Sicherheitsberater O'Brien Der nächste Hardliner - rät er Trump zum Angriff auf Iran?

US-Präsident Donald Trump ernennt Robert O'Brien zum neuen Sicherheitsberater. Wie sein Vorgänger John Bolton gilt auch er als politischer Falke.

Donald Trump (r.) und Robert O'Brien: Der neue Mann auf dem Schleudersitz im Weißen Haus
Evan Vucci/ DPA

Donald Trump (r.) und Robert O'Brien: Der neue Mann auf dem Schleudersitz im Weißen Haus

Von , Washington


Die Sache verlief wie eine Castingshow. Mal verkündete Donald Trump, er habe 15 potenzielle Kandidaten für die Nachfolge des geschassten Sicherheitsberaters John Bolton im Auge. Dann waren es wieder nur fünf. Nun steht der "Gewinner" fest. Robert O'Brien, ein Diplomat aus dem Außenministerium, soll es nach dem Willen des Präsidenten werden. "Robert ist fantastisch", schwärmt Trump.

Vermutlich hätte Trump die Neubesetzung des Postens gerne noch ein wenig hinausgezögert, er liebt solche Inszenierungen mit Spannungsbogen. Doch der Job des Sicherheitsberaters ist in der Regierung zu wichtig, um ihn lange unbesetzt zu lassen. Zumal in dieser Zeit, in der es an allen Ecken und Enden brennt: Der Konflikt mit Iran spitzt sich fast täglich mehr zu und könnte jeden Augenblick in einen Krieg münden.

Wofür steht Robert O'Brien?

Nun also O'Brien. Für die meisten Politik-Nerds in Washington ist der gelernte Anwalt aus Los Angeles ein Unbekannter, auch weil er in seiner bisherigen Funktion als Sonderbeauftragter für Geiselverhandlungen vor allem im Hintergrund wirkte. Nicht so für Trump: Der Präsident kennt ihn gut, er hatte mit O'Brien in mehreren Geiselfällen direkt zu tun, etwa bei den Verhandlungen mit der Türkei über die Freilassung des amerikanischen Geistlichen Andrew Brunson.

Auch als Trump jüngst auf die Idee kam, den Rapper A$AP Rocky nach einer Schlägerei aus schwedischer Haft befreien zu lassen, war O'Brien zur Stelle. Es war das einzige Mal, dass er bislang wirklich in die Schlagzeilen geriet. Zwar ist Schweden nicht als Unrechtsstaat bekannt und Rocky konnte auch kaum als Geisel bezeichnet werden. Doch Verhandlungsexperte O'Brien flog trotzdem nach Stockholm, und der Rapper durfte nach seiner Verurteilung das Land verlassen.

So lernte Trump O'Brien schätzen: Mit den diversen Freilassungen bescherte er dem Präsidenten einige seiner raren außenpolitischen Erfolge.

O'Brien ist ausgesprochen loyal, er gilt als ein treuer Trump-Fan, offenkundig weiß er auch um dessen Schwäche für Schmeicheleien. Begeistert berichtete Trump nach Angaben von mitreisenden Reportern an Bord der Air Force, O'Brien habe ihn, Trump, "als den größten Geisel-Verhandler in der Geschichte" bezeichnet. "Damit hat er recht", stellte Trump zufrieden fest. Kurz darauf verkündete der Präsident O'Briens Berufung zum Sicherheitsberater.

Auf einer Wellenlänge mit Bolton

Eine Frage lautet jetzt, wie lange der neue Mann auf dem Schleudersitz im Weißen Haus aushält. Trump umgibt sich bekanntlich mit vielen Beratern, entscheidet am Ende aber dann doch gerne so, wie es ihm passt, auch konträr zu deren Vorstellungen.

Ein Vorteil für O'Brien dürfte sein, dass er auf Empfehlung von Außenminister Mike Pompeo an den neuen Job kam. Mit O'Briens knorrigem Vorgänger Bolton lag Pompeo ständig über Kreuz, O'Brien gilt hingegen als umgänglicher Typ, der mit vielen unterschiedlichen Charakteren gut klarkommt. Zusammen mit Pompeo dürfte er deshalb künftig als Team auftreten, was vielleicht dabei helfen wird, das Durcheinander in außen- und sicherheitspolitischen Fragen im Weißen Haus auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

Inhaltlich steht O'Brien für eine Sicht auf die Außen- und Sicherheitspolitik, die der harten Linie seines Vorgängers Bolton gar nicht so unähnlich ist. Er setzt auf amerikanische Stärke, politisch, wirtschaftlich und militärisch. Er sieht die USA als führende Weltmacht, die gegen das Böse in der Welt kämpft. Dabei will er traditionelle Allianzen pflegen und Rivalen wie Russland und China zurückdrängen.

