Streit nach Putschversuch Türkischer Außenminister wettert gegen Europa

"Sie demütigen uns": Der türkische Außenminister Cavusoglu greift den Westen in einem Interview scharf an - und warnt vor einem weiteren Putsch.

Außenminister Cavusoglu
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Außenminister Cavusoglu


Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat in einem Interview seinen Unmut über die Europäische Union zum Ausdruck gebracht. Er zeigte sich enttäuscht, dass sein Land nach dem gescheiterten Putsch nicht mehr Unterstützung von der Europäischen Union erhalten habe. Die Europäer verstünden nicht, dass das türkische Volk "traumatisiert" sei. "Sie demütigen uns, statt der Türkei zu helfen."

Sein Land habe sich wie kaum ein anderes angestrengt, die Bedingungen für einen EU-Beitritt zu erfüllen. "Aber das, was wir jetzt von Teilen der EU erleben, sind ausschließlich Drohungen, Beleidigungen und eine totale Blockade. Ich frage mich: Was haben wir verbrochen? Warum gibt es diese Türkei-Feindlichkeit?", zitiert die "Bild".

In der Debatte um die zugesagte Visafreiheit für Türken erneuerte Cavusoglu seine Forderung, die Vereinbarungen der Flüchtlingsdeals zwischen der EU und der Türkei einzuhalten. "Klar ist: Entweder wenden wir alle Verträge gleichzeitig an, oder wir legen sie alle zur Seite." Der türkische Außenminister forderte erneut auch die Zahlung von drei Milliarden Euro an die Türkei: "Das Geld ist doch nicht für uns, sondern für die Flüchtlinge." Die Türkei trage die Hauptlast aller Länder.

Deutschen Medien warf Cavusoglu "Manipulation und Desinformation" vor. Die Berichterstattung sei gesteuert in eine "Richtung, die nichts mit der Realität in der Türkei zu tun hat".

Die Türkei geht seit dem Putsch hart gegen mutmaßliche Regierungskritiker vor. Zehntausende Anhänger der Gülen-Bewegung wurden festgenommen. Cavusoglu verteidigte das Vorgehen im Interview. "Wir müssen diese Maßnahmen ergreifen, damit es keinen erneuten Putschversuch gibt. Diese Gefahr ist immer noch da."

brk/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 302 Beiträge
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crossbow17 15.08.2016
1. Da hat der Herr irgendwas verwechselt...
...Drohungen und Beleidigungen höre ich ständig aus der Türkei, nicht ungekehrt. Der Umgangston der türkischen Politiker und Medien hat etwas derart Aggressives das man sich fragt wes Geistes Kind man dort ist.
mwroer 15.08.2016
2. Die beliebte Opferrolle ...
Immer wieder schön zu sehen in welche bekannten Verhaltensmuster diese Art von Staaten verfallen. Ungefähr so glaubhaft wie der Einbrecher der sich vor Gericht beschwert dass er sich beim aufbrechen des Wandsafes verletzt hat weil der nicht TÜV oder was auch immer zertifiziert war und jetzt Schmerzensgeld will.
rostigen 15.08.2016
3. Warum gibt es die Türkeifeindlichkeit
Ich denke das hat nicht wirklich viel mit der Türkei an sich, als vielmehr damit zu tun wofür die Türkei steht. Vielen macht diese Kultur und diese Religion Angst. Sie ist fremd, man will dort vielleicht einen schönen Urlaub verbringen, als Partner will man Sie nicht. Das hat auch nicht viel mit den Zustand der dort im Moment herrscht zu tun, denn schließlich hatte der Westen mit Chile, Portugal, Spanien oder auch Griechenland lange Partner die zumindest unter dem Verdacht standen damals faschistisch zu sein. Hat keinen gestört es waren gute Christen.
istvanfred 15.08.2016
4.
Lieber Herr Cavusoglu, es ist nicht die Türkei, es ist wohl vor allem ihr und Ihr Präsident.
muenchenerfreiheit 15.08.2016
5. Natürlich hat er Recht
Sein Problem ist er kennt Europa bzw. Europäer nicht. Deshalb sind die meisten türkische Politiker schnell gekränkt. Europa ist nicht nur Rassistisch auch Islamfeindlich-Christlicher Fanatiker. Wenn die beide Eigenschaften zusammen kommen entsteht eine abartige rassistische menschenverachtende Gesellschaft. Man kann auch sagen eine Gesellschaft wie ein Raubtier. An seiner Stelle statt beleidigte Würstchen zu spielen. Er soll eine reale Politik treiben. und es wäre weg von Europa und weg von Nato an den Wurzeln zurückkehren und versuchen als ein asiatisches Land mit Russland, China und mit anderen asiatischen Ländern zusammen arbeiten, wo man von der Mentalität besser auskommt als unzuverlässigen Europäer. Nicht den gleichen Fehler machen, den die Kemalisten 90 Jahre lang gemacht haben. Jammern hilft niemandem.
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