Bei Absage eines Treffens mit Trump Irans Außenminister berichtet über angebliche US-Drohungen

Die USA haben Irans Außenminister auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Der Grund war die Ablehnung eines Treffens mit Präsident Donald Trump, behauptet Mohammed Sarif.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif
Nazanin Tabatabaee/WANA/ REUTERS

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif


Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat eine Einladung nach Washington für ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus bestätigt. Allerdings sei ihm in New York gesagt worden, dass er sanktioniert werden würde, falls er die Einladung nicht annehmen sollte, sagte Sarif auf einer Pressekonferenz in Teheran. "Und ich habe sie nicht angenommen." Kurz danach sei er auf die US-Sanktionsliste der USA gekommen.

Schon am Sonntag hatte Regierungssprecher Ali Rabiei den Kontakt Sarifs mit dem US-Senator Rand Paul und eine Einladung ins Weiße Haus zu einem Gespräch mit Trump bestätigt. Der Sprecher hatte auch angedeutet, dass Sarif seitens der USA sanktioniert wurde, weil er die Einladung abgelehnt hatte.

Die Spannungen zwischen den USA und Iran sind gestiegen, seitdem die USA 2018 einseitig aus dem internationalen Atomabkommen ausgestiegen waren und scharfe Sanktionen verhängt hatten. Teheran hielt sich ein Jahr lang weiter an das Abkommen, das eine iranische Atombombe verhindern soll. Seit Juni aber änderte auch Iran seine Politik. Der Teilausstieg aus dem Atomdeal und das Vorgehen gegen britische Öltanker im Persischen Golf sind Teil dieser neuen Politik.

Hilfsorganisation: US-Sanktionen bedrohen Einsätze in Iran

Es könne keine Verhandlungen mit den USA geben, "solange sie Iran eine Pistole an den Kopf halten", sagte Sarif. Verhandlungen unter Druck und "Wirtschaftsterrorismus" seien nicht akzeptabel. Vor einer Aufnahme der Verhandlungen müssten die Amerikaner zum Wiener Atomabkommen von 2015 zurückkehren und die Sanktionen aufheben, forderte Sarif. Außerdem seien Verhandlungen schwer vorstellbar, solange der oberste Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, sowie der Außenminister sanktioniert seien, sagte der iranische Chefdiplomat.

Derweil sieht die Norwegischen Flüchtlingshilfe (NRC) humanitäre Hilfe in Iran durch US-Sanktionen erheblich erschwert. Wegen dieser habe man ein ganzes Jahr lang vergeblich versucht, Banken zu finden, die Mittel von westlichen Geldgebern an Hilfswerke im Iran überweisen könnten und wollten, teilt NRC-Generalsekretär Jan Egeland mit. Im schlimmsten Fall könne dies die Unterbrechung von Hilfseinsätzen erzwingen.

als/dpa/AFP

insgesamt 16 Beiträge
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Emderfriese 05.08.2019
1. Wissen
Passt schon. Wer nicht will, was Trump will, wird sanktioniert oder Schlimmeres. "Wenn du nicht kommst, bestrafen wir dich..." so heißt die Botschaft des US-Präsidenten. Wie naiv muss man sein, um so absolut undiplomatisch vorzugehen. Oder ist es berechnendes Kalkül auf Eskalation? Oder auch nur Dummheit? Wer weiß das schon in diesen Tagen. Vermutlich Trump selbst nicht.
newline 05.08.2019
2. Das man geneigt ist,
den Aussagen der iranischen Seite zu glauben, zeigt, wie das Ansehen und der Ruf der Regierung der USA unter Trump gelitten hat. So ein Vorgehen ist unmöglich.
cup01 05.08.2019
3. Ein Vorbild
Niemand sollte mehr mit Trump verhandeln und das dem amerikanischen Wähler klar sagen. Erst wenn Trump abgewählt oder abgesetzt ist, wird man zu neuen Verhandlungen bereit sein. Das wäre konsequent. Aber leider auch nur Wunschdenken.
p-touch 05.08.2019
4. Diplomatie mit dem Vorschlaghammer
Es sollte dieser Amateurtruppe in WH doch klar sein das sie mit der Brechstange diesmal keinen Erfolg haben werden. Trump hat sich in diesem Fall sauber selber in die Ecke manövriert und versucht irgent wie ohne Gesichtsverlust wieder heraus zukommen.
taglöhner 05.08.2019
5. Magische Zahlen
Noch genau 456 Tage bis zur Wahl und 534 bis zur Amtseinführung des neuen Präsidenten.
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