Tschetschenien Rebellenführer Umarow tritt doch nicht zurück

Rücktritt vom Rücktritt: Vor wenigen Tagen hatte der tschetschenische Separatistenführer Doku Umarow noch verkündet, sein Amt abzugeben und einen Nachfolger präsentiert - nun will er seinen Posten doch behalten. Umarow sei noch fit genug, um "Feinde zu töten".

Terroristenführer Umarow: Will weiter "Emir vom Kaukasus" sein
AFP / KAVKAZCENTER

Terroristenführer Umarow: Will weiter "Emir vom Kaukasus" sein


Moskau - Doku Umarow will seinen Führungsposten bei den tschetschenischen Rebellen nun doch behalten. Das erklärte der selbsternannte "Emir vom Kaukasus" in einem Video und nahm damit seine erst Sonntag gemachte Rücktritts-Ankündigung zurück. Diese sei aufgehoben, sagte Umarow.

"Angesichts der Situation im Kaukasus erachte ich es als unmöglich, mein Amt abzugeben", begründet der 46-Jährige seinen Schritt. Das neue Video war am Mittwoch unter anderem im Internet-Videoportal YouTube zu sehen. Dort war vergangenen Sonntag bereits die Nachricht erschienen, in der Umarow seinen Rücktritt verkündete.

Darin hatte er sich Seite an Seite mit seinem zu dem Zeitpunkt designierten Nachfolger Aslambek Wadalow gezeigt. Als Grund für seinen Rücktritt hatte Umarow genannt, er sei "müde". Mit Wadalow sollte ein jüngerer und aktiverer Kämpfer die Führung übernehmen. Der Moskauer Anti-Terror-Experte Alexander Torschin sagte, dass Umarows Rücktritt auf eine neue Strategie und Taktik der Terroristen schließen lasse. Zuvor hatten russische Fahnder einen engen Vertrauten des Rebellenführers verhaftet. Was nun hinter der Kehrwende steck, ist bislang unklar.

Umarow scheinbar bei guter Gesundheit

Im neuen Video trat Umarow zudem Gerüchten über seine angeschlagene Gesundheit entgegen. Er erklärte, dass er gesund sei und "Allah dienen" und dessen "Feinde töten" könne. Russische Medien hatten in den vergangenen Monaten wiederholt über schwere Erkrankungen und Verletzungen spekuliert. Sogar über seinem möglichen Tod wurde gemutmaßt.

In den beiden nun veröffentlichten Videobotschaften schien Umarow jedoch bei guter Gesundheit zu sein. Das jüngste Video zeigt ihn mit langem Bart und einer militärischen Tarnweste in einem Waldgebiet.

Umarow erklärte sich 2007 zum "Emir vom Kaukasus". Ihm gelang es, die verschiedenen Rebellionen in den russischen Kaukasus-Republiken wie Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan zu vereinen. In der Region werden regelmäßig Anschläge auf russische Soldaten und Regierungsvertreter verübt. Umarow hatte sich zu dem Anschlag auf die Moskauer U-Bahn Ende März bekannt, bei dem 40 Menschen starben. Er gilt als Russlands Staatsfeind Nummer Eins und wurde auch als "russischer Bin Laden" betitelt.

Ein Anschlag auf ein Wasserkraftwerk im Norden des Kaukasus ließ zuletzt Spekulationen über einen möglichen Wechsel der Taktik der Rebellen aufkommen. Zudem warnen Analysten, dass die Nähe der Stadt Sotschi zur Krisenregion, Moskau vor erhebliche Probleme stellen könnte. Sotschi ist Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014.

adg/afp/Reuters



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