Tripolis Proteste gegen Autonomie von Ostlibyen

Es ist ein Affront gegen die Übergangsregierung in Tripolis: Der ölreiche Osten Libyens strebt nach Autonomie. In der Hauptstadt gingen Hunderte Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen den Entschluss von Bengasi. Auch die internationalen Ölkonzerne dürften verunsichert sein.

Versammlung in Bengasi: Autonomiestreben der Region verärgert Tripolis
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Versammlung in Bengasi: Autonomiestreben der Region verärgert Tripolis


Bengasi/Tripolis - Nicht nur die libysche Übergangsregierung in Tripolis lehnt die Ausrufung der Autonomie für die östliche Region Cyrenaika ab, auch unter der Bevölkerung formiert sich Widerstand. Mit Plakaten auf denen "Nein zum Föderalismus, Ja zum Nationalismus" steht, gingen mehrere hundert Menschen in der Hauptstadt Tripolis und in Tobruk auf die Straße. Die Proteste blieben zunächst friedlich.

Die ölreiche Region Cyrenaika im Osten Libyens um die Stadt Bengasi hatte am Dienstag ihre Autonomie erklärt. Es sei der Wille der Region, ein föderales System zu schaffen, sagten Stammesführer bei einem Treffen mit Tausenden Teilnehmern. Demnach wurde Scheich Ahmed Al-Zubair zum Chef der Region bestimmt, die sich von der Küstenstadt Sirt bis zur ägyptischen Grenze im Osten erstreckt.

Damit geht die Region, die seit langem mit der Führung in Tripolis unzufrieden ist, auf Konfrontationskurs zum Nationalen Übergangsrat. Der hatte sich wiederholt gegen die Ausrufung der autonomen Region ausgesprochen und vor einem Auseinanderbrechen des Landes gewarnt.

Politiker und Stammesvertreter sagten bei der Veranstaltung in Bengasi, an der etwa 3000 Menschen teilnahmen, sie wollten kein Auseinanderbrechen des libyschen Staates provozieren. Ihr Ziel sei es jedoch, ein föderales System zu etablieren, wie etwa in Spanien. Die Versammlung gründete einen Rat zur Verwaltung der Provinz. Die historische Region der Cyrenaica (arabisch "Barka") umfasst neben Bengasi auch die weiter östlich gelegenen Städte Darna und Tobruk und reicht bis nach Adschdabija im Westen.

Auf dem Gebiet liegen mehrere bedeutende Ölfelder. Das Streben nach Autonomie dürfte daher auch für Verunsicherung bei internationalen Ölkonzernen sorgen, die nun möglicherweise ihrer Förderverträge neu aushandeln müssen. Aus der Gründungserklärung des Rats ging nicht hervor, ob das Gremium sich als Teil oder als Rivalen des Übergangsrats versteht. Im Gründungsaufruf wurde der Übergangsrat als Symbol der nationalen Einheit und legitime Vertretung Libyens im Ausland bezeichnet.

In der Region hatte im vergangenen Jahr der Aufstand gegen den langjährigen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi begonnen, der am 23. Oktober unter ungeklärten Umständen von Rebellen in seiner Heimatstadt Sirt festgenommen und getötet worden war. Das Land wird seit dem Sturz von Gaddafi von einem Übergangsrat und einer Übergangsregierung kontrolliert. Im Juni soll erstmals landesweit gewählt werden. In der Stadt Misurata hatten die Menschen bereits im vergangenen Monat auf eigene Initiative einen Kommunalrat gewählt.

