Diplomatische Krise Kanzlerin will wirtschaftliche Kooperation mit Türkei weiter zurückfahren

Dutzende Deutsche sitzen in der Türkei im Gefängnis. Um ihre Freilassung zu forcieren, will Kanzlerin Merkel die wirtschaftliche Zusammenarbeit reduzieren - hält aber gleichzeitig weiter an Gesprächen fest.
Angela Merkel

Angela Merkel

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Angela Merkel (CDU) ist empört, dass deutsche Staatsbürger in der Türkei in Haft sitzen. Mit wirtschaftlichem Druck will sie ihre Freilassung erreichen. "Wir werden unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Türkei weiter zurückfahren müssen und Projekte auf den Prüfstand stellen", sagte die Kanzlerin der "Passauer Neuen Presse". Die Kanzlerin warnte zugleich vor einem Abbruch der Kommunikation mit der Türkei - "sonst werden wir gar nichts erreichen".

Die Bundesregierung setze sich auf allen zur Verfügung stehenden Wegen dafür ein, die deutschen Staatsbürger in Freiheit zu bringen, sagte Merkel. "Wir betreuen die Inhaftierten konsularisch so gut wir können, auch das wird von der Türkei aber leider in einigen Fällen sehr erschwert." So etwa bei Deniz Yücel: Der inhaftierte Journalist darf keinen erneuten Besuch von einem Vertreter des Auswärtigen Amts erhalten.

Derzeit befinden sich offenbar 54 deutsche Staatsbürger in türkischer Haft: Diese Zahl nannte das Auswärtige Amt auf Anfrage des Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu, wie die "Bild"-Zeitung berichtet.

Dabei seien Fälle von Polizeigewahrsam und Untersuchungshaft ebenso erfasst wie Inhaftierungen zur Strafverbüßung. 19 Deutsche seien 2017 inhaftiert worden, die übrigen im Zeitraum von 2006 bis 2016. Elf der Festgenommenen seien im Zusammenhang mit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 in Haft genommen worden.

dop/AFP