Treffen in Washington Merkel warnt vor "schmutzigen" Bomben

Vor Beginn des Atomgipfels drängt Kanzlerin Merkel darauf, in Washington über die Verhinderung sogenannter schmutziger Bomben zu sprechen. Sie will ein "ausgeklügeltes deutsches Sicherungssystem" für den Umgang mit Nuklearmaterial vorstellen.

Kanzlerin Merkel: Atomterrorismus im Visier
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Kanzlerin Merkel: Atomterrorismus im Visier


Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will nach Regierungsangaben beim Atomgipfel in Washington darauf dringen, dass das Augenmerk nicht nur auf den Fall gerichtet ist, dass Terroristen in den Besitz einer Atombombe gelangen könnten. Die Kanzlerin wolle sich in Washington insbesondere für die Verhinderung sogenannter schmutziger Bomben einsetzen.

"Die größte Gefahr im atomaren Bereich besteht darin, dass sich Terroristen illegal radioaktives Material beschaffen und dieses mit konventionellen Waffen einsetzen", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter in Berlin. Derartiges Nuklearmaterial könne "irgendwo abgezweigt werden", auch aus zivilen Anlagen wie Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen oder Industrieanlagen.

In vielen Ländern werde diesem Problem noch "zu wenig Aufmerksamkeit" gewidmet. Deswegen wolle sich Merkel bei dem Gipfeltreffen in Washington für zuverlässige Sicherungssysteme einsetzen und das deutsche Sicherungssystem präsentieren. Zudem will die Bundesregierung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zusätzlich zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen.

US-Präsident Barack Obama hatte zuvor eine Atombombe in den Händen einer Terrorgruppe als größtmögliche Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten bezeichnet. "Wir wissen, dass Organisationen wie al-Qaida versuchen, sich Atomwaffen zu beschaffen", sagte Obama. Wenn sie erst einmal solche Waffen besäßen, hätten sie keine Hemmungen, sie auch einzusetzen, fügte er hinzu.

Im Zentrum des Nukleargipfels in Washington steht die Frage, wie radioaktives Material weltweit wirksam vor dem Zugriff von Terroristen oder gewöhnlichen Kriminellen geschützt werden kann.

Obama strebt an, binnen vier Jahren ein global akzeptiertes Kontrollsystem einzurichten. An dem bis Dienstag dauernden Gipfel nehmen neben Obama und Merkel unter anderen die Präsidenten Chinas, Russlands und Frankreichs teil. Iran und Nordkorea sind nicht eingeladen.

Bei den Uno-Sanktionen gegen Iran wegen seines umstrittenen Atomprogramms drückt Kanzlerin Merkel aufs Tempo. "Die Zeit drängt. Die Entscheidung über mögliche Sanktionen wird sehr bald zu fällen sein", sagte sie kurz vor dem Abflug zum Gipfel. "Deshalb wird es sehr gut sein, dass wir auf der Konferenz auch die Vertreter Russlands und Chinas haben." Sie wolle in Gesprächen ausloten, inwieweit beide Länder in der Vorbereitung dieser Sanktionen "ihre Haltung konkretisieren". China und Russland lehnen bisher Strafmaßnahmen gegen Iran ab.

Das iranische Atomprogramm werde in Washington zwar nicht auf der Agenda stehen, aber am Rande der Konferenz eine wichtige Rolle spielen, hieß es in Regierungskreisen. "Der April wird eine entscheidende Phase für den Versuch, im Uno-Sicherheitsrat neue Iran-Sanktionen zu beschließen." Deutschland und die US-Regierung seien dabei auf einer Linie. Die Iran-Politik wird auch Thema des Gesprächs von Bundeskanzlerin Merkel mit Obama am Dienstagabend sein.

anr/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 384 Beiträge
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Seite 1
Arg-US 09.04.2010
1. "Begrenzung der Atomarsenale", aber keine Wende in der aggressiven Politik der USA!
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Das wäre wünschenswert, doch es steht zu befürchten, dass sich de facto überhaupt nichts an der essentiellen Gefährdung der Menschheit ändern wird. Beide Staaten verfügen trotz der "Begrenzung der Atomarsenale" immer noch über ein mehrfaches atomares Overkillpotential. Außerdem hat Obama durchblicken lassen, dass die USA stattdessen ihre konventionelle Rüstung aufstocken wollen, obwohl sie bisher schon für Rüstung und Militär alleine mehr ausgeben als die nächsten zehn größten Rüstungsetats anderer Staaten zusammen. Es wird keine Wende in der aggressiven Weltpolitik der USA herbeiführen, denn es findet kein grundsätzliches Umdenken statt und der modus operandi bleibt der alte!
Palmstroem, 09.04.2010
2. Obama - Der Heilige des Weltfrieden
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Warum, wird die Kalaschnikow verboten?
Arg-US 09.04.2010
3. Die Rhetorik einer schlichten Gewinn- und Verlustrechnung!
Zitat von PalmstroemWarum, wird die Kalaschnikow verboten?
Die ist noch weltweit im Einsatz und wird wohl noch auf Weiteres gebraucht werden! Atombomben kamen genau genommen – trotz der darauf verschwendeten Billionen Dollars - nur zweimal zum Kriegseinsatz auf wehrlose zivile Großstädte und das eigentlich nur als zynischer Feldversuch unter Realbedingungen. Unschuldige Menschen degradiert zu hilflosen Versuchskaninchen! Er hat keine Kosten gescheut, diese nuklearen Waffen zu vermehren und zu vervollkommnen, so dass er jetzt auf die alten und obsoleten gut verzichten kann. Der Gipfel der Heuchelei besteht wohl darin, dass man dieses Ausmustern von Atomschrott als "Begrenzung der Atomarsenale" demagogisch geschickt darzustellen versucht, weil die Unterhaltung unnötige Kosten verursachte.
ambergris 09.04.2010
4.
Spannend wird Abrüstung erst da, wo zwei Nationen freiwillig eine militärische Option aufgeben. Auch nach dem Abkommen haben die USA und Russland die Möglichkeiten, die Welt in Grund und Boden zu bomben.
Antje Technau, 09.04.2010
5.
Zitat von sysopAtomwaffen abschaffen, Terrorismus verhindern: US-Präsident Obama setzt sich ehrgeizige Ziele für seinen historischen Nuklear-Gipfel in Washington. Staatslenker aus 46 Nationen sind geladen - doch nicht alle teilen seine Vision einer atomwaffenfreien Welt. Ist die Abrüstung wieder eine realistische Vision?
Obama nannte als Ziel eine atomwaffenfreie Welt. Israel verweigert sich dieser Vision und Netanjahu kommt nicht zu der von Obama einberufenen Konferenz: Binyamin Netanyahu pulls out of Washington nuclear weapons summit (http://www.guardian.co.uk/world/2010/apr/09/netanyahu-snubs-nuclear-weapons-summit) Präsident Obamas Reaktion auf diesen Affront durch Israel wird zeigen, wie ernst es Obama mit seinem Plan ist. Oder ob seine "atomwaffenfreie Welt" sich nur auf Staaten wie den Iran bezieht. Wie die Vorredner schon sagten: außer Atombomben gibt es noch genug andere Waffen, mit denen die USA und andere Länder die Welt zerstören können. Auch diese Waffen müssten verschwinden, wenn man dafür sorgen wollte, dass Menschen nicht mehr zu Millionen in Kriegen sterben sollen.
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