lgr/dpa/Reuters/AP

insgesamt 32 Beiträge
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Liberalitärer 06.03.2012
1. Transgerunion
Zitat von sysopDPAEs ist ein Affront gegen die Übergangsregierung in Tripolis: Der ölreiche Osten Libyens strebt nach Autonomie. In der Hauptstadt gingen Hunderte Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen den Entschluss von Bengasi. Auch die internationalen Öl-Konzerne dürften verunsichert sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819747,00.html
Die Menschen im Westen werden das als Diebstahl betrachten. In einem Land - vollgepackt mit Waffen - und arbeitslosen Kämpfern scheint ein neuer Waffengang unvermeidlich. Der Wohlstand auch des Westens des Landes hängt am Öl. Der Westen wird sich nicht tatenlos pauperisieren lassen und zusehen wie Cyrenaika aus der Transferunion Libyen ausschert.
glücklicher südtiroler 06.03.2012
2. Libyen...
Zitat von LiberalitärerDie Menschen im Westen werden das als Diebstahl betrachten. In einem Land - vollgepackt mit Waffen - und arbeitslosen Kämpfern scheint ein neuer Waffengang unvermeidlich. Der Wohlstand auch des Westens des Landes hängt am Öl. Der Westen wird sich nicht tatenlos pauperisieren lassen und zusehen wie Cyrenaika aus der Transferunion Libyen ausschert.
Richtig, und nicht nur... In den Westlichen Ländern und in der Kriegskoalition ist es nicht erwünscht, daß sich das Land spaltet. Weil wer wird denn dann der Rechtsnachfolger der Verträge..? In Libyen wird es weiterhin zu Scharmützeln kommen aber ich denke am Ende werden sich die Stämme über einen Aufteilungsschlüssel einigen. Auch weil der Druck von Außen steigen wird. Dort wird man den Kontrahenten klar machen daß man Ruhe wünscht und zum Geschäft zurückkehren will. Da kann man keine Kämpfe und Separatismus brauchen. Ruhe wird in dem Land so schnell nicht wieder einkehren; eine Spaltung Libyens halte ich aber für sehr unwahrscheinlich. Notfalls wird der Westen wieder die Zügel stärker in die Hand nehmen... Persönlich rechne ich nicht mit einem failed state in Libyen. Gegenüber Somalia und Afghanistan ist das Land reicher und die Bevölkerung ist auch besser ausgebildet und gebildeter. Aber wir sollten uns keine Illusionen machen, Diskussionen in Libyen werden auch mit der Kalaschnikov ausgetragen und wir sollten nicht bei jedem Feuer zusammenzucken. Die jahrelangen Libyenkenner von der Italienischen ENI bleiben cool, sie sind bereits bei 80% der Vorkriegsförderung angelangt und hoffen es bis zum Sommer zu erreichen... Libia: Eni, ripristinato 80% produzione, pieno regime in secondo semestre 2012 - - liberoquotidiano.it (http://www.liberoquotidiano.it/news/934989/Libia-Eni-ripristinato-80-produzione-pieno-regime-in-secondo-semestre-2012.html) Wichtig ist mit allen zu reden... Ich kann mir denken daß sich manch erster Aktivist aus der Cyrenaika um den gerechten Lohn seiner "Arbeit" und Risikos betrogen fühlt. Nur, für den Westen stand immer nur die Ablösung Gaddafis im Fordergrund. Für eine Spaltung des Landes gibt es kein Interesse. Notfalls wird man Libyen in die heutige Form pressen... Schian Gruaß...
sukowsky, 06.03.2012
3. Autonomiebestrebungen
Zitat von sysopDPAEs ist ein Affront gegen die Übergangsregierung in Tripolis: Der ölreiche Osten Libyens strebt nach Autonomie. In der Hauptstadt gingen Hunderte Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen den Entschluss von Bengasi. Auch die internationalen Öl-Konzerne dürften verunsichert sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819747,00.html
Waren die Autonomiebestrebungen der Anfangsgrund des Bürgerkrieges in Libyen?
simon23 06.03.2012
4.
Zitat von glücklicher südtirolerRichtig, und nicht nur... In den Westlichen Ländern und in der Kriegskoalition ist es nicht erwünscht, daß sich das Land spaltet. Weil wer wird denn dann der Rechtsnachfolger der Verträge..? In Libyen wird es weiterhin zu Scharmützeln kommen aber ich denke am Ende werden sich die Stämme über einen Aufteilungsschlüssel einigen. Auch weil der Druck von Außen steigen wird. Dort wird man den Kontrahenten klar machen daß man Ruhe wünscht und zum Geschäft zurückkehren will. Da kann man keine Kämpfe und Separatismus brauchen. Ruhe wird in dem Land so schnell nicht wieder einkehren; eine Spaltung Libyens halte ich aber für sehr unwahrscheinlich. Notfalls wird der Westen wieder die Zügel stärker in die Hand nehmen... Persönlich rechne ich nicht mit einem failed state in Libyen. Gegenüber Somalia und Afghanistan ist das Land reicher und die Bevölkerung ist auch besser ausgebildet und gebildeter. Aber wir sollten uns keine Illusionen machen, Diskussionen in Libyen werden auch mit der Kalaschnikov ausgetragen und wir sollten nicht bei jedem Feuer zusammenzucken. Die jahrelangen Libyenkenner von der Italienischen ENI bleiben cool, sie sind bereits bei 80% der Vorkriegsförderung angelangt und hoffen es bis zum Sommer zu erreichen... Libia: Eni, ripristinato 80% produzione, pieno regime in secondo semestre 2012 - - liberoquotidiano.it (http://www.liberoquotidiano.it/news/934989/Libia-Eni-ripristinato-80-produzione-pieno-regime-in-secondo-semestre-2012.html) Wichtig ist mit allen zu reden... Ich kann mir denken daß sich manch erster Aktivist aus der Cyrenaika um den gerechten Lohn seiner "Arbeit" und Risikos betrogen fühlt. Nur, für den Westen stand immer nur die Ablösung Gaddafis im Fordergrund. Für eine Spaltung des Landes gibt es kein Interesse. Notfalls wird man Libyen in die heutige Form pressen... Schian Gruaß...
Wenn es keinen Rechtsnachfolger für die vielen ins westliche Ausland investierten Milliarden gibt, an wen soll man die dann auszahlen? Ein schwieriges, moralisches Problem!
simon23 06.03.2012
5.
Zitat von sukowskyWaren die Autonomiebestrebungen der Anfangsgrund des Bürgerkrieges in Libyen?
Macht und Öl. Wenn die Autonomie dabei hilft....Immerhin sind die größten Vorräte im Osten. Schon muss man mit wenigeren teilen.
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