Tschetschenien Rebellen leisten kaum noch Widerstand

Angeblich haben sich die Rebellen vollständig aus der tschetschenischen Hauptstadt zurückgezogen. Die russischen Einheiten trafen dort kaum noch auf Widerstand, hieß es von russischer Seite. Die Rebellen planen aber offenbar, nach Grosny zurückzukommen.


Nur noch wenige Tage sollen die Kämpfe um Grosny dauern
AP

Nur noch wenige Tage sollen die Kämpfe um Grosny dauern

Moskau - Aus dem russischen Militärlager in Chankala östlich von Grosny verlautete, es werde noch einige Tage dauern, bis die russischen Streitkräfte Grosny unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Die russische Luftwaffe setzte ihre Angriffe fort. Die Agentur Interfax meldete, in den vergangenen 24 Stunden seien mehr als 150 Einsätze geflogen worden. Sie hätten sich hauptsächlich gegen Rebellen-Stellungen in den Bergen im Süden der Kaukasus-Republik gerichtet.

Die Rebellen erklärten, sie hätten sich vollständig aus Grosny zurückgezogen. Sie würden jedoch zurückkommen, um den russischen Soldaten wie bereits im Tschetschenien-Krieg von 1994 bis 1996 eine Niederlage zuzufügen. Auf der Website der Rebellen hieß es, der Rückzug sei eine taktische Operation. Die Rebellen würden zurückkehren und die Stadt in einen Friedhof für russische Soldaten verwandeln.

Korrespondenten der beiden britischen Tageszeitungen "Times" und "The Independent" berichteten, sie hätten mehrere hundert Rebellen gesehen, die sich auf der Flucht nach Alchan Kala im Südwesten von Grosny befunden hätten. Russischen Angaben zufolge waren noch Rebellen in Grosny eingeschlossen. Einige der flüchtenden Rebellen bestätigten Berichte, wonach Rebellenführer Schamil Bassajew verwundet worden sei.

Der amtierende russische Präsident Wladimir Putin hat indessen 20.000 Reservisten zum Militärdienst einberufen. Aus seinem Erlass ging aber nicht hervor, wo die Reservisten eingesetzt werden sollen. Beobachter sahen in der Mobilisierung ein mögliches Zeichen dafür, dass der Tschetschenien-Krieg wesentlich höhere Verluste als bisher offiziell eingestanden gefordert hat und Soldaten an der Front knapp geworden sind.



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