Angebliche Gülen-Verbindungen 9000 Polizisten in der Türkei suspendiert

Die Türkei geht weiter gegen angebliche Gülen-Anhänger vor: Aus "Gründen der nationalen Sicherheit" entfernt die Polizei Tausende Mitarbeiter aus dem Dienst.

Festgenommene nach Razzien in der Türkei
AFP

Festgenommene nach Razzien in der Türkei


Mehr als 9000 türkische Polizisten sind suspendiert worden, weil sie Verbindungen zum regierungskritischen Prediger Fethullah Gülen haben sollen. Die Polizei teilte mit, die Suspendierung der insgesamt 9103 Beamten sei "aus Gründen der nationalen Sicherheit" erforderlich. Die Regierung wirft Gülen-Anhängern vor, die Polizei durch verdeckte Netzwerke unterwandert zu haben.

Seit dem Putschversuch im vergangenen Juli, hinter dem Staatspräsident Erdogan seinen Widersacher Gülen vermutet, wurden in der Türkei rund 40.000 Menschen festgenommen. Etwa 120.000 Richter, Staatsanwälte, Lehrer, Polizisten und andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wurden entlassen oder suspendiert.

Der Ankündigung zur Suspendierung der Polizisten war am Mittwoch eine Verhaftungswelle vorangegangen: Die Polizei nahm landesweit mehr als tausend Menschen fest, die Verbindungen zur Gülen-Bewegung haben sollen. Ziel der Razzien sei es gewesen, Netzwerke von Gülen-Anhängern bei der Polizei zu zerschlagen, hatte Innenminister Süleyman Soylu gesagt. Gülen habe die Polizei "infiltriert".

Im Video: Mehr als 1000 Festnahmen nach Razzien in der Türkei

Auch westliche Sicherheitskreise hatten vor dem Putschversuch keinen Zweifel daran, dass die Polizei, aber auch die Justiz von der Gülen-Bewegung massiv unterwandert war. Gülen und Erdogan waren bis zu einem offenen Zerwürfnis im Jahr 2013 Verbündete. Nach dem Putschversuch hatte Erdogan den landesweiten Ausnahmezustand ausgerufen, der zuletzt in der vergangenen Woche verlängert wurde. Der Ausnahmezustand gilt nun bis mindestens zum 19. Juli. Erdogan brachte außerdem die Wiedereinführung der Todesstrafe ins Spiel.

max/AFP/Reuters/dpa



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