Frust und fehlendes Vertrauen Trumps Heimatschutzminister wirft überraschend hin

Er war kurz im Amt und das auch nur kommissarisch - doch nun hat Kevin McAleenan genug vom Chefposten im US-Heimatschutzministerium. Hinter dem Schritt verbirgt sich laut einem Medienbericht ein Zerwürfnis.

Kevin McAleenan: Lieber Zeit mit der Familie verbringen
Yuri Gripas/ REUTERS

Kevin McAleenan: Lieber Zeit mit der Familie verbringen


Der kommissarische US-Heimatschutzminister Kevin McAleenan scheidet unerwartet aus dem Amt. Präsident Donald Trump begründete den Abgang McAleenans am Freitagabend (Ortszeit) auf Twitter damit, dass es den 48-Jährigen nach vielen Jahren in Regierungsämtern in die Privatwirtschaft ziehe und er künftig mehr Zeit mit seiner Familie verbringen wolle.

McAleenan habe als amtierender Heimatschutzminister "einen herausragenden Job gemacht". Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin werde nächste Woche vorgestellt, es gebe "viele wundervolle Kandidaten".

Das Ministerium für Heimatschutz ("Homeland Security") wurde als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 aufgebaut. Es entspricht einem Ministerium für innere Sicherheit, während das US-Innenministerium überwiegend mit den Nationalparks und öffentlichem Land befasst ist. In dem riesigen "Homeland Security"-Apparat sind viele verschiedene Regierungsbehörden zusammengefasst. Insgesamt hat das Ministerium etwa 240.000 Mitarbeiter.

McAleenan bedankte sich - ebenfalls über Twitter - beim Präsidenten und kündigte an, bei der reibungslosen Übergabe seines Amtes mitzuhelfen. Er hatte erst im April Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen kommissarisch auf dem Posten abgelöst. McAleenan war bis dahin Chef der untergeordneten Grenzschutzbehörde CBP gewesen.

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Ganz so harmonisch und reibungslos wie nun dargestellt dürfte die aktuelle Trennung jedoch in Wahrheit nicht verlaufen sein. McAleenan hatte sich zu Monatsbeginn in der "Washington Post" unzufrieden über seine Rolle im Ministerium in "zunehmend polarisierten Zeiten" geäußert. So seien viele Posten mit extremen Hardlinern besetzt worden, die McAleenan selbst immer wieder kritisiert hätten. Zudem habe er die Außenwirkung seines eigenen Hauses kaum noch steuern können. Wie die "Washington Post" nun meldet, soll er sich zudem um das Vertrauen des Präsidenten in seine Arbeit gesorgt haben.

Weniger Menschen überqueren Südgrenze der USA

Seit er das Amt kommissarisch übernahm, sind die Zahlen der illegalen Grenzübertritte aus Mexiko in die USA deutlich zurückgegangen. Eines der wichtigsten Wahlkampfversprechen Trumps war es, die illegale Migration einzudämmen - er versprach unter anderem, auf Kosten Mexikos eine Mauer an der Grenze zu bauen. Dieses Versprechen konnte er nicht im Ansatz erfüllen.

Im vergangenen Monat wurden nach CBP-Angaben rund 52.000 Menschen an der Südgrenze der USA beim illegalen Übertritt gefasst. Das war der niedrigste Monatsstand im US-Haushaltsjahr 2019 (1. Oktober 2018 bis 30. September 2019) und ein Rückgang um 65 Prozent im Vergleich zu Mai, als die Zahl noch bei rund 144.000 gelegen hatte.

Unter Trumps Führung hat es in seinen nicht einmal drei Amtsjahren Dutzende Rauswürfe, Personalwechsel und Rücktritte gegeben. Zuletzt hatte der Präsident vor einem Monat seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton entlassen. Bolton stellte das etwas anders dar: Er habe seinen Rücktritt angeboten und sei mitnichten rausgeworfen worden.

jok/AFP



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