Nationalfeiertag in Tschechien Regierungschef Babis legt nachts heimlich Blumen an Mahnmal ab

Wegen einer Korruptionsaffäre protestieren in Tschechien Tausende Menschen gegen Ministerpräsident Andrej Babis. Der besuchte deshalb nun wohl nachts eine Gedenkstätte.
Ministerpräsident Babis

Ministerpräsident Babis

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In Tschechien demonstrieren Tausende Menschen gegen Ministerpräsident Andrej Babis, weil er in eine Korruptionsaffäre verstrickt sein soll. Nun haben die Proteste auch die Gedenkfeiern der sogenannten Samtenen Revolution vor 29 Jahren überschattet.

Offenbar aus Angst vor Protesten legte Babis überraschend bereits in der Nacht zu Samstag einen Strauß an einem Mahnmal auf der Prager Nationallee nieder. Am Morgen warfen Aktivisten die Blumen in einen Mülleimer, wie die Agentur CTK berichtete. Die Polizei stellte das Gebinde sicher und ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Der Multimilliardär und Populist Babis steht wegen einer wiederaufgeflammten Debatte um eine Korruptionsaffäre unter Druck. Dabei geht es um Subventionen für das Wellnessresort "Storchennest" in Mittelböhmen. Im Jahr 2007 soll er mit seinem Konzern Agrofert unrechtmäßig EU-Zuschüsse in Millionenhöhe eingestrichen haben. Mehrere Organisationen haben für den Nachmittag und Abend zu Demonstrationen, unter anderem "gegen Hass und Lügen", aufgerufen.

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Zuletzt hatte Babis' Sohn seinem Vater vorgeworfen, ihn gegen seinen Willen außer Landes gebracht zu haben, um Ermittlungen in dem Fall zu behindern. Andrej Babis Jr. sagte tschechischen Medien, Mitarbeiter seines Vaters hätten ihn gegen seinen Willen auf die Halbinsel Krim gebracht.

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Damit solle verhindert werden, dass er von der tschechischen Polizei zu den Betrugsvorwürfen befragt werde. Der Ministerpräsident hat die Vorwürfe seines Sohnes zurückgewiesen und erklärt, dieser leide an Schizophrenie. Andrej Babis Jr. bezeichnet das als "Lüge".

Die brutale Niederschlagung einer friedlichen Studentendemonstration in Prag hatte am 17. November 1989 die demokratische Wende in der damaligen Tschechoslowakei ausgelöst. Der "Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie" ist in Tschechien seit dem Jahr 2000 ein Feiertag. Erinnert wird dabei auch an die Schließung der tschechischsprachigen Hochschulen durch die nationalsozialistischen Besatzer am 17. November 1939.

joe/dpa
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