwaffenprogramm genutzt werden könnten.

Auch Brown sprach sich bei seinem zweiten Staatsbesuch bei Bush für eine Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Iran aus. Er entschuldige sich nicht dafür, dass er auf neue Sanktionen dränge, sagte der Premier. Teheran "hat der internationalen Gemeinschaft nicht die Wahrheit über seine Pläne gesagt", sagte er. Da sich Iran nach wie vor weigere, seine Urananreicherung auszusetzen, müsse Europa als Strafmaßnahme die Investitionen in Irans Flüssiggassektor einstellen, forderte Brown.

Brown erklärte, er habe mit Bush außerdem über die Lage im Irak und in Afghanistan gesprochen. Pläne, aus dem Südirak Hunderte britischer Truppen abzuziehen, hat der Regierungschef bis auf weiteres auf Eis gelegt. Die Soldaten sollten eigentlich in wenigen Wochen nach Hause geholt werden. Der Abzug soll nun aber erst beginnen, wenn irakische Sicherheitskräfte im Kampf gegen Milizen Erfolge erzielen.

Treffen mit Bushs potentiellen Nachfolgern

Bush und Brown betonten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz wiederholt, dass sowohl die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien als auch ihr persönliches Verhältnis ausgezeichnet seien. Beide sprachen von einem "einzigartigen" oder auch "speziellen" Verhältnis und von einer "fabelhaften" und "ausgezeichneten" Begegnung in Washington. "Ich bin in der Lage zu berichten, dass unsere Bande stärker sind denn je", sagte Brown.

Der britische Regierungschef war vor dem Treffen mit Bush mit den drei Bewerbern um dessen Nachfolge zusammengetroffen. Er sprach in der Residenz des britischen Botschafters in Washington nacheinander mit den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern Hillary Clinton und Barack Obama sowie mit dem designierten Kandidaten der Republikaner, John McCain.

Der Brite zeigte sich im Anschluss zuversichtlich, dass die Beziehungen seines Landes zu den USA auch nach dem Wechsel im Präsidentenamt "eng bleiben werden". Jeder der drei Kandidaten wolle die guten Beziehungen zu Großbritannien fortführen, sagte der Premierminister.

amz/AP/AFP



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