Trotz Einreiseverbot Mugabe pilgert zur großen Papst-Party

Vorhang auf für die Seligsprechungsshow: Eine Million Menschen werden im Vatikan dabei sein, wenn Papst Benedikt seinen Vorgänger Johannes Paul in das Buch der Seligen einschreibt - Hunderttausende sind schon da. Darunter Diktator Robert Mugabe, der eigentlich gar nicht in die EU einreisen darf.

AFP

Hamburg/Rom - Rund eine Million Pilger dürften sich am Sonntag in Rom einfinden, wenn erstmals ein Papst seinen direkten Vorgänger in das Buch der Seligen einschreibt. Und mindestens einer dieser Pilger genießt einen sehr zweifelhaften Ruf: Robert Mugabe, der äußerst umstrittene Präsident Simbabwes, ist am Samstag mit einer großen Delegation in Rom eingetroffen, wo er der Seligsprechung von Johannes Paul II. beiwohnen will. Pikant daran: Der 87-jährige Katholik Mugabe ist zwar mit einem EU-Einreiseverbot belegt, er darf aber zu Uno-Konferenzen etwa nach Rom reisen - oder eben den Vatikan besuchen.

Mugabe wird sich dort in durchaus respektabler Gesellschaft wiederfinden: Hochrangige Delegationen mit Staatspräsidenten und Regierungschefs aus 62 Ländern haben sich angesagt. Unter den Gästen sind der polnische Staatschef Bronislaw Komorowski, das belgische Königspaar Albert II. und Paola sowie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Der Diktator im Kreis der europäischen Elite - die Grüne Europaabgeordnete Barbara Lochbihler zeigte sich bei einem Besuch in Rom darüber empört. "Dass der Vatikan so einen hoffähig macht, ist ein Skandal", sagte sie am Samstag und stellte klar: "Unter Mugabe ist die Kornkammer Afrikas zum Armenhaus geworden. Er lässt kein Verbrechen aus und bereichert sich schamlos."

Angebliche Wunderheilung

Ob sich aber die Papst-Pilger darüber Gedanken machen, in wessen Gesellschaft sie da beten und singen? Bis zu 150.000 von ihnen wollten jedenfalls mit einer mehrstündigen Gebetswache bereits am Samstag in dem antiken Circo Massimo des Polen Karol Wojtyla gedenken. Aus dessen Heimatland machte sich ein Sonderzug auf nach Rom, aus Frankreich kamen Pilger per Fähre, um die Seligsprechung Johannes Pauls zu erleben. Sein Nachfolger Benedikt XVI. erhebt ihn dann am Sonntag persönlich in den Stand der Seligen; der Deutsche wird sich am Abend mit einer Videobotschaft an die Gläubigen in der einstigen Arena der Wagenrennen wenden. Acht römische Kirchen bleiben die Nacht über geöffnet, damit die Pilger dort beten können.

Die sterbliche Hülle des polnischen Papstes war bereits am Freitag feierlich aus ihrem Grab in der Grotte unter dem Petersdom gehoben worden. Der Schrein mit seinem Leichnam wird nach der Seligsprechung vor dem Hauptaltar allen Gläubigen für ein Gedenken zugänglich sein. Seine letzte Ruhestätte findet Johannes Paul - voraussichtlich am Montagabend - in der restaurierten Kapelle des Heiligen Sebastian.

Im Januar hatte der Vatikan den Weg zur Seligsprechung - der Vorstufe für die Heiligsprechung - freigemacht; in Rekordzeit, nur sechs Jahre nach dem Tod Johannes Pauls. Der Heilige Stuhl erkannte die angebliche Wunderheilung einer französischen Nonne an, an der Johannes Paul beteiligt gewesen sein soll. Sie wollte auf der Gebetswache von der Heilung berichten. Die Nonne litt, wie der Papst selbst, an der Parkinsonkrankheit.

Die Seligsprechung ist durchaus umstritten, sowohl innerhalb der katholischen Kirche wie auch außerhalb. Diese Woche übte etwa ein breites ökumenisches Bündnis heftige Kritik am ehemaligen Kirchenoberhaupt; so habe der streng antikommunistische Papst Diktatoren in Lateinamerika unterstützt und sei damit seinen Glaubensbrüdern vor Ort in den Rücken gefallen.

CDU-Politiker Heiner Geißler zufolge habe Johannes Paul II. die Armen in Lateinamerika sogar regelrecht verraten. Innerhalb der katholischen Kirche kritisierten sowohl die ultrakonservativen Vertreter des Opus Dei wie auch die fortschrittliche Organisation Pro Kirche die Seligsprechung. Zudem erinnerten Missbrauchsopfer an die Verantwortung des polnischen Papstes; ein Gutteil der in den letzten Jahren aufgedeckten Fälle hätten sich während seiner Amtszeit ereignet.

tdo/dpa



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