Luftschläge Türkei bombardiert IS-Stellungen - und Lager der PKK

Der türkische Militärschlag gegen den IS dauert an - doch nun geraten auch die Kurden im Nordirak ins Visier. In der Nacht beschossen F-16-Jets mehrere Stellungen der PKK im Grenzgebiet.

DPA

Die türkische Luftwaffe setzt ihre Mission in Syrien und im Nordirak fort. Kampfjets nahmen am Freitagabend laut Medienberichten erneut Stellungen der Miliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien unter Feuer. Die Flugzeuge vom Typ F-16 hoben vom Luftwaffenstützpunkt Diyarbakir im Südosten des Landes ab, wie die Fernsehsender CNN-Türk und NTV meldeten. Über mögliche Opfer ist noch nichts bekannt.

Im Zuge ihrer jüngsten Offensive geht die Türkei nun aber auch gegen die kurdischen Einheiten im Grenzgebiet vor. Die Luftwaffe nahm in der Nacht zu Samstag Militärlager der kurdischen Rebellen im Nordirak unter Beschuss, wie ein Sprecher der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mitteilte.

Auch das Büro des türkischen Premiers Ahmet Davutoglu bestätigte die Attacke auf die Camps nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Kurdische Einheiten hatten im Norden des Irak und in Syrien zuletzt militärische Erfolge gegen die Kämpfer des IS gefeiert. Die PKK wird von der türkischen Regierung jedoch als "Terrororganisation" eingestuft.

Der Konflikt zwischen PKK und türkischer Regierung dauert seit mehr als 30 Jahren an, mehr als 40.000 Menschen starben. Beide Seiten bemühen sich um einen Friedensprozess, der jedoch immer wieder ins Stocken gerät.

Bereits am frühen Freitagmorgen hatte die türkische Luftwaffe Stellungen der IS-Extremisten im Nachbarland Syrien bombardiert. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mindestens neun IS-Kämpfer getötet und zwölf weitere verletzt.

Vergeltung für die Toten von Suruc

Vor den Vereinten Nationen hat die Türkei ihr Vorgehen mit dem Recht auf Selbstverteidigung begründet. Die Regierung in Damaskus sei "offenbar weder fähig noch willens" die von ihrem Staatsgebiet ausgehende Bedrohung für die Türkei zu unterbinden, hieß es am Freitag in einem Schreiben an den Uno-Sicherheitsrat und Generalsekretär Ban Ki Moon.

Der Militäreinsatz gegen den IS habe sein Ziel erreicht und werde fortgeführt, sagte Regierungschef Davutoglu nach den ersten Bombardements. Auslöser für das massive militärische Einschreiten war der IS-Terroranschlag in der türkischen Grenzstadt Suruc am vergangenen Montag, bei dem 32 Menschen ums Leben gekommen waren.

Deutschlands Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die militärische Beteiligung der Türkei am Kampf gegen den IS begrüßt. "Es ist wichtig, dass sich auch die Staaten der Region gegen den IS-Terror engagieren und sich über Religionsgrenzen hinweg gegen diesen barbarischen Terror stellen", sagte die CDU-Politikerin der "Bild"-Zeitung. Dieser Kampf sei sehr ernst und werde uns lange beschäftigen.

jok/dpa/Reuters

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Subco1979 25.07.2015
1.
Natürlich "auch" auf kurdische Stellungen. Das ist doch der einzige Grund für Erdogan und Konsorten, überhaupt seine Glaubensbrüder vom IS anzugreifen: Verhindern, dass die Kurden ihren eigenen Staat kriegen. Wobei ich natürlich nicht ausschließen möchte, dass die Kurden etliche Jahre später von ihrem eigenen Staat aus der Türkei den Krieg erklären, um sich die Gebiete der Türkei einzuverleiben, die heutzutage von Kurden bewohnt sind. Unter dem Strich versuchen die Herrscher der Türkei dennoch, ein Volk zu unterdrücken. Die logische Konsquenz ist ein ewiger Krieg. Viel Spass noch da unten.
99luftballons 25.07.2015
2. War vorauszusehen!
Ein Abwasch. Wenn der IS das Kurden'problem' nicht miterledigt, was die 'saubere' Loesung gewesen waere (wie seinerzeit der Irak den Iran destabilisieren sollte, woraus der Irakkrieg entstand), dann muss jetzt halt beides von der Tuerkei anvisiert werden. Werft mal einen genaueren Blick, was in der Tuerkei alles passiert, im 'Kampf gegen IS'. Da werden in den naechsten monaten jede Menge unliebsame kritische Geister dem IS Kampf zum Opfer fallen. Der Sieger steht fest: Erdogan festigt seine Macht. Nach USA Prinzip: Ein Gegner ausserhalb des Landes, der laesst das Volk ueber vielles innerhalb hinwegsehen. Gut aufgepasst. Und sollte der IS sich als zu stark erweisen, darf auf Nato-Unterstuetzung gehofft werden.
Pixopax 25.07.2015
3.
Normalerweise ist doch der Feind meines Feindes mein Freund, bei den Türken bleibt es wohl der Feind. Wird Erdogan diesen Anschlag jetzt nutzen um IS, Assad und gleich die PKK mit zu beseitigen? Das dürfte ihm kaum gelingen, jahrelange Terroranschläge in seinem Land dürften die Folge sein.
SichtausChina 25.07.2015
4. Nicht zu fassen!
Die einzigen die wirklich gegen IS vorgehen sind PKK und die syrische Armee von Assad. Nun werden sie von der NATO bombardiert. Auf welcher Seite stehen wir eigentlich?
bebreun 25.07.2015
5. geschickt eingefädelt
die Türken nutzendie Gelegenheit, gegen alle Feinde vorzugehen. Unter dem Deckmantel der IS-Bekämpfung wird gegen alles gebombt, was als Feind betrachtet wird. Die Kurden werden zum gewünschten Zielobjekt, das man schon immer im Auge hatte und jetzt fast legitimiert vernichtet werden kann. Assad in Syrien wird auch noch zu spüren bekommen. Ob hinter dem IS-Anschlag in der Türkei tatsächlich der IS steckte darf hinterfragt werden. Der Anlass wird für lange gehegte Angriffe genutzt.
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