Aussage in der Ukraineaffäre Frühere US-Botschafterin in Kiew fühlte sich durch Trumps Worte bedroht

Im Zuge der Impeachment-Ermittlungen gegen Trump hat die ehemalige US-Botschafterin in der Ukraine ausgesagt: In einer nun veröffentlichten Mitschrift schildert Marie Yovanovitch, wie ihr Ruf zerstört werden sollte.
Marie Yovanovitch kommt am 11. Oktober ins Kapitol: Die Anhörung vor Abgeordneten im Repräsentantenhaus war Teil der Vorermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Trump

Marie Yovanovitch kommt am 11. Oktober ins Kapitol: Die Anhörung vor Abgeordneten im Repräsentantenhaus war Teil der Vorermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Trump

Foto: J. Scott Applewhite/ DPA

Die frühere US-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, hat Präsident Donald Trumps Aussagen über sie in einem Telefonat mit dem ukrainischen Staatschef als schockierend und bedrohlich beschrieben. Sie habe sich von den Äußerungen bedroht gefühlt und Vergeltungsmaßnahmen befürchtet, sagte sie Abgeordneten im Repräsentantenhaus.

Das geht aus einer Mitschrift ihrer Aussage  hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Anhörung unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand bereits am 11. Oktober statt, sie war Teil der Vorermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wegen der Ukraineaffäre.

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Die erfahrene Diplomatin Yovanovitch schilderte den Abgeordneten im Detail, wie Trumps persönlicher Anwalt Rudy Giuliani und andere eine Kampagne betrieben, um ihre Ablösung zu erreichen und ihren Ruf zu zerstören. Sie sei "geschockt" gewesen, als sie Ende 2018 davon erfahren habe, sagte Yovanovitch. Das Außenministerium habe sie nicht vor diesen Machenschaften geschützt.

Yovanovitch schilderte in ihrer Aussage auch, wie sie Rat bei Gordon Sondland gesucht habe, dem US-Botschafter bei der EU. Er habe ihr geraten, sie solle Trump bei Twitter loben. "Er sagte: 'Sie kennen den Präsidenten. Na ja, vielleicht kennen Sie ihn nicht persönlich, aber Sie wissen, welche Art von Dingen er mag. Wissen Sie, gehen Sie aggressiv raus und loben oder unterstützen Sie ihn.'"

Die US-Regierung hatte Yovanovitch im Frühjahr frühzeitig von ihrem Botschafterposten abgezogen. Ohne nähere Begründung sei ihr mitgeteilt worden, dass Trump das Vertrauen in sie verloren habe, sagte Yovanovitch. Ihren Angaben zufolge teilte das Außenministerium ihr damals mit, dass es Sicherheitsbedenken gebe. "Es geht um Ihre Sicherheit. Sie müssen sofort heimkommen. Sie müssen den nächsten Flieger in die Heimat nehmen."

"Haben Sie sich bedroht gefühlt?" - "Ja."

In einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom 25. Juli hatte Trump seinen Kollegen zu Ermittlungen ermuntert, die seinem politischen Rivalen Joe Biden schaden könnten. Ein im September vom Weißen Haus veröffentlichtes Protokoll des Anrufs zeigte, dass Trump sich dabei auch abfällig über die Ex-Botschafterin geäußert hatte.

"Nun, sie wird einige Dinge durchmachen", sagte Trump in dem Telefonat über Yovanovitch. Darauf angesprochen, erklärte sie bei ihrer Aussage: "Ich wusste nicht, was das bedeuten soll. Ich war sehr besorgt. Ich bin es immer noch." Auf die Frage, ob sie sich bedroht gefühlt habe, antwortete sie mit: "Ja."

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, Adam Schiff, kündigte unterdessen an, in den kommenden Tagen weitere Mitschriften von Zeugenbefragungen zu veröffentlichen. Außerdem wolle das Gremium bald mit der öffentlichen Anhörung von Zeugen beginnen.

aar/dpa
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