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29. August 2009, 20:20 Uhr

Truppenbesuch

Brown verspricht mehr Soldaten für Afghanistan

Mehr als 200 britische Soldaten sind bisland in Afghanistan ums Leben gekommen, die Bevölkerung fordert mehrheitlich den Abzug - jetzt hat Premierminister Gordon Brown seine Soldaten am Hindukusch besucht und neue Unterstützung versprochen.

London - Unterstützung für die Truppe: Bei einem Überraschungsbesuch in Afghanistan hat Großbritanniens Premierminister Gordon Brown die Entsendung weiterer britischer Soldaten angedeutet. Er wolle die Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten beschleunigen, sagte Brown am Samstag bei einem Truppenbesuch in der Provinz Helmand. Dazu müsste das britische Kontingent nach Einschätzungen von Beobachtern aufgestockt werden.

Innerhalb des nächsten Jahres könnten 50.000 weitere afghanische Armeeangehörige ausgebildet werden, gab Brown bei seinem vierten Besuch am Hindukusch binnen Jahresfrist als Ziel aus. Das Training würde die Afghanen in die Lage versetzen, mehr Verantwortung für ihre eigenen Angelegenheiten zu übernehmen.

Brown kündigte zudem an, neben zusätzlicher Ausrüstung im Herbst noch 200 Spezialisten an den Hindukusch zu verlegen. Sie sollen die tückischen Sprengsätze entschärfen. Er kündigte demnach zugleich die Entsendung von 200 auf den Umgang mit sogenannten improvisierten Sprengsätzen spezialisierten Soldaten an. Solche häufig am Straßenrand versteckten Sprengsätze sind eine tödliche Waffe im Kampf der aufständischen Taliban gegen die ausländischen Truppen. In den vergangenen Wochen waren ihnen immer mehr britische Soldaten zum Opfer gefallen waren.

In einem Interview mit dem Sender Sky News erklärte Brown zudem, weitere gepanzerte Fahrzeuge würden bald nach Afghanistan geschickt, um britische Soldaten besser zu schützen. Die Gesamtzahl der in Afghanistan getöteten Briten überstieg Mitte August die Marke von 200 und lag damit höher als im Irak, wo es bislang rund 180 Tote unter den britischen Streitkräften gab. Die Zahl ist besonders seit Juli stark angestiegen, nachdem die britische Armee in Helmand eine Offensive gegen die aufständischen Taliban startete.

Derzeit sind 9000 britische Soldaten im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban in Afghanistan stationiert. Nachdem die Briten vor allem im Sommer starke Verluste erlitten hatten, verringerte sich in der Heimat die Zustimmung für den Einsatz. Zwei Umfragen ergaben zuletzt, dass rund zwei Drittel der Befragten einen Abzug der britischen Truppen aus dem Krisenland wollen.

Auch in den USA heizen stetig ansteigende Verluste die Diskussion über den zunehmend unpopulären Krieg an - und beunruhigen die Militärführung. Für die US-Streitkräfte in Afghanistan ist der August zum tödlichsten Monat seit ihrer Invasion vor acht Jahren geworden. Die Todeszahlen sind gestiegen, seit US-Präsident Barack Obama eine Verstärkung des US-Kontingents in Afghanistan um zusätzliche 21.000 Soldaten anordnete.

Angesichts der Verluste steigt auch der Druck auf Deutschland, das Engagement auszuweiten. Nach SPIEGEL-Informationen fordert US-Präsident Obama nun mehr deutsche Truppen am Hindukusch.

ore/AFP/dpa/AP

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