Treffen mit Karzai Wulff verspricht Afghanistan Hilfe

Bei seinem überraschenden Staatsbesuch in Afghanistan hat Bundespräsident Christian Wulff dem Land Hilfe über den Truppenabzug hinaus garantiert. Präsident Hamid Karzai lobte die Beziehungen zwischen den Ländern. Sein Sohn darf sich über ein Mitbringsel freuen.

Christian Wulff und Hamid Karzai: Besuch eines "alten Freundes"
REUTERS

Christian Wulff und Hamid Karzai: Besuch eines "alten Freundes"


Kabul - Das Treffen wurde unter höchster Geheimhaltung vorbereitet: Am Sonntag war Bundespräsident Christian Wulff überraschend zu einem Besuch nach Afghanistan gekommen. Im Gepäck hatte er auch ein Mitbringsel für den vierjährigen Sohn des Staatspräsidenten Hamid Karzai: Ein blau-weißes Kinderrad mit Stützrädern.

Wichtiger jedoch war die Botschaft, die Wulff für das Land hatte: Der Bundespräsident sicherte dem Land deutsche Unterstützung zu - auch nach dem Abzug der internationalen Truppen. Bei einem Mittagessen mit dem Präsidenten, der ihn sogleich als "alten Freund Afghanistans" begrüßte, sagte Wulff: "Deutschland und die internationale Gemeinschaft werden Ihr Land, Herr Präsident, auch nach 2014 nicht im Stich lassen." Millionen Afghanen wollten den Frieden, daher müsse ihnen die Welt zu Seite stehen.

Gleichzeitig verteidigte Wulff den vor zehn Jahren begonnenen Nato-Militäreinsatz und mahnte einen entschlossenen Kampf gegen den Terror an. "Afghanistan und die internationale Gemeinschaft dürfen keine Mühen scheuen, um Terror und Gewalt gegen unschuldige Menschen zu beenden." Wulff kritisierte auch Kriminalität, Drogenwirtschaft und Korruption, die zehn Jahre nach dem Beginn des internationalen Einsatzes immer noch das Leben in vielen Bereichen bestimmen.

Wulff war am Vormittag in Kabul eingetroffen. Aus Sicherheitsgründen war die Reise Wulffs vorher nicht angekündigt worden. Begleitet wird er vom Afghanistan-Beauftragten der Bundesregierung, Michael Steiner, und Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker.

Unmittelbar nach seiner Ankunft traf der Bundespräsident in Kabul mit afghanischen Menschen- und Bürgerrechtlern zusammen. Dabei stand neben der Erörterung der Menschenrechtslage und der Situation der Frauen vor allem die politische Zukunft Afghanistans im Mittelpunkt. Wulff machte deutlich, dass die bessere Verwirklichung der Menschenrechte in Afghanistan für Deutschland ein zentrales Anliegen ist. "Ich habe großen Respekt vor den Leistungen der afghanischen Zivilgesellschaft", sagte er. Diese spiele im Übergangsprozess hin zur vollen Souveränität des Landes eine entscheidende Rolle.

Ziel des 2001 begonnenen Nato-Militäreinsatzes sei es gewesen, den Afghanen die Chance auf ein Leben in Freiheit und persönlicher Selbsterfüllung zu eröffnen. "Diese Hoffnung hat sich bereits ein Stück weit erfüllt", resümierte Wulff. So sei Kabul wieder eine pulsierende Hauptstadt. Lange sei den Mädchen der Schulunterricht verwehrt gewesen, heute gingen 2,7 Millionen Mädchen zur Schule. Zudem seien Frauen in der Regierung und im Parlament vertreten.

Frauenorganisationen sind besorgt

Vertreter von Frauenorganisationen äußerten sich bei der Unterredung jedoch besorgt, dass Errungenschaften im Kampf gegen die Diskriminierung nach dem Abzug der internationalen Truppen gefährdet sein könnten - vor allem wenn es zu einem politischen Ausgleich zwischen Regierung und radikal-islamischen Kräften kommt. Internationale Gemeinschaft und Afghanen wollen diese und andere Fragen auf der Afghanistan-Konferenz Anfang Dezember in Bonn beraten.

Nach dem Gespräch mit Vertretern der Zivilgesellschaft wurde der Bundespräsident von Karzai mit militärischen Ehren offiziell empfangen. Im Mittelpunkt der Unterredung stand die Vorbereitung der Bonner Konferenz. Die Bundesrepublik sei an dauerhaften stabilen Beziehungen interessiert, auch "weil wir die gute Entwicklung (der letzten Jahre) anerkennen", sagte Wulff. Karzai bedankte sich für die deutsche Unterstützung und erklärte: "Bonn soll das Fundament für die Zukunft Afghanistans legen, für Wohlstand, Stabilität und Frieden."

