Trump-Vize Pence bei Musical-Besuch ausgebuht

"Wir sind das vielfältige Amerika": Die Darsteller des Musicals "Hamilton" haben an den designierten Trump-Vize Pence appelliert, eine Politik der Toleranz zu unterstützen. Der verließ während der Erklärung den Saal.


Der designierte US-Vize-Präsident Mike Pence ist bei einem Besuch des Broadwaystücks "Hamilton" in New York von einigen Zuschauern ausgebuht worden. Die Darsteller hingegen reagierten mit einer versöhnlichen Geste auf den Republikaner: "Wir heißen Sie willkommen und danken Ihnen, dass Sie hier sind", hieß es in einer Erklärung, die der Schauspieler Brandon Victor Dixon verlas.

Pence, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates Indiana, gilt als sozialkonservativ, bibelfest und ist Abtreibungsgegner. Für den künftigen US-Präsidenten Trump ist der Hardliner das Verbindungsglied zum erzkonservativen, streng religiösen republikanischen Flügel. Im Wahlkampf äußerte sich Trump mehrfach fremdenfeindlich und rassistisch. In New York bekam seine Konkurrentin Hillary Clinton die Mehrheit der Wählerstimmen.

Schauspieler Dixon sagte am Freitagabend (Ortszeit) weiter in Richtung Pence: "Wir sind das vielfältige Amerika, das alarmiert und besorgt ist, dass Ihre neue Regierung uns, unseren Planeten, unsere Kinder und Eltern nicht beschützen wird oder uns nicht verteidigen und unsere unveräußerlichen Rechte nicht aufrechterhalten wird." Pence verließ währenddessen den Saal - der "New York Times" zufolge bekam er aber vom Foyer aus das gesamte Statement mit.

"Wir hoffen wirklich, dass diese Show Sie dazu inspiriert hat, die amerikanischen Werte aufrechtzuerhalten und für die Belange von uns allen einzutreten. Von uns allen", sagte Dixon. Das Musical behandelt die Gründungsgeschichte der Vereinigten Staaten und den Beitrag der Einwanderer zum Aufbau des Landes. Die Mitglieder der Crew sind unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft und sexueller Orientierung. Der Hauptdarsteller des Musicals, Javier Muñoz, ist homosexuell und geht mit seiner HIV-Infektion offen um.

Zu dem Zwischenfall hat inzwischen auch der designierte Präsident Trump Stellung bezogen: "Unser wunderbarer künftiger Vizepräsident Mike Pence ist vergangene Nacht von den 'Hamilton'-Darstellern im Theater vor laufenden Kameras schikaniert worden. Das darf nicht passieren!", twitterte er. In einem weiteren Tweet forderte er die Darsteller - nicht die buhenden Zuschauer, sondern die Unterstützer der Erklärung - dazu auf, sich bei Pence zu entschuldigen.

The Theater must alwaysbea safeandspecialplace.The castofHamilton was veryrudelast nighttoa verygoodman, Mike Pence. Apologize!

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) 19. November 2016

Das Hip-Hop-Musical um Alexander Hamilton, den ersten Finanzminister der Vereinigten Staaten, hat in den USA einen beispiellosen Hype ausgelöst. Es gewann elf Musicalpreise "Tony", einen Grammy sowie den Pulitzerpreis und spielt pro Woche etwa zwei Millionen Dollar ein.

