Tschechien Ehemaliger Präsidentschaftskandidat leugnet Existenz eines KZ

"Die Menschen starben an den Folgen von Alter und Krankheit": Der ehemalige tschechische Präsidentschaftskandidat Okamura hat abgestritten, dass im Konzentrationslager Lety Menschen ermordet wurden. Seine Äußerung löste Empörung aus.
Tschechischer Senatsabgeordneter Okamura: "Mythos von einem Konzentrationslager"

Tschechischer Senatsabgeordneter Okamura: "Mythos von einem Konzentrationslager"

Foto: Krystof Hofman/ AFP

Prag - Der tschechische Senatsabgeordnete Tomio Okamura hat die Existenz eines Konzentrationslagers im südböhmischen Lety während des Nationalsozialismus geleugnet und damit Empörung ausgelöst. Mehrere Politiker forderten am Montag seinen Rücktritt.

"Der Mythos von einem Konzentrationslager für Roma ist nach verfügbaren Informationen eine Lüge", sagte der frühere Präsidentschaftskandidat Okamura dem Nachrichtenportal Parlamentnilisty.cz. In dem "Arbeitslager" sei niemand ermordet worden. "Die Menschen starben an den Folgen von Alter und Krankheit", behauptete Okamura.

Der tschechische Menschenrechtsminister Jiri Dienstbier junior forderte Okamura auf, alle politischen Ämter niederzulegen. "Ein solcher Mensch gehört nicht in eine anständige Gesellschaft", sagte der Sozialdemokrat nach Angaben der Agentur CTK. "Den Völkermord anzuzweifeln und zu relativieren, ist eine Niederträchtigkeit", teilte der konservative Oppositionspolitiker Miroslav Kalousek mit.

Im Lager Lety waren Historikern zufolge zwischen 1940 und 1943 etwa 1300 Roma interniert, von denen 327 starben und mehr als 500 ins deutsche KZ Auschwitz verschleppt wurden.

Okamura, Sohn einer tschechischen Mutter und eines japanischen Vaters, ist Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei Morgenröte der direkten Demokratie.

kes/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.