Botschaft an Führung in Teheran Trump droht Iran mit Angriffen auf 52 Ziele

US-Präsident Donald Trump wendet sich mit deutlichen Worten an Iran: 52 "strategisch und kulturell" wichtige Ziele haben die USA demnach für Vergeltungsschläge im Visier. Die Zahl hat offenbar historische Bedeutung.
Donald Trump (am 3. Januar in Florida): "Sehr schnell und sehr hart angreifen"

Donald Trump (am 3. Januar in Florida): "Sehr schnell und sehr hart angreifen"

Foto: Tom Brenner/ REUTERS

Noch sind die militärischen Aktionen nach der Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani durch US-Kräfte auf beiden Seiten überschaubar. Der Ton in der Krise indes wird immer schärfer. Nun hat US-Präsident Donald Trump die Verantwortlichen in Teheran mit Nachdruck vor Vergeltungsschlägen gewarnt.

Für den Fall, dass Iran US-Bürger oder amerikanische Einrichtungen angreifen sollte, gebe es eine Liste mit 52 wichtigen iranischen Zielen, die dann angegriffen würden, schrieb Trump am Samstag (Ortszeit) auf Twitter. Die strategisch und kulturell für den Iran wichtigen Orte würden dann "sehr schnell und sehr hart angegriffen", schrieb Trump in Großbuchstaben.

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"Die USA wollen keine Drohungen mehr", erklärte der Präsident weiter. Iran hatte nach der Tötung Soleimanis bei einem Luftangriff in der Nacht zum Freitag in Bagdad Rache geschworen. Man könnte US-Ziele im Irak oder anderen Ländern des Nahen Ostens angreifen, hieß es. Sollte es dazu kommen, droht eine unberechenbare Eskalation der Gewalt - wie Trumps jüngste Drohung zeigt.

Tatsächlich hat es bereits Gegenmaßnahmen gegeben, wenn auch auf eher niedrigem Niveau. So ereigneten sich am Samstag mehrere Raketen- und Mörserangriffe in Bagdads Grüner Zone, einem weiteren Stadtviertel und einem Militärstützpunkt in der Nähe. "Es hat keine Toten gegeben", sagte ein irakischer Militärsprecher. Weitere Details wurden zunächst nicht genannt.

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In der hochgesicherten Grünen Zone, in der unter anderem die US-Botschaft und irakische Ministerien liegen, schlugen zwei Geschosse sein. Das teilten irakische Sicherheitsvertreter mit. Laut Polizeiquellen gab es bei diesem Angriff keine Verletzten.

Zudem detonierten beinahe zeitgleich zwei Katjuscha-Raketen auf dem außerhalb Bagdads gelegenen Militärstützpunkt Balad, an dem sich auch US-Streitkräfte aufhalten. Die Geschosse gingen laut Sicherheitskreisen am Abend im Lagerhausbereich der Basis nieder, die etwa 80 Kilometer nördlich von Bagdad liegt. Berichte über mögliche Opfer des Angriffs oder Schäden gab es zunächst nicht. Das US-Militär bestätigte die Angriffe zuletzt.

Die US-Truppen seien in Alarmbereitschaft versetzt worden, hieß es. Hubschrauber und Aufklärungsdrohnen kreisten über dem Stützpunkt, um den Abschussort der Raketen ausfindig zu machen.

Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warf Trump vor, durch unverhältnismäßigen Einsatz des US-Militärs Soldaten, Diplomaten und amerikanische Bürger in Gefahr gebracht zu haben. Das Vorgehen der Regierung und ihre nachgelieferte Begründung dazu werfe "ernsthafte und drängende Fragen auf". Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren warf Trump angesichts seiner jüngsten Warnung an den Iran die "Drohung mit Kriegsverbrechen" vor, ihr Mitbewerber Joe Biden bescheinigte dem Republikaner zunehmend irrationales Handeln.

Die Liste spielt auf die Krise von 1979 an

Trump begründete die Zahl der 52 ausgewählten Zielorte mit einem Verweis auf "52 amerikanische Geiseln". Damit bezog er sich offenkundig auf ein geschichtliches Ereignis vor vier Jahrzehnten: Iranische Studenten hatten die US-Botschaft in Teheran am 4. November 1979 besetzt, um gegen die Aufnahme des gestürzten Schahs Reza Pahlavi in den USA zu demonstrieren.

Sie nahmen damals 52 US-Botschaftsangehörige als Geiseln und forderten die Auslieferung des Schahs. Washington verhängte Sanktionen, die Geiselnahme endete nach 444 Tagen.

Wegen der Botschaftsbesetzung brachen die USA damals die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Die Botschaftsbesetzung wird von den Hardlinern in Iran immer noch als revolutionäre Heldentat und Sieg über den US-Imperialismus gefeiert. Die Ereignisse galten später als Grundlage für den Oscar-prämierten Film "Argo" von 2012.

jok/dpa
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