Türkei Ahmet Altan nach acht Tagen in Freiheit wieder verhaftet

Am 4. November wurde der türkische Schriftsteller und Journalist Ahmet Altan aus dem Gefängnis entlassen. Weil nun angeblich Fluchtgefahr besteht, wurde er umgehend erneut verhaftet.

Ahmet Altan (Zweiter von links) wird von Polizisten abgeführt
Bulent Kilic/AFP

Ahmet Altan (Zweiter von links) wird von Polizisten abgeführt


Acht Tage nach seiner Freilassung aus einem türkischen Gefängnis ist der Schriftsteller und Journalist Ahmet Altan erneut verhaftet worden. Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Reporter ohne Grenzen bestätigten einen entsprechenden Bericht der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Auf Fotos ist zu sehen, wie Altan abgeführt wird und aus einem offenbar fahrenden Auto in die Kamera winkt.

Zuvor hatte ein Gericht in Istanbul die Verhaftung angeordnet. Der Generalstaatsanwalt hatte Einspruch gegen Altans Entlassung aus der Haft eingelegt. Der 69-Jährige wurde den Angaben zufolge in seiner Wohnung mit der Begründung verhaftet, dass Fluchtgefahr bestehe.

Erst am 4. November freigelassen

Nach mehr als drei Jahren im Gefängnis hatte ein türkisches Gericht Altan und die Journalistin Nazli Ilicak am 4. November unter Auflagen freigelassen. Zugleich hatten die Richter das Strafmaß für die beiden Angeklagten reduziert, das ursprünglich auf lebenslange Haft wegen Unterstützung einer Terrororganisation gelautet hatte. Sie verurteilten Altan stattdessen zu zehn Jahren und sechs Monaten Haft, Ilicak erhielt eine Strafe von acht Jahren und neun Monaten. Die beiden Journalisten wurden unter Auflagen freigelassen, sie mussten sich seither regelmäßig bei der Polizei melden.

Der Vorwurf dürfte sich auf die sogenannte Gülen-Bewegung beziehen. Die türkische Staatsführung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Altan und Ilicak waren kurz danach verhaftet worden. Altan war Chefredakteur der inzwischen eingestellten Zeitung "Taraf". Ilicak schrieb in der Vergangenheit für die regierungsnahe Zeitung "Sabah" und für die inzwischen ebenfalls eingestellte Zeitung "Bugün", die Gülen nahestand.

Für sein Buch "Ich werde die Welt nie wiedersehen. Texte aus dem Gefängnis" wurde Altan in diesem Jahr mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. "Ahmet Altans Texte zeigen auf eine ruhige, klare Weise, wie es im Augenblick um die Türkei bestellt ist", urteilte die Jury.

hba/dpa



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kajoter 13.11.2019
1.
Allmählich sollten sich Erdogan und seine Lakaien einen anderen Popanz einfallen lassen als Gülen. Dieser müsste schon über ein wahrhaft gigantisch großes Zentrum in den USA verfügen, um all seine Anhänger beisammen zu halten und all die Aktionen zu steuern, die ihm nachgesagt werden. Erdogan ist auf seine Weise genauso dreist wie Trump und unterschätzt, beziehungsweise beleidigt die Intelligenz seiner internationalen Partner. Aber nicht nur darin äußern sich Gemeinsamkeiten. Trump nennt kritische Journalisten "Feinde des Volkes", für die AfD ist es die "Lügenpresse" oder die "Systemmedien", in Polen werden sie aus ihrem Beruf gedrängt, in der Türkei werden sie eingesperrt und in Russland ermordet, wenn sie sich allzu stark aus dem Fenster gelehnt haben. In diesem Vergleich kommt Trump nur deshalb so glimpflich davon, weil er in den USA nicht die Möglichkeiten vorfindet oder schaffen kann, diese Brut seines Missvergnügens zu beseitigen. Aber klar ist auch, dass man sich damit nicht nur von den etablierten, zivilisierten Demokratien entfernt, sondern dass diese ein derartiges Vorgehen nicht tolerieren dürfen. Die uneingeschränkte Freiheit für Presse, Autoren und generell für die Künste ist eines der demokratischen Grundpfeiler und alle, die daran die Axt ansetzen, diskreditieren sich selbst als Anti-Demokraten und potentielle Diktatoren. Das Fatale an der momentanen Situation ist, dass man jedes Mal zusammenzuckt, wenn die Wörter "Lügenpresse" oder "Feinde des Volkes" fallen, weil es offensichtlich ist, was damit bezweckt wird. Erdogan und Putin zeigen jeweil unterschiedliche Stadien auf, wohin derartige Parolen führen - von China ganz zu schweigen. Und trotzdem finden diese Phrasen genügend Anhänger - auch hier im Forum.
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