Tripolis Proteste gegen Autonomie von Ostlibyen

Es ist ein Affront gegen die Übergangsregierung in Tripolis: Der ölreiche Osten Libyens strebt nach Autonomie. In der Hauptstadt gingen Hunderte Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen den Entschluss von Bengasi. Auch die internationalen Ölkonzerne dürften verunsichert sein.
Versammlung in Bengasi: Autonomiestreben der Region verärgert Tripolis

Versammlung in Bengasi: Autonomiestreben der Region verärgert Tripolis

Foto: Mohamed Elryani/ dpa

Bengasi/Tripolis - Nicht nur die libysche Übergangsregierung in Tripolis lehnt die Ausrufung der Autonomie für die östliche Region Cyrenaika ab, auch unter der Bevölkerung formiert sich Widerstand. Mit Plakaten auf denen "Nein zum Föderalismus, Ja zum Nationalismus" steht, gingen mehrere hundert Menschen in der Hauptstadt Tripolis und in Tobruk auf die Straße. Die Proteste blieben zunächst friedlich.

Die ölreiche Region Cyrenaika im Osten Libyens um die Stadt Bengasi hatte am Dienstag ihre Autonomie erklärt. Es sei der Wille der Region, ein föderales System zu schaffen, sagten Stammesführer bei einem Treffen mit Tausenden Teilnehmern. Demnach wurde Scheich Ahmed Al-Zubair zum Chef der Region bestimmt, die sich von der Küstenstadt Sirt bis zur ägyptischen Grenze im Osten erstreckt.

Damit geht die Region, die seit langem mit der Führung in Tripolis unzufrieden ist, auf Konfrontationskurs zum Nationalen Übergangsrat. Der hatte sich wiederholt gegen die Ausrufung der autonomen Region ausgesprochen und vor einem Auseinanderbrechen des Landes gewarnt.

Politiker und Stammesvertreter sagten bei der Veranstaltung in Bengasi, an der etwa 3000 Menschen teilnahmen, sie wollten kein Auseinanderbrechen des libyschen Staates provozieren. Ihr Ziel sei es jedoch, ein föderales System zu etablieren, wie etwa in Spanien. Die Versammlung gründete einen Rat zur Verwaltung der Provinz. Die historische Region der Cyrenaica (arabisch "Barka") umfasst neben Bengasi auch die weiter östlich gelegenen Städte Darna und Tobruk und reicht bis nach Adschdabija im Westen.

Auf dem Gebiet liegen mehrere bedeutende Ölfelder. Das Streben nach Autonomie dürfte daher auch für Verunsicherung bei internationalen Ölkonzernen sorgen, die nun möglicherweise ihrer Förderverträge neu aushandeln müssen. Aus der Gründungserklärung des Rats ging nicht hervor, ob das Gremium sich als Teil oder als Rivalen des Übergangsrats versteht. Im Gründungsaufruf wurde der Übergangsrat als Symbol der nationalen Einheit und legitime Vertretung Libyens im Ausland bezeichnet.

In der Region hatte im vergangenen Jahr der Aufstand gegen den langjährigen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi begonnen, der am 23. Oktober unter ungeklärten Umständen von Rebellen in seiner Heimatstadt Sirt festgenommen und getötet worden war. Das Land wird seit dem Sturz von Gaddafi von einem Übergangsrat und einer Übergangsregierung kontrolliert. Im Juni soll erstmals landesweit gewählt werden. In der Stadt Misurata hatten die Menschen bereits im vergangenen Monat auf eigene Initiative einen Kommunalrat gewählt.

lgr/dpa/Reuters/AP