Todesstrafen-Analogie Trump erhebt wüste Anschuldigung gegen Biden - ohne jeden Beleg

Für das, was Joe Biden getan habe, wäre ein Republikaner auf dem elektrischen Stuhl gelandet - mit dieser Behauptung eskaliert Donald Trump die Ukraine-Affäre weiter. Indizien oder gar Belege? Fehlanzeige.
US-Präsident Donald Trump: Massive Behauptungen gegen den politischen Gegner

US-Präsident Donald Trump: Massive Behauptungen gegen den politischen Gegner

Foto: SAUL LOEB / AFP

Angriff ist die beste Verteidigung: Nach diesem Motto scheint Donald Trump in der Affäre um ein umstrittenes Ukraine-Telefonat zu operieren. Dabei ging der US-Präsident nun sogar für seine Verhältnisse weit - und attackierte den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden und dessen Sohn heftig.

Trump wies am Montag erneut alle Vorwürfe von sich, wonach er über den Hebel der ukrainischen Regierung versucht haben soll, Bidens Sohn - und damit auch seinem möglichen Herausforderer Biden - zu schaden.

Stattdessen erhob Trump schwere Anschuldigungen gegen die beiden: "Joe Biden und sein Sohn sind korrupt", sagte Trump am Rande politischer Gespräche bei den Vereinten Nationen in New York. Die in seinen Augen lügnerischen Medien wollten darüber aber nicht berichten, weil die beiden Demokraten seien.

Joe und Hunter Biden (Archivbild): Keinerlei Belege für Fehlverhalten

Joe und Hunter Biden (Archivbild): Keinerlei Belege für Fehlverhalten

Foto: Carlos Barria/ REUTERS

Wie so häufig in der Vergangenheit blieb Trump jegliche Form von Beleg oder auch nur Indiz schuldig und beließ es bei der reinen Behauptung. Bisher gibt es keinerlei offizielle Erkenntnisse darüber, dass es sich bei den Aussagen des US-Präsidenten um mehr handeln könnte, als eine verbale Nebelkerze, um von der Affäre um die eigene Person abzulenken.

Doch Trump ging in seiner Wortwahl sogar noch weiter - und wählte einen drastischen Vergleich. Wenn ein Republikaner je das getan und gesagt hätte, was Biden getan und gesagt habe, dann wäre er auf dem elektrischen Stuhl gelandet, sagte Trump, der selbst Republikaner ist. Es werde mit zweierlei Maß gemessen. Was konkret "das" sei, was Biden angeblich getan hätte, erklärte Trump dann aber nicht.

Der US-Präsident versicherte, er selbst habe nichts Unrechtes getan. Sein Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei "großartig" und "ehrenwert" gewesen. Er habe auch niemanden unter Druck gesetzt.

Seit Tagen sorgt in den USA ein Telefonat zwischen Trump und Selenskyj für große Aufregung. US-Medien hatten am Freitag berichtet, dass Trump Selenskyj in einem Gespräch im Juli mehrfach aufgefordert haben soll, mit seinem Anwalt Rudy Giuliani zusammenzuarbeiten, um Ermittlungen gegen Joe Bidens Sohn Hunter einzuleiten. Der Sohn des Ex-US-Vizepräsidenten arbeitete zeitweise für eine ukrainische Firma.

Immer wieder Attacken gegen Biden - einen möglichen 2020-Gegner

Der Vorfall wurde bekannt, nachdem ein Geheimdienstmitarbeiter wegen des Gesprächs so beunruhigt war, dass er die Information einer internen Kontrollbehörde meldete. Diese stufte die Beschwerde als dringend und glaubwürdig ein. Die oppositionellen Demokraten sehen in dem Vorfall gut ein Jahr vor der Präsidentenwahl einen Versuch, die Wahl mithilfe einer ausländischen Regierung zu beeinflussen.

Trump müht sich seit Tagen, die Vorwürfe abzuschütteln und den Fokus auf ein mögliches Fehlverhalten von Biden zu richten. Der US-Präsident wirft Biden unter anderem vor, als Vizepräsident die Entlassung eines ukrainischen Korruptionsermittlers betrieben zu haben, um seinen Sohn Hunter zu schützen.

Der US-Präsident deutete auch an, dass Bidens Sohn bei seinen Geschäften vom Amt seines Vaters unredlich profitiert haben soll. Trump - dessen Kinder selbst international Geschäfte machen - blieb auch hier Belege für seine Anschuldigungen schuldig.

jok/dpa