Tschechien Temelin spaltet Atomkerne und ärgert Nachbarn

100 Kilometer nördlich von Linz und 230 Kilometer nordöstlich von München hat das umstrittene tschechische Atomkraftwerk Temelin den Probebetrieb aufgenommen. Deutschland und Österreich haben Sicherheitsbedenken.


AKW Temelin
DPA

AKW Temelin

Prag - Im ersten Reaktorblock sei in Anwesenheit von Ministerpräsident Milos Zeman der etwa 24 Stunden dauernde Aktivierungsprozess gestartet worden, meldete die Prager Nachrichtenagentur CTK. In diesem Zeitraum werde auch die erste Kernspaltung erfolgen.

Die Atomsicherheitsbehörde in Prag hatte dem Stromkonzern CEZ am Montagmittag den Probebetrieb genehmigt. Gegen das südböhmische Kernkraftwerk, das im Mai 2001 ans Netz gehen soll, haben vor allem Österreich und Deutschland Sicherheitsbedenken. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte den Probebetrieb in einer Erklärung als "gefährliches Spiel mit Menschenleben".

Der Sprecher des tschechischen Außenministeriums, Ales Pospisil, sagte, Prag verschließe sich einer Temelin-Diskussion auf EU-Ebene nicht. Ein solches Gespräch hatten vor allem österreichische Politiker immer wieder gewünscht.

Bei der Inbetriebnahme am Montagabend
AP

Bei der Inbetriebnahme am Montagabend

Präsident Vaclav Havel nannte es seinen "größten politischen Fehler", dass er nicht sofort nach seinem Amtsantritt "sehr scharf gegen Temelin" aufgetreten sei. Das AKW war 1983 als sowjetischer Reaktor begonnen und ab 1990 mit US-Technik weitergebaut worden. Kritiker glauben, dass diese Kombination die Sicherheit gefährdet. Laut CEZ geht der zweite Block im August 2002 ans Netz.



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