Libyen Bewaffnete Milizen belagern Außenministerium

Bewaffnete Milizen haben das Außenministerium in Libyens Hauptstadt Tripolis blockiert. Sie wollen ein Gesetz erzwingen, wonach Gaddafi-Getreue keine hochrangigen Posten der neuen Regierung erhalten dürfen. Zuvor wurde versucht, das Innenministerium zu stürmen.


Tripolis - Erneute Angriffe libyscher Milizen auf Regierungsbehörden: Dutzende Bewaffnete haben am Sonntag das Außenministerium in der Hauptstadt Tripolis umstellt und die Mitarbeiter am Zutritt gehindert. Die Aufständischen blockierten das Gebäude mit mindestens 20 Transportern, die mit Flugabwehrgeschützen beladen waren, wie ein Ministeriumsangestellter mitteilte.

Sie forderten die Einführung eines Gesetzes, dass es früheren Mitarbeitern des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi verbietet, in der neuen Regierung hochrangige Positionen einzunehmen. Auch kritisierten sie, dass Unterstützer des früheren Regimes im Ministerium beschäftigt seien und forderten die Entlassung von Botschaftern, die schon unter Machthaber Muammar al-Gaddafi im Amt waren.

Zuvor hätten Bewaffnete versucht, das Innenministerium sowie die staatliche Nachrichtenagentur zu stürmen, sagte der libysche Premierminister Ali Zeidan laut Nachrichtenagentur Reuters. "Die Attacken werden uns nicht zermürben, wir werden nicht aufgeben", so der Politiker.

Am Samstag hatten Milizionäre in der Nähe der Hauptstadt einen Armeeposten attackiert und einen Soldaten getötet. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Lana berichtete, entdeckten Sicherheitskräfte im Anschluss an den Übergriff ein Fahrzeug mit mehr als 50 Kilogramm Sprengstoff in der Nähe des Tatorts. Wenige Tage zuvor hatten Extremisten vor der französischen Botschaft in Tripolis eine Autobombe gezündet. Zwei französische Wachleute und eine junge Frau wurden verletzt.

In der Hafenstadt Bengasi explodierte nach Angaben der Zeitung "Libya Herald" ebenfalls am Samstag eine Bombe vor einer Polizeistation. Drei Beamte seien leicht verletzt worden.

Der Nationalkongress als höchst exekutive Gewalt berät derzeit über ein Gesetz, mit dem die Gaddafi-Getreuen aus Regierung und Verwaltung entlassen werden sollen. Das würde insbesondere im Außenministerium dazu führen, dass etliche Amtsträger gehen müssten.

In Libyen haben Milizen nach dem Sturz und Tod Gaddafis im Jahr 2011 an Macht gewonnen. Ihre Entwaffnung ist eine der größten Herausforderungen der Regierung in dem nordafrikanischen Land. Immer wieder gibt es Angriffe auf die neue Führung. Wegen der schwierigen Sicherheitslage hatte im März auch Libyens Parlament zwischenzeitlich auf die Plenarsitzungen verzichten müssen. Deutschland und mehrere westliche Staaten warnen derzeit vor Reisen nach Libyen.

lei/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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Malshandir 28.04.2013
1. Dummheit
Also ein solches Gesetz wird die Lage verschärfen. zum einen verfügt Libyen überhaupt nicht über genügend fähige Diplomaten in Reihen der Rebellen. Daneben würde das dazu führen dass sich die Ghaddafi getreuen Stämme erheben werden. Man kann nur hoffen, dass das Parlament klarmacht, dass man sich nicht erpressen lässt und die Milizen entwaffnet und die verantwortlichen bestraft.
altmannn 28.04.2013
2. Libyen ist
Zitat von sysopDPABewaffnete Milizen haben das Außenministerium in Libyens Hauptstadt Tripolis blockiert. Sie wollen ein Gesetz erzwingen, wonach Gaddafi-Getreue keine hochrangige Posten der neuen Regierung erhalten dürfen. Zuvor wurde versucht, das Innenministerium zu stürmen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/tripolis-bewaffnete-milizen-belagern-aussenministerium-a-897063.html
auf einem guten Weg.
darthkai 28.04.2013
3. optional
Aaah, gelebte 'Aktivisten'-Demokratie, isset nich schön... Und Spon war bei der Errichtung dieses Paradieses an vorderster Front dabei :)
Atheist_Crusader 28.04.2013
4.
Wie kann das denn sein? Ich dachte jetzt, wo Gadaffi weggebombt wäre, wäre dort alles Friede, Freude, Eierkuchen. Dachte, nur der böse Diktator hätte das Volk gegeneinander aufgehetzt, und die ganzen Stämme hätten nie etwas anderes gewollt, als in Liebe und Eintracht zusammenzuleben und einen demokratischen Staat aufzubauen, in dem Freiheit und Menschenrechte ganz groß geschrieben werden. Soll sich jetzt all das als Lüge entpuppen? Dann müsste man ja auch Zweifel an unserer glorreichen Syrien-Politik hegen.
topodoro 29.04.2013
5. Bewaffnete Milizen - was für ein hässliches Wort.
Das sind doch die sympathischen Jungs mit den wehenden Haaren, auf den Pick-ups, dem Victory Zeichen an der grüssenden Hand mit der anderen das MG auf den bösen Feind gerichtet und den grünen Haarbändern, vorwärtsstürmend, einem demokratischen, einem NEUEN LIBYEN entgegen.... Das sind doch die "Helden" des US Senators McCain aus Bengasi. Die heimliche Hoffnung ungezählter Schwiegermütter... Interessant aber im Text: ..."mit mindestens 20 Transportern, die mit Flugabwehrgeschützen beladen waren,"... Da ändert sich also die Wortwahl... So wie in Afghanistan aus den Mudjahedin, die Al-Kaida wurden... "Deutschland und mehrere westliche Staaten warnen derzeit vor Reisen nach Libyen." Waren das nicht genau die Staaten , die "Freunde Libyens", die diese "Milizen" unterstützt haben und an die Macht gebombt haben ?
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