Melania-Rede Trump-Mitarbeiterin übernimmt Verantwortung für Obama-Plagiat

Die Schuldige ist gefunden: Eine enge Vertraute der Trump-Familie hat sich zu dem Abkupfern der Obama-Rede bekannt. Sie habe niemanden verletzen wollen - die Trumps hätten ihr bereits verziehen.

Sie war es nicht: Melania Trump
REUTERS

Sie war es nicht: Melania Trump


Mehr als einen Tag lang haben sich die Mitarbeiter von Präsidentschaftsbewerber Donald Trump darum gewunden, das Offensichtliche einzugestehen. Dass die Frau des Präsidentschaftsbewerbers, Melania Trump, ausgerechnet bei Michelle Obama abgekupfert hatte. Die Gedanken seien nicht so einmalig gewesen, und überhaupt könne es in der englischen Sprache schließlich zu Doppelungen kommen, hieß es.

Zumindest von dieser Darstellung können nun auch die Trump-Anhänger abrücken. Eine Freundin der Familie, Meredith McIver, die als Redenschreiberin den Wahlkampf unterstützt, räumte am Mittwoch ein, für das Chaos verantwortlich zu sein. Melania Trump habe sie gebeten, den von den ursprünglich angeheuerten Autoren verfassten Text noch einmal zu überarbeiten. Am Telefon habe ihr die Milliardärsgattin Passagen aus der Obama-Rede von 2008 vorgelesen - als Inspiration.

McIver habe die diktierten Passagen mitgeschrieben und hinterher in das Manuskript eingearbeitet - nur leicht paraphrasiert, wie der direkte Vergleich im Video beweist:

AFP/ AP

"Es war mein Fehler und ich fühle mich schrecklich wegen des Chaos', das ich verursacht habe", heißt es in einem Statement. "Ich wollte niemanden verletzen." McIver beschreibt sich als eine Verehrerin der Trumps, tatsächlich hat die ehemalige Ballerina schon an mehreren Büchern Trumps mitgeschrieben (was sein ehemaliger Ghostwriter Tony Schwartz über den Immobilienmogul denkt, lesen Sie hier).

Sie habe ihren Rücktritt vorgeschlagen, schreibt McIver weiter, doch Donald Trump habe das großherzig abgelehnt. Er habe gesagt: Wir alle machen unschuldige Fehler und wachsen an unseren Erfahrungen. Es sei ihre Entscheidung gewesen, die öffentliche Entschuldigung herauszugeben. "Ich bewundere die Art und Weise, wie Herr Trump mit der Situation umgegangen ist und bin ihm sehr dankbar."

Wie die "New York Times" unter Berufung auf über ein Dutzend Personen aus dem Umfeld der Trump-Kampagne berichtet, hatte sich Trumps Wahlkampfteam ursprünglich an die erfahrenen Redenschreiber Matthew Scully und John McConnell gewandt. Die beiden legten den Angaben zufolge im Juni einen Entwurf für Melania Trumps Rede vor. Doch die war damit offenbar nicht zufrieden (lesen Sie hier, wer die Schummelei aufdeckte).

