Ausnahmezustand in der Türkei 35.000 Menschen nach Putschversuch in Haft

In der Türkei sind die sogenannten Säuberungen nach dem Putschversuch in vollem Gange: Nach Angaben des Justizministers wurde seit Juli gegen 82.000 Menschen ermittelt.

Justizminister Bekir Bozdag, Präsident Recep Tayyip Erdogan
REUTERS

Justizminister Bekir Bozdag, Präsident Recep Tayyip Erdogan


Als Reaktion auf den gescheiterten Putsch hat die türkische Regierung nach eigenen Angaben gegen rund 82.000 Menschen ermittelt. Mehr als 35.000 Menschen seien inhaftiert worden, sagte Justizminister Bekir Bozdag laut dem Fernsehsender NTV bei einer Veranstaltung der regierenden AKP. Knapp 4000 Verdächtige würden noch gesucht.

Ende September hatte die Regierung mitgeteilt, dass sie gegen 70.000 Menschen ermittele. 26.000 davon stünden weiter "unter der Kontrolle der Justiz", sagte Bozdag am Samstag.

Präsident Recep Tayyip Erdogan, der den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen als Drahtzieher des Umsturzversuchs betrachtet, hatte nach dem gescheiterten Putsch am 15. Juli umfangreiche "Säuberungen" im Staatsapparat angekündigt. Seither wurden Zehntausende Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, der Justiz, der Medien und des Bildungswesens aus dem Dienst entfernt.

Ebenfalls per Dekret verfügte Erdogan die Verlängerung der Untersuchungshaft von vier auf 30 Tage. Der Kontakt zu einem Anwalt darf fünf Tage lang verwehrt werden.

Menschenrechtsorganisationen und Teile der Opposition kritisieren, dass die türkische Führung den Ausnahmezustand missbrauche, um gegen Regierungsgegner vorzugehen.

cte/AFP/dpa



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