Gemeinsam gegen den IS Tschechiens Präsident fordert Ende der Russland-Sanktionen

Russland und der Westen müssen gemeinsam gegen den IS kämpfen - das hat Tschechiens Präsident Zeman bei einer Konferenz auf Rhodos gefordert. Die Sanktionen der EU gegen Russland müssten aufgehoben werden.
Tschechiens Präsident Zeman: "Ukraine-Krise eine Grippe, Islamisten ein Krebsgeschwür"

Tschechiens Präsident Zeman: "Ukraine-Krise eine Grippe, Islamisten ein Krebsgeschwür"

Foto: PATRICK KOVARIK/ AFP

"Russland und der Westen sollten gemeinsam gegen die religiösen Extremisten des IS vorgehen", sagte Milos Zeman auf der Konferenz "Dialog der Zivilisationen". Sie findet derzeit auf der griechischen Insel Rhodos statt. Ihr Präsident und Mitbegründer ist Wladimir Jakunin - der einflussreiche Chef der Russischen Eisenbahnen. Jakunin gilt als Vertrauter von Kreml-Chef Putin und steht auf der amerikanischen Sanktionsliste.

"Die Sanktionen führen zu einer Verhärtung", sagte Zeman. "Statt Dialog herrscht Schweigen." Stattdessen brauche es mehr Austausch zwischen Russland und dem Westen - unter Politikern, Unternehmern, Studenten und Wissenschaftlern.

"Ukraine-Krise eine Grippe, Islamisten ein Krebsgeschwür"

Der tschechische Präsident warnte den Westen vor der Hoffnung, dass Sanktionen zu einem Regierungswechsel in Russland führen werden. "Die amerikanischen Sanktionen gegen Kuba sind seit vier Jahrzehnten in Kraft, aber Fidel Castro und sein Bruder sind immer noch da", sagte Zeman. "Die Krise rund um die Ukraine ist schwer, aber im Vergleich zur Herausforderung durch den 'Islamischen Staat' eine Grippe", erklärte Zeman. "Der IS aber gleicht einem Krebsgeschwür, das sich bis nach Europa ausbreiten kann."

Der frühere SPD-Chef Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, charakterisierte den Streit zwischen Russland und dem Westen als Wertekonflikt - neben den sicherheitspolitischen Gründen, die ihm zugrunde liegen. "Mir gefallen viele Gesetze nicht, die das russische Parlament beschließt", sagte er unter Anspielung auf ein Gesetz, das "Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen unter Jugendlichen" unter Strafe stellt und Stimmung gegen Homosexuelle macht. "Russland sieht manchmal die Vorteile einer offenen Zivilgesellschaft nicht und setzt sich zu wenig mit den liberalen Ideen des Westens auseinander", erklärte Platzeck.

Der frühere Ministerpräsident von Brandenburg trat für Selbstkritik auch im Westen ein. "Wir hätten Russland, seine Interessen, seine Traditionen, seine Mentalität ernster nehmen müssen", sagte Platzeck. "Stattdessen haben sich viele westliche Politiker darauf versteift, dass Russland einfach westliche Sichtweisen übernehmen und liberale Politiker an die Spitze wählen soll."

Platzeck griff das Buch "Die Schlafwandler" auf, in dem der britische Historiker Christopher Clark das naive Hineinschlittern der europäischen Mächte in den Ersten Weltkrieg beschreibt. "Holt uns die Geschichte ein? Sind wir heute die neuen Schlafwandler?", fragte Platzeck angesichts der Ukraine-Krise. Er warnte vor "gefährlichen Tendenzen in Westeuropa, Russland bestrafen zu wollen, Russland zu isolieren und es aus Europa zu verstoßen und nach Asien zu drängen".

In einem Interview mit dem SPIEGEL  hatte Platzeck im Mai dazu aufgefordert, "alle verbliebenen Gesprächsbrücken nach Russland zu nutzen, viele sind es ja nicht mehr".

Platzeck erklärte damals: "Ohne den Mut von Egon Bahr und Willy Brandt, nach Moskau zu gehen, ohne deren Politik Wandel durch Annäherung hätte es den demokratischen Aufbruch des Jahres 1989 und die Wiedervereinigung nicht gegeben. Man gibt seine Überzeugungen nicht auf, wenn man versucht, die Motive des anderen zu verstehen."

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