Tschetschenien-Expertin Russische Journalistin ermordet

Die prominente russische Kolumnistin Anna Politkowskaja ist heute in Moskau getötet worden. Die Journalistin hatte sich durch kritische Reportagen über den Tschetschenien-Krieg einen Namen gemacht. Europäische Politiker forderten eine gewissenhafte und schnelle Aufklärung der Tat.

Moskau - Eine Nachbarin habe den Leichnam von Politkowskaja im Flur des von ihr bewohnten Hauses aufgefunden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. Die Polizei habe eine Pistole vom Typ PM und vier Geschosshülsen sichergestellt. Der Chefredakteur der "Nowaja Gaseta", Dmitri Muratow, bestätigte den Mord. "Sie ist im Eingang zu ihrem Haus erschossen worden", sagte er.

Die 1958 geborene Journalistin berichtete kritisch über den von Moskau geführten Krieg in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien. Sie schrieb vor allem für die kleine regierungskritische Zeitung "Nowaja Gaseta" in Moskau.

Im Januar 2005 wurde sie in Schweden gemeinsam mit zwei weiteren russischen Menschenrechtsaktivisten für ihren Einsatz zur Förderung der Demokratie in Tschetschenien mit dem Olof-Palme-Preis ausgezeichnet.

Als Politkowskaja 2004 von Moskau in den Nordkaukasus zu der Geiselnahme von Beslan fliegen wollte, erlitt sie eine rätselhafte Vergiftung, für die sie den russischen Geheimdienst verantwortlich machte.

Vertreter des Europarats in Straßburg äußerten sich schockiert über die Ermordung der Journalistin. Der Generalsekretär der Organisation, Terry Davis, würdigte Politkowskaja als "eine Journalistin mit außergewöhnlichem Mut und Entschlossenheit". Ihre Berichterstattung über Tschetschenien habe der Öffentlichkeit Russlands und der ganzen Welt eine unabhängige Sicht auf die einfachen Menschen in der Konfliktregion geboten. Die Umstände ihres Todes sollten jetzt schnell und in überzeugender Weise aufgeklärt werden, forderte Davis.

Der Menschenrechts-Kommissar des Europarats, Thomas Hammarberg, bezeichnete Politkowskaja als "eine der wichtigsten Verteidigerinnen der Menschenrechte im heutigen Russland". Ihr Tod sei ein großer Verlust für Russland und für das Anliegen der Menschenrechte. Ihre Ermordung weise auf eine größere Krise für die freie Meinungsäußerung und die Sicherheit von Journalisten in Russland hin, erklärte Hammarberg. Die russischen Behörden hätten schon bei der Aufklärung früherer Versuche und Drohungen, Politkowskaja zu ermorden, versagt. Jetzt hätten die Behörden keine Entschuldigung mehr, wenn sie die Umstände ihres Todes nicht gewissenhaft untersuchten und die Täter nicht bestraften.

kai/AP/dpa/AFP

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