Tschechien Milos Zeman als Präsident wiedergewählt

Milos Zeman hat die Stichwahl um das Amt des tschechischen Präsidenten gewonnen. Er setzte sich mit knapp gegen seinen Herausforderer Jiri Drahos durch, der seine Niederlage eingestand.
Milos Zeman

Milos Zeman

Foto: Petr David Josek/ AP

Milos Zeman oder Jiri Drahos? Die Tschechen haben ihren Präsidenten gewählt - und sich für Amtsinhaber Zeman entschieden. Der 73-Jährige bekam 51,5 Prozent der Stimmen, wie die Statistikbehörde CSU mitteilte. Demnach waren nahezu alle Stimmzettel ausgezählt. Zwei Drittel der knapp 8,4 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Drahos gestand seine Niederlage bereits ein, ehe die Auszählung komplett war. "Ich möchte dem Wahlsieger Milos Zeman gratulieren", sagte er vor seinen Anhängern. Er kündigte an, in der Politik bleiben zu wollen: "Es ist nicht vorbei." Details nannte er nicht.

Jiri Drahos

Jiri Drahos

Foto: Pavel Sojka/ AP

Zeman dankte seinen Anhängern für ihre Unterstützung. Über einen knappen Sieg freue er sich umso mehr, sagte er im tschechischen Fernsehen. "Das ist mein letzter politischer Sieg", kündigte er an und schloss ein weiteres Engagement nach seiner zweiten Amtszeit aus.

Zeman hat vor allem Rückhalt bei der Landbevölkerung und in den unteren Einkommensschichten. Drahos dagegen ist unter Bewohnern der Hauptstadt Prag und anderer großer Städte sowie Besserverdienern beliebter.

Den ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Zeman mit 38,6 Prozent der Stimmen gewonnen. Drahos hatte 26,6 Prozent erhalten. Die Stichwahl fiel in eine Zeit der politischen Krise: Die Minderheitsregierung des Populisten Andrej Babis verlor vor anderthalb Wochen die Vertrauensfrage im Parlament.

Zeman rückte politisch nach rechts

In Wahlkampf war es unter anderem um die außenpolitische Orientierung Tschechiens gegangen: Zeman, bekannt für seine populistische Rhetorik, gilt als prorussisch, wohingegen der fünf Jahre jüngere Drahos den EU- und Nato-Mitgliedstaat stärker nach Westen orientieren wollte.

Zeman ist nach Vaclav Havel und Vaclav Klaus der dritte Präsident Tschechiens. Er hat das Amt seit 2013 inne. Der 73-Jährige war früher Ministerpräsident einer Mitte-links-Regierung. Inzwischen ist Zeman politisch nach rechts gerückt. Seine Gegner werfen ihm vor, die tschechische Gesellschaft mit seinem Kurs und seinen häufig derben Bemerkungen zu spalten. Unter anderem kritisiert er westliche Sanktionen gegen Russland sowie Einwanderung aus muslimischen Ländern nach Europa. In der Vergangenheit sprach er von einer "organisierten Invasion" und sagte, es sei "unmöglich, Muslime zu integrieren".

Der Präsident hat in Tschechien zwar nur eine repräsentative Rolle und wenig Befugnisse, allerdings traditionell eine große nationale Symbolwirkung. Deshalb kann er die öffentliche Stimmung im Land weitaus mehr beeinflussen als beispielsweise der deutsche Bundespräsident.

ulz/dpa/AFP