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22. Mai 2013, 15:49 Uhr

Tschechien

Präsident ernennt Schwulen doch zum Professor

Tschechiens Präsident Zeman hat eingelenkt: Ein bekennender schwuler Literaturdozent darf nun doch Professor werden. Allerdings weigert sich das Staatsoberhaupt, die Ernennungsurkunde persönlich zu übergeben.

Prag/Hamburg - Der Literaturwissenschaftler Martin C. Putna darf nun doch Professor in Tschechien werden. Das ist das Ergebnis einer Krisensitzung von Kultusminister Petr Fiala mit Präsident Milos Zeman. Damit lenkte das Staatsoberhaupt im Streit um die Ernennung des homosexuellen Wissenschaftlers nach scharfer Kritik ein. Zeman werde die Berufungsurkunde aber nicht persönlich übergeben, hieß es am Mittwoch in Prag.

Der 68 Jahre alte Zeman hatte es zunächst abgelehnt, den Literaturdozenten und bekennenden Schwulen Putna zum Professor zu ernennen. Den Präsidenten störte, dass der 44-jährige Putna vor zwei Jahren mit einem vulgären Protestschild an einem Homosexuellenmarsch teilgenommen hatte.

Putna gilt als einer der bekanntesten katholischen Intellektuellen Tschechiens. In seinen Arbeiten und Aufsätzen setzt sich der Literaturdozent an der Karls-Universität besonders mit dem Verhältnis zwischen Homosexualität und Christentum auseinander. Bereits seit 1998 ist Putna habilitiert.

Präsident Zeman sagte der Zeitung "Lidové noviny", er respektiere Putnas sexuelle Orientierung. Etwas anderes sei es allerdings, durch Prag mit einem Transparent mit der Aufschrift "Katholische Tunten grüßen Bátora" zu laufen. Zeman spielte dabei auf die Beteiligung Putnas an der Schwulendemo "Prague Pride" an, die vom rechtskonservativen Aktivisten Ladislav Bátora wiederholt kritisiert wurde. Vor zwei Jahren war Putna bei der "Prague Pride" mit diesem Schild aufgetreten. Bátora hatte eine Gegendemonstration zu der Schwulenparade organisiert.

In Tschechien ernennt der Präsident traditionell bei einem jährlichen Festakt die neuen Professoren. Kritiker werfen dem Anfang März angetretenen Zeman politische Einflussnahme und Störung der akademischen Freiheiten vor. Der Vorstand des tschechischen Hochschulrats bezeichnete das Verhalten des Präsidenten als "präzedenzlosen Eingriff in die Autonomie der Hochschulen" und rief ihn auf, seine Position darzulegen. Für Donnerstag haben Studentenvertreter zu Protesten aufgerufen.

ler/dpa

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