Truppenbesuch Bush überraschend im Irak eingetroffen

Überraschungsbesuch von George W. Bush im Irak: Statt eine Video-Konferenz mit dem irakischen Regierungschef Maliki aus dem fernen Washington abzuhalten, ist der US-Präsident heute in Bagdad eingetroffen.


Washington/Bagdad - Die Präsidentenmaschine Air Force One landete in Bagdad bei diesigem Wetter. US-Präsident George W. Bush stieg auf dem Flughafen in einen Hubschrauber um und flog darin in ungefähr sechs Minuten in die "Grüne Zone", jenem Teil der Hauptstadt, der von irakischen und amerikanischen Truppen hermetisch abgeriegelt wird. Dort traf Bush mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki und mit US-Soldaten zusammen.

Insgesamt werde er sich wohl mehr als fünf Stunden auf irakischem Boden aufhalten. "Gut, Sie zu sehen", sagte Maliki, als er Bush bei seiner Ankunft begrüßte. "Danke, dass Sie mich empfangen", erwiderte Bush. Kurz vor der Ankunft Bushs hatte die Regierung Malikis einen Großeinsatz im Kampf gegen Aufständische in Bagdad angekündigt. Mehr als 40.000 irakische und US-Soldaten sollen dort ab Mittwoch für Sicherheit sorgen und Verdächtige aufspüren.

Bush und Maliki: "Gut, Sie zu sehen"
REUTERS

Bush und Maliki: "Gut, Sie zu sehen"

Eigentlich war erwartet worden, dass Bush in den USA eine Videokonferenz mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki über die künftige Orientierung im Irak abhalten werde.

Am Montag hatte Bush sich auf seinem Landsitz Camp David im US-Bundesstaat Maryland mit Vertretern seiner Regierung zu Klausurberatungen über die künftige Strategie im Irak zurückgezogen, die ursprünglich zwei Tage dauern sollten.

Weitere Details zum Aufenthalt Bushs in dem von Gewalt und Anarchie geplagten Land wurden zunächst nicht bekannt gegeben. In der irakischen Hauptstadt hieß es jedoch, der Präsident werde sich voraussichtlich am Abend in der "Grünen Zone" von Bagdad aufhalten.

Bush hatte gestern erklärt, der Tod des Top-Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi sei ein schwerer Schlag für die Terroristen, die im Irak versuchten, den Aufbau einer neuen Demokratie zu verhindern. Die Kritik der Iraker an der Politik der Bush-Regierung war in den vergangenen Tagen noch schärfer geworden, nachdem Berichte über die Tötung von Frauen und Kindern durch US-Soldaten in der Ortschaft Haditha im November 2005 bekannt geworden waren.

Bereits im November 2003 war Bush überraschend in den Irak gereist. Damals hielt er sich zum amerikanischen Erntedankfest für zwei Stunden in Bagdad auf. Die Air Force One war nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Internationalen Flughafen von Bagdad gelandet. Bushs Besuch beschränkte sich damals auf ein Abendessen mit US-Soldaten am Flughafen.

Damals wurde Bush, der ein blaues Hemd und eine graue Army-Freizeitjacke trug, von den amerikanischen Soldaten mit lang anhaltendem Applaus begrüßt. Bei dem Abendessen mit rund 600 Soldaten vor zweieinhalb Jahren lobte er den Einsatz der Truppen in Irak: "Ihr verteidigt das amerikanische Volk gegen Gefahren, und wir sind dafür dankbar", sagte er. "Wir werden nicht vor einer Bande von Schlägern kneifen. Wir bleiben, bis der Job getan ist."

asc/Reuters/AP/dpa



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