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In seinem Buch "Während Amerika schlief", das er 2016 veröffentlichte, geht O'Brien scharf mit der Außenpolitik des früheren US-Präsidenten Barack Obama ins Gericht. Die Welt sei während dessen Amtszeit immer gefährlicher geworden. Obama habe mit seinem Ansatz, "von hinten zu führen", Amerikas Gegner gestärkt und Alliierte enttäuscht.

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Gerade im Verhältnis zu Staaten wie Iran habe Obama zu viel Nachsicht und Schwäche gezeigt, schreibt O'Brien. Auf dem Einband macht John Bolton Werbung für das Buch: O'Briens Essays seien eine "Pflichtlektüre" für alle Außen- und Sicherheitspolitiker, schwärmt er.

Vor seiner Zeit in der Trump-Regierung arbeitete O'Brien unter anderem als Berater für den früheren Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, der wie er der kleinen, aber einflussreichen Religionsgemeinschaft der Mormonen angehört. Außerdem war er während der Regierungszeit von George W. Bush als US-Vertreter bei den Vereinten Nationen tätig.

Zu den wichtigsten Aufgaben, die nun auf den Neuen warten, dürfte die Irankrise gehören. Nach dem Angriff auf saudi-arabische Öl-Einrichtungen zeigt sich Trump weiterhin zurückhaltend, was einen möglichen Militäreinsatz angeht.

Graham meckert, Bolton tritt nach

Wird er diese Position noch lange durchhalten? Auch innerhalb der eigenen Partei ist Trumps Iran-Politik nicht unumstritten. Der republikanische Senator Lindsey Graham, eigentlich ein Trump-Freund, kritisiert seit Tagen dessen Haltung: "Es ist offensichtlich, dass das, was wir machen, nicht funktioniert", sagte er in einem Interview. Und: Die Iraner hätten Trumps Entscheidung, nach dem Abschuss einer US-Drohne im Sommer auf einen Vergeltungsschlag zu verzichten, offensichtlich als "Schwäche" interpretiert.

Auch der frühere Sicherheitsberater Bolton poltert im Hintergrund: Mehrere US-Medien berichten, Bolton habe bei einem Essen in New York Trumps Politik insgesamt scharf kritisiert. Die von Trump gewünschten Verhandlungen mit Nordkorea oder Iran seien zum Scheitern verurteilt, soll Bolton erklärt haben.

Sicherheitsberater O'Brien wollte sich am Mittwoch nicht zu seinen Plänen äußern. Auch zu Iran schwieg er. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Trump, kündigte er lediglich an, er werde sich beim Thema Iran jetzt schnell "auf Stand" bringen lassen. Dann werde er dem Präsidenten seinen Rat dazu geben. Vertraulich natürlich.

insgesamt 129 Beiträge
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qwertreiber 19.09.2019
1. USA ist eine opportunistische Angriffsnation
Es wird ja nur noch nach einer ausreichenden Rechtfertigung gesucht, um es zu tun. Jeder US-Präsident will nun einmal seinen eigenen kleinen Krieg. Diess Gebaren der USA, eine andere Nation mal eben anzugreifen ist weltpolitisch verachtenswert. Diese Nation birgt die schwächsten und änsgtlichen Köpfe mit den monströsesten Waffen, die sie teilweise selbst nicht beherrschen können. Wirklich menschenverachtend.
saaman 19.09.2019
2. Falken haben scharfe Krallen
Trump will offenbar politische Falken um sich herum. Allerdings hat er nicht begriffen, wie mit solchen Spezies umzugehen ist. Das erklärt die häufigen Ämterwechsel seit Trump die Rolle des Präsidenten spielt. Wäre er präsidial würden ihm all die uns bekannten Pannen nicht passieren. Falken sind Greifvögel. In der Natur wie im politischen Lager. Zu deren Abrichtung gehört Feingefühl, Wissen und Talent. Impulsivität kann allzu schnell ins Auge gehen. Falken können auch mit ihrem Schnabel tiefe Wunden reißen. Aber das alles wird Trump nicht interessieren. Er ist im Einklang mit sich selbst. Und für eine kurze Zeit sicher auch mit seinem neuen Sicherheitsberater.
dirkcoe 19.09.2019
3. Ich bin sehr skeptisch
weil ich keine Antwort auf die Frage finde - welchen Grund sollte Iran für diesen Angriff haben? Die Krise von den USA losgetreten und immer weiter eskaliert, während der Iran sehr zurückhaltend reagiert hat.
tadano 19.09.2019
4. Trumps Schwäche ist gut für die Welt
Trump möchte wiedergewählt werden. Da schadet ein Krieg mit wem auch immer. Es wäre schön wenn das Schicksal der Welt nicht von solchen Zufälligkeiten abhinge.
dirkwerner 19.09.2019
5. Nun steht der "Gewinner" fest.
Sollte es nicht eher Verlierer heißen? Lange wird auch er nicht auf dem Schleudersitz bleiben...
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