Tschad Lebenslange Haft für Ex-Diktator Habré bestätigt

Das Verfahren gilt als Meilenstein: 2016 verurteilte ein rein afrikanischer Gerichtshof Hissène Habré zu lebenslanger Haft. Dabei bleibt es. Der ehemalige Diktator scheiterte in einem Berufungsverfahren.

Hissène Habré
DPA

Hissène Habré


Der tschadische Ex-Diktator Hissène Habré muss seine lebenslange Freiheitsstrafe absitzen. Das entschied ein afrikanisches Sondertribunal in einem Berufungsverfahren in Senegals Hauptstadt am Donnerstag. In erster Instanz war Habré im Mai 2016 unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter, Mordes und Zwangsprostitution zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Anwälte des 74-Jährigen hatten Berufung gegen das Urteil eingelegt. Habré, der in seiner tschadischen Heimat bereits zum Tod verurteilt ist, soll nun lebenslang in Haft bleiben. Er wird vermutlich im Gefängnis sterben, eine Auslieferung an den Tschad lehnt der Senegal ab. Dorthin hatte Habré sich 1990 abgesetzt, seit 2013 sitzt er im Gefängnis.

Im Juli 2016 hatte das Sondertribunal zu Entschädigungszahlungen in Höhe von umgerechnet rund 80 Millionen Euro angeordnet. Dabei sollten Opfer von Vergewaltigungen und sexueller Sklaverei jeweils rund 30.000 Euro erhalten.

Menschenrechtler hatten das Urteil gegen Habré zuvor als Meilenstein der internationalen Justiz bezeichnet. Habré hatte im Tschad von 1982 bis 1990 ein totalitäres Regime angeführt. Schätzungen zufolge soll er für den Tod von etwa 40.000 Menschen verantwortlich sein. Rund 200.000 Menschen sollen gefoltert worden sein.

Von den USA und Frankreich unterstützt

Habrés Laufbahn vom Rebellenführer zum Staatschef begann im tschadischen Bürgerkrieg der Siebzigerjahre. Dabei wechselte Habré mehrmals die Seiten. Erst kämpfte er im Norden des Landes gegen Separatisten. Dann unterstützte er plötzlich diese vom libyschen Diktator Gaddafi finanzierten Rebellen und eroberte für sie fast den halben Tschad.

1978 überraschend wurde Habré der Premier des Landes. Frankreich und die USA bauten ihn zum Gegenspieler Gaddafis auf, 1982 wurde er Präsident. Weil er erfolgreich Gaddafi in Schach hielt, ignorierten seine westlichen Sponsoren, dass Habré im eigenen Land foltern und morden ließ.

2001, mehr als zehn Jahre nach Habrés Sturz, fanden Rechercheure von Human Rights Watch Tausende Seiten mit Akten aus einem seiner Foltergefängnisse. Mehr als 1200 Tote sind darin dokumentiert.

sep/dpa



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
espet3 27.04.2017
1.
Korrigiert mal die Überschrift!
think-twice! 27.04.2017
2. Eine andere Sicht der Dinge
der brutale Diktator Habré genoss jahrzehntelang Asyl und Luxus im Senegal, ohne Gewissensbisse geduldet von den jeweils amtierenden Präsidenten. Erst als ihm dort das Geld ausging wurde ihm im Senegal der Prozess gemacht, was sich trefflich als demokratisch vermarkten liess. Darauf fiel nicht nur die Politik in Europa rein und jubelte, sondern auch offensichtlich die Presse.
Blankoscheck 27.04.2017
3. Frankreich und USA
haben ihn erst zu dem gemacht, was er war oder besser gesagt, Habré war die Marionette, eine Unperson im Sinne des Westens, die man für alles benutzen kann und muss. Wann dürfen wir mit Anklage und Verurteilung der Amerikaner und Franzosen rechnen. Oder fällt das mal wieder unter Verteidigung und Verteilung der westlichen Werte.
Blankoscheck 27.04.2017
4.
Zitat von think-twice!der brutale Diktator Habré genoss jahrzehntelang Asyl und Luxus im Senegal, ohne Gewissensbisse geduldet von den jeweils amtierenden Präsidenten. Erst als ihm dort das Geld ausging wurde ihm im Senegal der Prozess gemacht, was sich trefflich als demokratisch vermarkten liess. Darauf fiel nicht nur die Politik in Europa rein und jubelte, sondern auch offensichtlich die Presse.
Das stimmt so nicht; denn immerhin stand Habré unter dem persönlichen Schutz der französischen Regierung (USA und Europa hatte damit kein Problem) und erst als man ihn wohl nicht mehr brauchte, wurde er zum Abschuss freigegeben - sprich der Senegal durfte Anklage erheben.
vantast64 27.04.2017
5. Ja, und bitte auch GW.Bush,Cheney und Putin,
darauf warte ich schon lange, aber hier im Westen stehen sie über dem Gesetz, obwohl sie wirklich reif wären.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.