vks/dpa/AFP



insgesamt 94 Beiträge
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Bueckstueck 19.11.2016
1. Wenig souverän
Auch wenns ihm nicht passt, was diese Bürger zu sagen hatten, so hätte er Souveränität bewiesen, wenn er auf seinen vier Buchstaben sitzen gelieben wäre statt raus zu watscheln. Aber so sind sie, diese Leute. Bist du nicht für mich, bist du gegen mich...
Meconopsis 19.11.2016
2. Das Versagen der Linken
Habe keine Ahnung mehr, wie man diese grundverschiedenen Teile der Gesellschaft miteinander versöhnen könnte. Jeder soll (individuell) so leben dürfen, wie er möchte. Vielfalt oder gar Buntheit sind für mich allerdings nicht nur positiv besetzt, es handelt sich dabei auch nicht um Werte, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern. Da ist mir die Parole der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit viel näher. Wenn das gilt, dann ist der Rest eh egal. Das wäre auch ein gemeinsames politisches Programm. Wenn die Linke meint, lieber für Vielfalt und buntes Chaos zu kämpfen und darüber sogar ihre ehemals religionskritische Einstellung vergisst, dann ist das Tor für die neue Rechte wirklich sehr weit offen.
Deine Mami 19.11.2016
3. Nichts verstanden?
Zitat von MeconopsisHabe keine Ahnung mehr, wie man diese grundverschiedenen Teile der Gesellschaft miteinander versöhnen könnte. Jeder soll (individuell) so leben dürfen, wie er möchte. Vielfalt oder gar Buntheit sind für mich allerdings nicht nur positiv besetzt, es handelt sich dabei auch nicht um Werte, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern. Da ist mir die Parole der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit viel näher. Wenn das gilt, dann ist der Rest eh egal. Das wäre auch ein gemeinsames politisches Programm. Wenn die Linke meint, lieber für Vielfalt und buntes Chaos zu kämpfen und darüber sogar ihre ehemals religionskritische Einstellung vergisst, dann ist das Tor für die neue Rechte wirklich sehr weit offen.
In Amerika soll sogar jeder so leben, wie es ihm passt, solange die Freiheit des Nächsten nicht beschnitten wird. Genau DAS ist aber das Problem der Trumpisten. Die USA werden sicher bald eine Art "Neues Reich" sein, in dem gelebt wird, wie gelebt werden soll. Das ist das eigentliche Ziel von politischer Hetze. Und bevor sie womöglich gleich lospoltern: Demokraten bekämpfen die Rechten, die Rechte bekämpfen alles, was nicht rechts ist. Ist ein Unterschied! Hier Kritik an irgendwelchen "Linken" zu üben ist ziemlich hohl, muss ich sagen. Sorry, isso! Sie haben nicht verstanden, worum es Trumpisten geht.
galbraith-leser 19.11.2016
4. So demokratisch verhalten sich also die »Demokraten«
Da will sich der Mann in seiner Freizeit lediglich ein Musical ansehen und wird ausgebuht. Dabei ist es doch schon ein gutes Zeichen, dass er als Erzkonservativer in ein Musical geht, dessen Ensemble bunt gemischt und vielfältig ist. Das New Yorker Publikum sollte sich schämen. Die Reaktion der Schauspieltruppe ist auch nicht viel besser - der Mann ist noch nicht im Amt und wird belehrt. Das ist genauso peinlich wie Merkels Angebot, mit Trump auf der Grundlage von westlichen Werten - für die gerade Frau Merkel mit ihrer DDR-Sozialisation und ihren ständigen Rechtsbrüchen nicht steht - zusammenarbeiten zu wollen.
360° 19.11.2016
5. Zustimmung
Zitat von galbraith-leserDa will sich der Mann in seiner Freizeit lediglich ein Musical ansehen und wird ausgebuht. Dabei ist es doch schon ein gutes Zeichen, dass er als Erzkonservativer in ein Musical geht, dessen Ensemble bunt gemischt und vielfältig ist. Das New Yorker Publikum sollte sich schämen. Die Reaktion der Schauspieltruppe ist auch nicht viel besser - der Mann ist noch nicht im Amt und wird belehrt. Das ist genauso peinlich wie Merkels Angebot, mit Trump auf der Grundlage von westlichen Werten - für die gerade Frau Merkel mit ihrer DDR-Sozialisation und ihren ständigen Rechtsbrüchen nicht steht - zusammenarbeiten zu wollen.
In Schweden will die Rot-grüne Regierung mit Staatsgeldern nun ein großes Medienprojekt starten. In denen 300 ausgesuchte Journalisten "die Wahrheit" verkünden sollen. Damit die Menschen nicht vom Internet weiter verführt werden. Dieser Anspruch auf die alleinige Wahrheit und der Hass auf Andersdenkende ist auch eine Form des Faschismus. Wie sie in der DDR (sie nannten sich Anti-Faschisten und bauten doch selber ein faschistoides System auf), anderen linken und natürlich rechtsextremen Diktaturen aufgebaut wurde. Man sollte sich freuen, dass der zukünftige Vize dieses bunte Theaterensemble besucht. Eine falsche Reaktion des Ensembles und der buhenden Zuseher. Die Linke ist scheinbar nicht bereit, die Gräben zu schließen. Proteste sind in Ordnung. Aber nicht bei einem Privatbesuch. Scheinbar wollen einige den totalen Bruch dieser Gesellschaft. Mit all ihrer Intoleranz den demokratisch gewählten Repräsentanten gegenüber. Langsam fürchte ich die intolerante Linke mehr, als so manchen Konservativen.
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