Fall Trinh Xuan Thanh Slowakei leitet Ermittlungen zu entführtem Vietnamesen ein

Im Juli 2017 wird ein Vietnamese in Berlin entführt. Ermittler vermuten, dass er mit einer slowakischen Regierungsmaschine in seine Heimat gebracht wurde. Das Land bestreitet das - nun ermitteln die Behörden.

Trinh Xuan Thanh (M.)
AP

Trinh Xuan Thanh (M.)


Trinh Xuan Thanh wurde im Juli 2017 auf offener Straße in ein Auto gezerrt. Später tauchte der vietnamesische Geschäftsmann wieder in seinem Heimatland auf, wo er zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Der Fall sorgte für Aufsehen - denn es besteht der Verdacht, dass der Vietnamese mit einer slowakischen Regierungsmaschine nach Vietnam gebracht worden sein könnte.

Slowakische Regierungsvertreter hatten das lange bestritten. Nun leitet die slowakische Staatsanwaltschaft doch strafrechtliche Ermittlungen ein, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bratislava der Tageszeitung "Dennik N".

Dem früheren Chef eines Staatskonzerns wird von der Regierung in Hanoi Korruption vorgeworfen. Inzwischen ist er zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Die Bundesregierung hatte scharf gegen die Entführung durch den vietnamesischen Geheimdienst protestiert, der Fall belastete die Beziehungen erheblich.

Im Juli berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", das Berliner Landeskriminalamt gehe davon aus, dass Trinh Xuan Thanh nach der Entführung mit einem slowakischen Regierungsflugzeug in seine Heimat gebracht wurde. Am Einsatz der slowakischen Maschine in dem Entführungsfall gebe es "nahezu keine Zweifel" mehr, zitierte die Zeitung aus einem Sachstandsbericht der Berliner Ermittler.

Polizisten als Zeugen

Laut der Zeitung "Dennik N" liegen der slowakischen Staatsanwaltschaft die Zeugenaussagen von zwei Polizisten vor, die gesehen haben sollen, wie der Vietnamese zu einem slowakischen Regierungsflugzeug geschleppt wurde.

Slowakische Regierungsvertreter hatten seinerzeit bestritten, dass die Behörden des Landes wissentlich am Transport des Geschäftsmannes mitwirkten. Regierungschef Peter Pellegrini sicherte eine umfassende Zusammenarbeit mit der Justiz zu, um die Affäre aufzuklären.

Im vergangenen Juli verurteilte das Berliner Kammergericht einen Mittäter des Entführungskommandos zu drei Jahren und zehn Monaten Haft. Zur Begründung hieß es, der Mann habe die Entführungspläne gekannt, diese mitgetragen und dafür zwei Autos angemietet.

mho/AFP



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