Berichte über Massaker Türkei wirft Syrien ethnische Säuberung vor 

Die Türkei verschärft ihren Ton gegenüber Syrien: Außenminister Davutoglu wirft dem Regime ethnische Säuberungen vor und zieht Parallelen zum Bosnien-Krieg. Mit diesem "Plan B" wolle Diktator Assad ein Rückzugsgebiet für seine alawitische Minderheit schaffen.

Außenminister Davutoglu: "Das ist ein sehr gefährliches Spiel"
REUTERS

Außenminister Davutoglu: "Das ist ein sehr gefährliches Spiel"


Ankara/Hamburg - Die türkische Regierung hat das syrische Regime beschuldigt, eine Politik der ethnischen Säuberungen zu verfolgen. Ziel sei es, einen "Schutzkorridor" für die Alawiten zu schaffen, sagte Außenminister Ahmet Davutoglu der türkischen Zeitung "Hürriyet". Dieser Minderheit gehören Diktator Baschar al-Assad und weitere wichtige Figuren der syrischen Führung an.

Mit diesem "Plan B" reagiere die syrische Regierung darauf, dass sie die Kontrolle über weite Teile des Landes verliere, sagte Davutoglu. Hintergrund sind Berichte über ein Massaker in dem Dorf Baida, südlich der Küstenstadt Banias. Nach Angaben von Augenzeugen sollen Regierungstruppen und verbündete Milizionäre dort am vergangenen Wochenende mindestens 62 Zivilisten getötet haben.

Offenbar versuche das Regime, das Gebiet zwischen der Stadt Homs und der libanesischen Grenze von Sunniten zu "säubern", sagte Davutoglu wörtlich. Die Bewohner dieser Region sollten in Angst und Schrecken versetzt werden. "Das ist ein sehr gefährliches Spiel", das ihn an die serbischen Verbrechen in Bosnien erinnere, erklärte der Außenminister. Er habe seinen US-Kollegen John Kerry über seine Befürchtungen informiert.

Davutoglu verspricht Syriens Alawiten Hilfe

Mit den jüngsten Massakern habe Assad "die fünfte Phase" im Kampf gegen die Aufständischen eingeleitet, so Davutoglu. "Zuerst hat er mit Scharfschützen auf friedliche Demonstranten geschossen. Dann hat er Städte mit Panzern und Artillerie beschossen. Als Drittes hat er sie aus der Luft bombardiert. In der vierten Phase hat er Scud-Raketen abgefeuert. Nun hat er seine Strategie auf ethnische Säuberungen ausgeweitet."

Schon länger wird befürchtet, dass der Konflikt in Syrien immer stärker durch die Rivalität zwischen Sunniten und Alawiten angeheizt werden könnte. Die Türkei gehört zu einer Reihe von mehrheitlich sunnitischen Staaten, die eine Ablösung Assads fordern. Davutoglu betonte aber, die Türkei werde die Alawiten schützen, falls sie zum Ziel von Massakern durch sunnitische Extremisten würden.

syd/AFP



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Seite 1
Urza 08.05.2013
1.
Davutoglu ist einer der wichtigsten Männer in der türkischen Politik, aber leider lässt er dem Hitzkopf Erdogan zu oft den Vortritt. Spricht 6 Sprachen perfekt und ist extrem gebildet und hat vielmals den Durchblick. Einer der wenigen Personen, welcher ich vertraue.
bystander01 08.05.2013
2. Verdrehte Welt...
Jetzt stellt sich mir nur noch die Frage, warum Herr Assad und seine alewitischen Freunde - immerhin gut 20% der gesamten Bevölkerung Syriens - überhaupt einen sogenannten "Schutzkorridor" benötigen. Na, klingelts?
lifeguard 08.05.2013
3.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Türkei verschärft ihren Ton gegenüber Syrien: Außenminister Davutoglu wirft dem Regime ethnische Säuberungen vor und zieht Parallelen zum Bosnien-Krieg. Mit diesem "Plan B" wolle Diktator Assad ein Rückzugsgebiet für seine alawitische Minderheit schaffen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-ahmet-davutoglu-wirft-syrien-ethnische-saeuberung-in-banias-vor-a-898813.html
sollte daran irgendwas dran sein, schaufelt sich assad sein eigenes grab. und nicht nur seins , sondern das von millionen. dann gehen nicht nur alle religionsgruppen aufeinander los wie grad eben. sondern auch alle volksgruppen.
byzopsycho 08.05.2013
4. Er genoss lediglich türkische Bildung hat nie im Ausland was studiert
Zitat von UrzaDavutoglu ist einer der wichtigsten Männer in der türkischen Politik, aber leider lässt er dem Hitzkopf Erdogan zu oft den Vortritt. Spricht 6 Sprachen perfekt und ist extrem gebildet und hat vielmals den Durchblick. Einer der wenigen Personen, welcher ich vertraue.
Weltoffene Impulse haben ihn nie erreicht, kurz gesagt: Er hat die volle Dröhnung türkisch angeordnete Sichtweise bekommen die er durch seine "soft-Power" und Null-Probleme Aussenpolitik durchsetzen wollte. Das Resultat ist nicht zu übersehen! In seiner Weltanschauung hat natürlich nur er Recht, früher oder später, wenn seine Texte korrekt übersetzt werden, wird die Erkenntnis kommen.
biobanane 08.05.2013
5.
Zitat von bystander01Jetzt stellt sich mir nur noch die Frage, warum Herr Assad und seine alewitischen Freunde - immerhin gut 20% der gesamten Bevölkerung Syriens - überhaupt einen sogenannten "Schutzkorridor" benötigen. Na, klingelts?
Ich denke, dass stand recht gut in dem Artikel. Durch den Verlust großer Teile des Landes, versucht Assad zumindest in seinen Hochburgen an der Macht zu bleiben. Um diese zu sichern, wird versucht zwischen diesen einen sicheren Korridor zu schaffen, vielleicht eben auch indem man diesen vor möglichen Gegnern säubert. Muss man aber abwarten, bisher sind das nur Beschuldigungen.
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