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Gast bei Chávez-Trauerfeier: Ärger für Ahmadinedschad

Foto: AFP/ Presidencia

Trost für Chávez-Mutter Ahmadinedschad-Umarmung empört konservative Muslime

Irans Präsident wird in der Heimat heftig kritisiert, weil er bei der Trauerfeier für Hugo Chávez dessen Mutter umarmt hat. Nach konservativer Auslegung des Islam dürfen Männer fremde Frauen nicht berühren. Mahmud Ahmadinedschad redet sich heraus - mit einer merkwürdigen Begründung.

Teheran - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad scheute nach dem Tod seines "Bruders" Hugo Chávez keine große Geste. Erst pries er den verstorbenen venezolanischen Präsidenten als "mutigen, weisen, revolutionären Führer", dann rief er Staatstrauer in Iran aus. Später kniete er vor Chávez' Sarg und küsste die darauf liegende Flagge. Und schließlich tröstete er bei der Zeremonie die trauernde Chávez-Mutter.

Das allerdings kam in der Heimat nicht gut an. Auf dem Foto, das die Szene zeigt, hält Ahmadinedschad die Hand von Elena Frias de Chávez, ihre schmerzverzerrten Gesichter scheinen sich zu berühren. Konservative Muslime in Iran seien entsetzt, berichtet die BBC . Muslimische Männer dürfen traditionell keine Frauen berühren, die nicht Familienangehörige sind. Konservative iranische Kritiker hätten den Staatschef nun gerügt, dass er eine Sünde begangen habe und, noch schlimmer, sich als Präsident eines islamischen Staats unangemessen verhalten habe.

Kritik an Ahmadinedschad kommt auch von iranischen Abgeordneten, weil der Staatschef für die Zeremonie in Venezuela am Freitag eine Parlamentssitzung über das kommende Haushaltsbudget verpasst hatte. "Was ist wichtiger: Tränen für Venezuela zu vergießen oder für sein eigenes Land und die Menschen", fragte der Abgeordnete Gholam-Ali Dschafarsadeh laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Mehr. Die Abgeordneten wollten, dass Ahmadinedschad ungeklärte Fragen zum Haushalt beantworte.

Zumindest auf die Frage nach dem Trost für Chávez' Mutter ging Ahmadinedschad nun ein. Die ebenso simple wie merkwürdige Erklärung: Das Foto sei nicht echt. "Das Bild ist gefälscht worden oder ist von einem Winkel aufgenommen worden, der zu beweisen scheint, dass sie sich berührt haben. Aber es gab kein Händeschütteln", sagte ein enger Berater des Präsidenten.

Aus Chávez' Mutter wird Chávez' Onkel

Doch damit nicht genug. Im Internet kursiert offenbar ein weiteres Bild, das Ahmadinedschad in gleicher Pose zeigt - doch aus Chávez' Mutter ist ein älterer Mann geworden. Mit Photoshop wurde er in das Foto retuschiert und soll, so Anhänger des Präsidenten laut BBC, einen Onkel von Chávez zeigen. Bei genauerem Hinsehen ähnelt der "Onkel" allerdings sehr stark dem Ägypter Mohamed ElBaradei, der früher Chef der Uno-Atomaufsicht IAEA war und beständig mit Ahmadinedschad über das iranische Atomprogramm stritt.

Die Website Entekhab, die das angebliche Foto der beiden Männer veröffentlicht hatte, zog es der BBC zufolge später zurück. "Leider ist das Foto, das Ahmadinedschad und (Frau) Chávez zeigt, echt", hieß es demnach in einer Erklärung der Seite.

Die Anhänger des Präsidenten sind jedenfalls sicher: Gegen Ahmadinedschad laufe eine Schmierenkampagne.

kgp/dpa
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