Treffen in Kenia Kibaki und Odinga reichen sich die Hände

Sie bekämpfen sich erbittert, doch nun haben sie sich die Hände gereicht: Kenias Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga sind erstmals seit der umstrittenen Wahl zusammengetroffen. Beobachter hoffen auf eine entscheidende Wende.


Nairobi - Vier Wochen nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Kenia haben die beiden Kontrahenten erstmals miteinander gesprochen. Das Zusammentreffen unter der Vermittlung des ehemaligen Uno-Generalsekretär Kofi Annans in den Amtsräumen des Präsidenten stellte nach den andauernden gegenseitigen Vorwürfen der vergangenen Wochen einen Durchbruch dar, auch wenn zunächst keiner der Kontrahenten auf seine Forderungen verzichtete.

Kontrahenten Kibaki, Odinga: Demonstrativer Handschlag
Getty Images

Kontrahenten Kibaki, Odinga: Demonstrativer Handschlag

Gewaltsame Unruhen haben seit Dezember mindestens 685 Menschen das Leben gekostet und 255.000 aus ihren Häusern vertrieben. Nach dem Treffen gaben sich Kibaki und Odinga demonstrativ die Hand und versprachen, den Konflikt beilegen zu wollen. Kibaki ließ keinen Zweifel daran, dass er seinen Wahlsieg als unumstößlich betrachtete: "Ich werde das Land persönlich führen, um Einheit, Toleranz, Frieden und Harmonie unter den Kenianern herbeizuführen."

Odinga erklärte vor Journalisten, die ersten Schritte seien nun gemacht. "Ich verspreche allen Kenianern, dass mein Team und ich keine Mühe scheuen werden, um die Krise beizulegen", sagte Odinga. Internationale Beobachter halten eine Teilung der Macht zwischen beiden Politikern für eine mögliche Lösung.

"Blutdürstige Clique, die sich an die Macht klammert"

Annan war gestern, dem ersten Tag seiner Vermittlungsbemühungen, einzeln mit Kibaki und Odinga zusammengetroffen. Dabei konnte er den Oppositionsführer dazu bewegen, die für heute geplanten Demonstrationen abzusagen.

Bei bisherigen Protestmärschen waren zahlreiche Teilnehmer von der Polizei erschossen worden. "Dies ist ein Krieg zwischen dem kenianischen Volk und einer sehr kleinen, blutdürstigen Clique, die sich an die Macht klammert", sagte Odinga gestern vor rund 800 Anhängern in Nairobi.

Um Vermittlung bemühte sich auch der ugandische Präsident Yoweri Museveni. Sein Sprecher Tamale Mirundi teilte heute mit, beide Konfliktparteien hätten der Bildung einer Kommission zur Untersuchung von Wahlbetrug zugestimmt. Offen sei aber noch die Zusammensetzung der Kommission.

Das Kenianische Rote Kreuz und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch äußerten sich heute besorgt über die anhaltenden ethnischen Spannungen in der Region am Großen Grabenbruch und anderen Teilen des Landes. Offenbar gebe es Kräfte, die den Streit über den Ausgang der Präsidentenwahl vom 27. Dezember als Vorwand benutzten, um gezielt Angehörige rivalisierender Stämme anzugreifen, sagte die Afrika-Direktorin von Human Rights Watch, Georgette Gagnon.

ffr/AP



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