vks

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dietmr 20.07.2016
1. Der perfekte Sündenbock
Endlich, gefunden, nach zwei Tagen voller Dementis: der perfekte Sündenbock (Englisch: Scapegoat). Bauernopfer passt hier nicht, dank der "Großherzigkeit" von Herrn Trump durfte sie ja ihren Job behalten. Mir kommen die Tränen. Und nur, um noch deutlicher zu machen, wie dreist diese Geschichte gestrickt ist: Frau Trump liest also der Mitarbeiterin das am Telefon "als Inspiration" vor, die schreibt aber wörtlich mit ("bitte nochmals ganz langsam, Mrs. Trump, ich bin noch nicht vollständig inspiriert"), baut das in die Rede ein, und Mrs. Trump merkt davon nichts, auch nicht, nachdem die Übereinstimmungen der einen mit der anderen Rede tagelang medial Aufsehen erregt? Und Mrs. Trump lässt Ihren Mann zwei Tage lang wie einen Idioten dastehen, ähm, ich meine, jedes Plagiat dementieren, weil ihr erst nach zwei Tagen einfältt: ich habe doch da irgendwem mal was aus einer anderen Rede vorgelesen, was und wer war das doch gleich ... Und warum das nicht naheliegenderweise gemailt wurde? Nun, dann hätte jemand auf die Idee kommen können, die Mail(s) als Beweis zu verlangen ... aber leider, leider, war das halt nur am Telefon, dem primären Kommunikationsmittel des 21. Jahrhunderts. Ich kenne vierjährige Kinder, die lügen besser ...
Marvel Master 20.07.2016
2. Welch ein Drama
Alle schreiben überall ab. - Die Schüler bei Wikipedia - Die Politiker via Ghostwriter - Die Mitarbeiter von Trump halt bei der Konkurrenz. Im Westen nix neues. Was ist daran jetzt so dramatisch?
nofreemen 20.07.2016
3. Plagiate sind oft besser als das Original
Das war eine Meisterleistung. Frau Trump hat die Rede gut und sehr charmant vorgetragen. Der "Akt" war einfach genial. Trump wollte auf seine unvergleichliche Art demonstrieren; "wir kochen auch nur mit Wasser", -und hat gleich die Wasserqualität mitgeliefert, nämlich mit den "super" Sätzen die Frau Trump vortrug. Im übrigen gibt es kein Wort und kein Satz auf dieser Welt der nicht schon einmal ausgesprochen wurde. Also von wegen abkupfern. Trump Wähler durschauen das Spiel und lieben es. Die Konkurrez reibt sich ungläubig die Augen und Ohren. Mit Trump macht Politik einfach wieder Spass.
Art. 5 20.07.2016
4. Lügen haben kurze Beine
Zitat von dietmrEndlich, gefunden, nach zwei Tagen voller Dementis: der perfekte Sündenbock (Englisch: Scapegoat). Bauernopfer passt hier nicht, dank der "Großherzigkeit" von Herrn Trump durfte sie ja ihren Job behalten. Mir kommen die Tränen. Und nur, um noch deutlicher zu machen, wie dreist diese Geschichte gestrickt ist: Frau Trump liest also der Mitarbeiterin das am Telefon "als Inspiration" vor, die schreibt aber wörtlich mit ("bitte nochmals ganz langsam, Mrs. Trump, ich bin noch nicht vollständig inspiriert"), baut das in die Rede ein, und Mrs. Trump merkt davon nichts, auch nicht, nachdem die Übereinstimmungen der einen mit der anderen Rede tagelang medial Aufsehen erregt? Und Mrs. Trump lässt Ihren Mann zwei Tage lang wie einen Idioten dastehen, ähm, ich meine, jedes Plagiat dementieren, weil ihr erst nach zwei Tagen einfältt: ich habe doch da irgendwem mal was aus einer anderen Rede vorgelesen, was und wer war das doch gleich ... Und warum das nicht naheliegenderweise gemailt wurde? Nun, dann hätte jemand auf die Idee kommen können, die Mail(s) als Beweis zu verlangen ... aber leider, leider, war das halt nur am Telefon, dem primären Kommunikationsmittel des 21. Jahrhunderts. Ich kenne vierjährige Kinder, die lügen besser ...
Das kommt dabei heraus, wenn man sich immer mehr in Lügen verstrickt. Melania Trump hatte ja behauptet, sie habe die Rede allein geschrieben mit nur ein wenig Hilfe von außen. Folglich kann die Ghostwriterin nun nicht zugeben, dass sie die Rede geschrieben hat, sie muss erklären, nur etwas mitgeholfen zu haben. Dabei muss doch jedem klar sein, der Melania schon mal in Interviews hat reden hören, wie grottenschlecht ihr Englisch immer noch ist, nicht nur die Aussprache, und sie daher niemals in der Lage ist, so eine rhetorische Glanzleistung, die die Rede ja zweifellos war, selbst zu verfassen. Auch diese Geschichte hat wieder gezeigt, welches unnachahmbare Talent die Trumps haben, tagelang die Schlagzeilen weltweit zu dominieren. Hierin steht Melania ihrem Mann in nichts nach.
acct23 20.07.2016
5.
Auch auf mich wirkt das Ganze wie eine Sündenbock-Aktion... einen Schuldigen aussuchen, ggf. eine nette Abfindung zahlen und derjenige übernimmt die Verantwortung mit Plus auf dem konto. Denn wenn das alles so war, wieso hat es so lange gedauert, bis es feststand? Ich meine, wenn es um Obama-Zitate geht, Melania der Frau die vorlas, diese die dann in die Rede einbaute, dann sollte das unmittelbar klar gewesen sein, als der Sh*tstorm losging. Stattdessen erst nach 2 Tagen eine Schuldige? Und wenn Melania ihr die Zitate vorlas, warum ist ihr beim Lesen der fertigen Rede (nicht VERlesen) das dann nicht aufgefallen? Und ist es nicht ohnehin peinlich, dass sie als "Inspiration" ausgerechnet eine Rede von Michelle Obama heranzieht? Und die verwendeten Zitate sind nett, aber wahrlich keine Raketenwissenschaft, also nichts, was sich jemand anders nicht ganz anders formuliert hätte ausdenken können. Andersrum: Wenn sie die Rede komplett von jemand anders hat schreiben lassen und die Zitate schlicht nicht erkannt hat, wäre es dennoch peinlich. Klar, Reden werden oft von Ghostwritern verpasst, aber hier wäre dann eine echt arme Ausführung. Das Ganze wirkt HOCHGRADIG unglaubwürdig, traurig und unwürdig für einen Präsidentschaftskandidaten bzw. dessen Frau.
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