Diplomatischer Eklat Tschechien verbannt US-Botschafter von Prager Burg

Der tschechische Präsident Zeman will zu einer Parade nach Moskau reisen. Das kritisiert der amerikanische Botschafter. Wenige Worte später ist der diplomatische Eklat da.
Präsident Zeman: "Lasse mir von keinem Botschafter in meine Auslandsreisepläne hineinreden"

Präsident Zeman: "Lasse mir von keinem Botschafter in meine Auslandsreisepläne hineinreden"

Foto: MICHAL CIZEK/ AFP

Am 9. Mai will Tschechiens Präsident Milos Zeman in Moskau die alljährliche russische Militärparade zur Feier des Sieges über Nazi-Deutschland ansehen. Das werten die USA offenbar als Geste der Unterstützung für die russische Regierung - und zu der ist das Verhältnis der Amerikaner bekanntlich angespannt. Nun muss man hinzufügen: Unter Zemans Reiseplänen hat auch das Verhältnis Tschechiens zu den USA gelitten.

Die Vorgeschichte: Zunächst hatte der US-Botschafter in Prag, Andrew Schapiro, den Moskau-Trip Zemans als "ziemlich heikel" bezeichnet. Der Präsident giftete daraufhin zurück: "Ich lasse mir von keinem Botschafter in meine Auslandsreisepläne hineinreden."

Und er fügte auf dem Nachrichtenportal "Parlamentnilisty" hinzu: Die Tore der Prager Burg, des Präsidentensitzes, seien für den US-Diplomaten künftig verschlossen. Ein diplomatischer Eklat.

Die meisten europäischen Spitzenpolitiker werden der Parade in Moskau angesichts des Ukraine-Konflikts fernbleiben. Zeman hingegen hatte gesagt, seine Teilnahme sei "Ausdruck der Dankbarkeit dafür, dass wir in diesem Land nicht Deutsch sprechen müssen".

Die US-Botschaft in Prag kommentierte Zemans neuerliche Schelte nicht. Der tschechische Parlamentspräsident Jan Hamacek allerdings nannte die Reaktion des 70-Jährigen unverhältnismäßig.

Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie sehr sich die Befindlichkeiten in Europa durch den neuen Konflikt mit Russland verändert haben. An diesem Wochenende jährt sich der Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine. Vor einem Jahr besetzten Anhänger des gestürzten prorussischen Präsidenten Regierungsgebäude in den beiden großen Städten Donezk und Luhansk. Seither wurden mehr als 6000 Menschen in dem Konflikt getötet. Das im weißrussischen Minsk ausgehandelte Abkommen über einen Waffenstillstand soll zu einem Friedensprozess für das Land führen.

Am Sonntag haben zwei tödliche Vorfälle erneut die Brüchigkeit des Waffenstillstandes von Minsk gezeigt. Prorussische Separatisten töteten nach offiziellen Angaben im Osten des Landes mindestens sechs ukrainische Soldaten. In Schastye 170 Kilometer nordöstlich von Donezk sei ein Militärfahrzeug auf einer Brücke unter Beschuss geraten, teilte die Regionalpolizei mit. Dabei seien vier Soldaten gestorben. Wenig später wurden nach Militärangaben im östlich von Mariupol gelegenen Schyrokyne zwei Soldaten getötet. Unter ihrem Fahrzeug sei eine Landmine explodiert.

ulz/dpa/Reuters