Kurdengebiete Türkische Armee soll mehr als hundert PKK-Kämpfer getötet haben

Aktivisten sprechen von "Angriffen gegen das kurdische Volk": Die Zahl der Todesopfer bei Gefechten im Südosten der Türkei ist laut Medienberichten deutlich gestiegen. Unter den Toten sollen auch Jugendliche sein.


Bei der türkischen Armeeoffensive gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK gibt es offenbar immer mehr Todesopfer. In der Südosttürkei sind laut Medienberichten seit Mittwoch Dutzende Menschen bei Gefechten ums Leben gekommen. 102 PKK-Kämpfer seien in den Provinzen Sirnak, Diyarbakir und Mardin getötet worden, meldeten die Nachrichtenagenturen Anadolu und DHA unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Nach Angaben der Armee erhöhte sich die Zahl der getöteten Soldaten am Samstag auf zwei. Die PKK-nahe Agentur Firat berichtete, auch acht Zivilisten seien ums Leben gekommen - darunter zwei Jugendliche. Die Armee kündigte an, die Operationen würden fortgesetzt, "bis öffentliche Ordnung hergestellt ist". Der türkische Premier Ahmet Davutoglu hatte bereits vor wenigen Tagen angekündigt, dass die PKK bekämpft werde: "Viertel um Viertel, Haus um Haus und Straße um Straße."

Der Konflikt zwischen der Regierung und der PKK erreicht damit einen neuen Höhepunkt seit dem Ende der Waffenruhe im Juli. Noch im Frühjahr hatte die Regierung mit der PKK über Frieden verhandelt. Inzwischen herrschen in Teilen der Südosttürkei bürgerkriegsähnliche Zustände, Hunderte Menschen wurden seit Juli getötet.

"Eine Art Krieg gegen die eigene Bevölkerung"

"In diesen Häusern sind keine Terroristen, sondern Zivilisten", sagt Abdusselam Inceören von der Menschenrechtsvereinigung IHD. Er wirft den Sicherheitskräften Menschenrechtsverletzungen vor: "Sie setzen Raketen und Panzer ein. Sie nehmen keine Rücksicht auf Frauen, Kinder und Alte." Der IHD-Vertreter für die Südosttürkei zeigt sich überzeugt: "Die Angriffe gelten dem kurdischen Volk."

Die Kritik aus der EU am Beitrittskandidaten und Nato-Partner Türkei ist zwischenzeitlich leise geworden, seit Ankara als Partner in der Flüchtlingskrise hofiert wird. In Deutschland kommen zumindest aus der Opposition scharfe Worte: Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte, Ankara verhänge verbrecherische Kollektivstrafen gegen die kurdische Minderheit im Land. "Es wird eine Art Krieg geführt gegen die eigene Bevölkerung", sagte der türkischstämmige Politiker.

Die gegen die PKK im kurdisch dominierten Südosten der Türkei eingesetzten türkischen Spezialkräfte hätten völlig freie Hand. "Sie können verhaften, wen sie wollen, foltern, wen sie wollen, töten, wen sie wollen. Da kann man nicht von Menschenrechten oder Rechtstaatlichkeit sprechen."

mxw/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.