Es war der erste Staatsbesuch eines Bundespräsidenten in Kabul seit 44 Jahren. Im März 1967 hatte Bundespräsident Heinrich Lübke Afghanistan erstmals einen Staatsbesuch abgestattet. "Auch deshalb ist mein Besuch ein sehr emotionaler Moment", sagte Wulff. Im Mai 2010 hatte sein Vorgänger Horst Köhler deutsche Soldaten in Afghanistan besucht. Mit Karzai traf er damals nicht zusammen, was zu einer gewissen Verärgerung der afghanischen Seite führte. Wenig später war Köhler nach umstrittenen Äußerungen über das deutsche Militärengagement am Hindukusch zurückgetreten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war zuletzt im Dezember vorigen Jahres in Afghanistan. Derzeit sind dort etwa 5000 deutsche Soldaten stationiert, mit ihrem Abzug soll Ende dieses Jahres begonnen werden. Nachmittags flog Wulff von Kabul weiter und besuchte die Bundeswehrsoldaten im nordafghanischen Masar-i-Scharif. Er gedachte dort in einem Ehrenhain der 52 deutschen Soldaten, die in Afghanistan ums Leben gekommen sind. Dann sollten Gespräche mit Soldaten folgen.

cib/dpa/dapd



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Seite 1
si_tacuisses 16.10.2011
1. der BuPrä ein Verbündeter AFG´s und Freund ?
Zitat von sysopBei seinem überraschenden Staatsbesuch in Afghanistan hat Bundespräsident Christian Wulff dem Land Hilfe über den Truppenabzug hinaus garantiert. Präsident Hamid Karzai lobte die Beziehungen zwischen den Ländern. Sein Sohn darf sich über ein Mitbringsel freuen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792085,00.html
Freund wessen ? Der Opium-Mafia, der Schmiergeld-Mafia, der Warlords-Mafia, diverser Rüstungs-Mafias, oder des geschundenen afghanischen Volkes, das offenbar garnicht so viele Brunnen und Mädchenschulen will wie wir wollen.
doc 123 16.10.2011
2. Kindergeburtstag
Zitat von sysopBei seinem überraschenden Staatsbesuch in Afghanistan hat Bundespräsident Christian Wulff dem Land Hilfe über den Truppenabzug hinaus garantiert. Präsident Hamid Karzai lobte die Beziehungen zwischen den Ländern. Sein Sohn darf sich über ein Mitbringsel freuen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792085,00.html
"Im Gepäck hatte er auch ein Mitbringsel für den vierjährigen Sohn des Staatspräsidenten Hamid Karzai: Ein blau-weißes Kinderrad mit Stützrädern." Es ist doch wirklich unglaublich, dass ein Land wie die Bundesrepublik Deutschland von derartigen Witzfiguren wie Wulff oder Westerwelle vertreten werden darf. Einen noch viel unnötigeren Staatsbesuch als der in Afghanistan ist wohl kaum mehr möglich. Über welche Themen sollte sich denn dabei wohl ernsthaft unterhalten werden, außer vielleicht dass die korrupte Karzai-Clique das Land allerspätestens mit der Rückkehr der Taliban 2014, die sich jetzt bereits zunehmend abzeichnet, fluchartig das Land verlassen wird und allenfalls in Deutschland dann noch Asyl beantragen kann.
Helga-B- 16.10.2011
3.
Ich muß gestehen, mich erbost das dumme Gerede von Herrn Wulff ebenso, wie das dumme Gerede von Karzai. Mich macht es so wütend (vor allen Dingen, wenn ich Karzai fordernd und grinsend sehe und seine Kommentare lese), daß es besser ist, wenn ich doch keinen Kommentar zu dem ganzen Theaterstück abgebe. Herr Karzai und seine Clans finde ich zum k....., die Afghanische Bevölkerung wäre besser ohne ihn dran. Wahrscheinlich gäbe es ohne Karzais auch schon längst Fortschritte im Land, also für die Bevölkerung.
Diomedes 16.10.2011
4. Vom elenden Dasein eines Vasallenstaates, heute: Heerfolge für den Oberherrn
Der deutsche Dichterfürst Schiller sagte einstmals, ein wenig verschleiert in seinem Tell, über die Folgen der französischen Fremdherrschaft: "Sie werden kommen (…) Mit unsrer Armut ihre Länderkäufe, Mit unserm Blute ihre Kriege zahlen - Nein, wenn wir unser Blut dransetzen sollen, So sei's für uns - wohlfeiler kaufen wir Die Freiheit als die Knechtschaft ein!" – und dies gilt noch heute, denn durch die VS-amerikanische Fremdherrschaft ist Deutschland nicht minder gezwungen die VS-amerikanischen Kriege mit seinem Blut und Gut zu unterstützen; so wie Deutschland nach der Niederlage gegen Napoleon diesem für seine Kriege Soldaten stellen mußte, so muß es heute dies für die VS-Kriege in Baktrien oder Illyrien tun; zwar steht hier weniger auf dem Spiel, hätte Napoleon Rußland besiegt, so wäre er der Herr der Welt geworden, während die VS-amerikanischen Verkehrtheiten einzig und allein China dienen, in dem sie diesem die Bahn bereiten und die nötige Zeit geben sich für den Kampf zu rüsten. Im Übrigen bin ich dafür, daß der despotisch-bürokratische Moloch zu Brüssel und das inflationäre Spielgeld, genannt Euro, zerstört werden müssen!
green_mind 16.10.2011
5. Alter Mad-Witz (Alfred E. Neumann und so)
Zitat von sysopBei seinem überraschenden Staatsbesuch in Afghanistan hat Bundespräsident Christian Wulff dem Land Hilfe über den Truppenabzug hinaus garantiert. Präsident Hamid Karzai lobte die Beziehungen zwischen den Ländern. Sein Sohn darf sich über ein Mitbringsel freuen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,792085,00.html
Was ist ein sicheres Zeichen dafür, dass ein Atomkrieg unmittelbar bevorsteht? Schmidt auf Staatsbesuch in Usbekistan, Strauß in Kuala Lumpur... Merkel in der Mongolei, Wulff in Afghanistan...
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