US-Präsident Trump sorgt mit "Lynch"-Aussage für Empörung - auch in der eigenen Partei

Als "Hexenjagd" verunglimpft Donald Trump die Ermittlungen gegen ihn schon lange - doch nun verstieg er sich zu einem noch heikleren Vergleich. Die Reaktionen sind deutlich.

Donald Trump: Von Hexenjagd" zu "Lynchmord"
Pablo Martinez Monsivais/ AP

Donald Trump: Von Hexenjagd" zu "Lynchmord"


Wenn es um groteske Vergleiche geht, ist Donald Trump schnell bei der Hand. Der Ausdruck "Hexenjagd" wird von ihm im Zusammenhang mit dem Prüfverfahren für eine Amtsenthebung so inflationär verwendet, dass er seinen Biss schon beinahe verloren hat. Zuletzt probierte er den Begriff "Coup" aus, also einen Regierungssturz. Nun jedoch scheint eine neue Steigerungsstufe erreicht.

"Alle Republikaner müssen sich vor Augen halten, was wir hier gerade erleben - einen Lynchmord. Aber wir werden GEWINNEN!", schrieb der US-Präsident am Dienstag auf Twitter. Sein Vergleich des Verfahrens mit den vielen Tausenden Morden an meist afroamerikanischen Bürgern in der Geschichte der USA kommt erwartungsgemäß in den Reihen der Demokraten gar nicht gut an.

"Was zur Hölle stimmt nicht mit Ihnen", fragte etwa der afroamerikanische demokratische Abgeordnete Bobby Rush auf Twitter: "Wissen Sie, wie viele Menschen, die so aussehen wie ich, in der Geschichte dieses Landes von Menschen aufgeknüpft wurden, die aussehen wie Sie?" Seine Aussage verband er mit der Aufforderung an Trump, den Tweet zu löschen.

Auch die Demokratin Karen Bass, Vorsitzende der Vereinigung afroamerikanischer Mitglieder des Kongresses, wurde deutlich: "Vergleichen Sie gerade einen in der Verfassung verankerten Vorgang mit der WEITVERBREITETEN und SYSTEMATISCHEN brutalen Folter in DIESEM LAND an Leuten, die aussehen, wie ich?"

Und auch in Trumps eigener Partei regt sich - wenn auch deutlich leiserer - Widerstand. Der mächtige Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, kritisierte die Wortwahl des Präsidenten: "Wenn man die Geschichte unseres Landes betrachtet, würde ich das nicht mit einem Lynchmord vergleichen."

Und auch Will Hurd, der einzige afroamerikanische Republikaner im Repräsentantenhaus, missbilligte die Aussage des Commander in Chief als "verrückt". Susan Collings schließlich, republikanische Senatorin aus Maine, schrieb bei Twitter. "Der Lynch-Vergleich erweckt eine schreckliche Phase in der Geschichte unseres Landes und der Präsident hätte niemals so einen Vergleich ziehen dürfen."

Graham springt seinem Chef zur Seite

Doch es gibt auch andere Stimmen. Senator Lindsey Graham, Golf-Kumpel und regelmäßiger Fürsprecher des Präsidenten, konnte diesem kaum mehr zustimmen - und relativierte ganz nebenbei die Verbrechen der Vergangenheit.

Laut der Bürgerrechtsorganisation National Lawyers' Committee for Civil Rights Under Law wurden zwischen 1882 und 1968 insgesamt 4743 Menschen in den USA durch Lynchmorde getötet, 3446 davon waren Schwarze.

"Das ist ein Lynchmord in jeder Hinsicht", so Graham. "Afroamerikaner wurden aufgeknüpft, andere Leute auch. (…) Was bedeutet Lynchen? Ein Mob packt dich, und du hast keine Chance, dich selbst zu verteidigen." Das sei genau, was sich gerade im Repräsentantenhaus abspiele", so Graham.

jok

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